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«Es ist schon sonderbar: Je weiter die Globalisierung fortschreitet, desto weniger werden die Kosmopoliten», schrieb die Frankfurter Rundschau im März 2004 in ihrem Nachruf auf Peter Ustinov. «Dieser in St. Petersburg gezeugte, in London geborene und in Schwäbisch-Gmnünd getaufte germanorussische Engländer (FAZ), der acht Sprachen beherrschte und viele andere großartig imitieren konnte, war Universalist, ein Multitalent in zahlreichen kreativen Sparten. Vor allem war er ein Menschenfreund. Die witzig-weisen Miniaturen «Achtung! Vorurteile» zeigen das aufs Schönste.
Was für eine titanische Figur, was für ein Leben! Oder kennt irgendwer jemanden, der als Film-, Theater- und Fernsehschauspieler, Filmregisseur, Roman- und Drehbuchautor, Dramatiker, Maler, Bühnenbildner, Opernimpressario und Opernsänger, Produzent, Karikaturist und Entertainer gearbeitet hat? Einen, dessen Visitenkarte ihn außerdem noch als dienstältesten Sonderbotschafter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNESCO), Mitglied der Akademie der Schönen Künste in Paris, Finanzier von Lehrstühlen zur Vorurteilsforschung, Kanzler der University of Durham und Gründer der Peter Ustinov Stiftung, die u.a. Schulen in Afghanistan baut, ausweist?
Vermutlich war er nie so sehr bei sich selbst wie bei seiner legendären One-Man-Show «Ein Abend mit Peter Ustinov». Hier führte er seine Ustinovitäten spazieren, brillierte mit Ein- und Ausfällen Songs und Maskeraden – Entertainment auf bewundernswertem Niveau. Denn er war nicht nur der Großschauspieler, der Oscars für seine Rollen in «Spartacus» und «Topkapi» bekam und in den Agatha-Christie-Verfilmungen als Privatdetektiv Hercule Poirot brillierte, er war mitreißend als Virtuose der kleinen Künste.
Wer noch einmal durch die Welt des Peter Ustinov flanieren will, sei auf diese Rundreise durch die «internationale Bananenrepublik der Vorurteile» verwiesen, ein Buch, das Ustinov selbst sein «Vermächtnis» nannte und über das die NZZ schrieb: «Das Buch liest sich, als ob Ustinov irgendwann zum Mitagessen eingeladen gewesen wäre, dann bis zum abendessen geblieben sei – und jemand dabei (Gott sei Dank) vergessen hätte, das Tonband abzustellen.»
Eine seiner schönsten Anekdoten kreist um die Modalitäten seiner Sir-Werdung. Als ein Bote des Buckingham Palace am Haymarket-Theater einen «Most Secret»-Brief, adressiert an Peter Ustinov, abgab, wusste zwar der Pförtner sofort Bescheid («Ich gratuliere! Wann ist es denn so weit?»), nicht aber der Kontaktierte selbst. «Noch bevor es so weit war, verwirrte mich Buckingham mit einem zweiten Brief – mit Fragen zum Ankreuzen: ‹I can kneel› oder ‹I cannot kneel›. Ich kreuzte an: Ich kann knien, könne aber danach nicht wieder aufstehen …»
Das war aber nicht seine einzige Befürchtung bezüglich einer unfallfreien Abwicklung der ehrenvollen Prozedur: «Mit sichtlicher Anstrengung hob Ihre Majestät ein schweres Schwert und legte es mir auf die rechte Schulter. Dann trat sie einen halben Meter zurück, um es auf meine linke Schulter zu hieven. Dabei sah sie so verbissen aus wie ein Angler, der einen riesigen Fisch am Haken hat. Ich machte mir Sorgen, dass sie von meiner rechten Schulter auf meine linke gelangt, ohne das verdammte Schwert zu heben.»
Dass Sir Peter auch einen politisch scharfen Ton anzuschlagen weiß, belegt der Text «Picasso, ein unerwünschter Maler!», in dem er einen Skandal erster Güte anprangert: Als US-Außenminister Colin Powell im Februar 2003 im Foyer des UN-Gebäudes vor die Mikrofone der internationalen Presse trat, um für den Irak-Krieg zu werben, war taktvollerweise die von Nelson Rockefeller gespendete Tapisserie von Picassos Jahrhundertbild «Guernica» von einem blauen Vorhang mit UN-Logo verhüllt. Krieg und Frieden!