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Siri Hustvedt: Was ich liebte (BestPreisSeller)

© Andrea Nikol

New York, 1975. Der Kunsthistoriker Leo Hertzberg entdeckt in einer Galerie ein Gemälde des Malers William Wechsler, das rätselhafte, kraftvolle Bild einer jungen Frau mit dem Titel «Selbstporträt» – das ist der Beginn einer spannungsgeladenen Geschichte. Der Theoretiker Leo und der Künstler Bill werden enge Freunde, sie ziehen in das gleiche Haus im Künstlerviertel SoHo, in dem sie die Erfahrungen von Heirat, Ehe, Vaterschaft und Trennung teilen. Fünfundzwanzig Jahre später erzählt Leo davon, ihn drängt es, Bilanz zu ziehen. Immer wieder kreist seine Selbstvergewisserung um die Frage, was an seinem Leben Fiktion, Imagination, Simulation war – und was Realität. Denn: «Wir alle leben in den eingebildeten Geschichten, die wir uns selbst von unserem Leben erzählen.»

Archäologie der Fiktionen

Was ich liebte von Siri Hustvedt ist im Mai als preiswerte Sonderausgabe (€ 5,-) erschienen, ein doppelbödig-subtiles Wunderwerk von Roman. Er ist weit mehr als «nur» die Chronik einer Freundschaft und zweier paralleler Familienleben. Siri Hustvedt konfrontiert uns mit großen Lebensentwürfen und trügerischen Idealen, mit den Gefährdungen der Liebe und der Allgegenwart des Todes, Anders als in ihren frühen Romanen Die unsichtbare Frau und Die Verzauberung der Lily Dahl ist es ein Mann, der hier erzählt, und keine Frau. Leo und Bill, zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könten, ziehen mit ihren Frauen Lucille und Erica in das gleiche Haus, wo ihre Söhne Mark und Matthew geboren werden. Nach dem Ende der Ehe mit Lucille wird Bill Violet heiraten – das Aktmodell des «Selbstporträts». Und auch Leo und Erica werden sich trennen. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes Matthew zieht sich Erica immer mehr in sich zurück. Bills Sohn Mark hingegen gerät in die Drogen- und Transvestitenszene und wird in einen grausamen Mord verwickelt.

Untergründig geht es in diesem atemberaubend dichten Roman, der Thriller, Kunstroman und Wissenschaftsdiskurs in einem ist, immer auch um Sprache. Um Sprache als Mittel der Erkenntnis wie der Manipulation: das Leben als «Archäologie der Fiktionen»?

«Sprache ist nicht identisch mit der Welt.», sagt Siri Hustvedt in einem Interview. Was erzählt, kann ebenso wahr wie falsch sein. Sprache kann befreien, verschleiern, einkerkern. Wir können in diesem Labyrinth aus Imagination, Fiktion und Realität nur eines tun: aufmerksam sein, uns stets Rechenschaft ablegen über Gesagtes und Gemeintes, über Text und Subtext.

Autoreninfo

Siri Hustvedt wurde 1955 in Northfield, Minnesota, geboren. Sie studierte Literatur an der Columbia University und promovierte mit einer Arbeit über...
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