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Als Donald Ramsey abends noch einmal in seine Londoner Galerie zurückkehrt, erstarrt er vor Schreck und Entzücken: Durch einen Türspalt beobachtet er, wie sich seine Assistentin Anne für einen Theaterbesuch umzieht. Sie ist nackt bis auf die Haut. Von diesem Augenblick an ist der Galerist wie besessen von der jungen Frau. Ihn treibt nur noch ein Wunsch: Sie von ihrem amerikanischen Freund Marty zu trennen – koste es, was es wolle. Es ist der Beginn einer fatalen sexuellen Obsession, einer Obsession mit tödlichem Ausgang … Simon Becketts früher Thriller Voyeur zeigt bereits die ganze Klasse des britischen Starautors: eine einfache Geschichte, so subtil wie spannend erzählt, mit einem Finale, das selbst Krimivielleser verblüffen wird.
Donald Ramsey würde sich selbst nicht als asexuell bezeichnen. Aber sein erotisches Begehren richtet sich ausschließlich auf das Sammeln von Erotika in der Grauzone zwischen Kunst und Pornografie, nie auf lebendige Wesen. Sex bedeutete ihm nie etwas. Bis er Anne an jenem Abend in jenem unendlich delikaten Augenblick sieht. «Von da an war ich besessen. Ich konnte Anna nicht mehr anschauen wie zuvor.»
Annes Freund Marty Westerman arbeitet an der Universität an seiner Doktorarbeit über gesellschaftliche Verhaltensmuster, die Grammatik sozialer Beziehungen. Ramsey stellt sich diesen Mann als einen wahren Adonis vor – wie sonst sollte jemand die Liebe einer so einzigartigen Frau gewinnen können. Als er Marty bei einer Vernissage zum ersten Mal sieht, ist er konsterniert, geschockt geradezu: «Die Kreatur, die Anne mir vorstellte, war klein, schmächtig und gnomenhaft. Die Kleidung schlotterte um seine dürre Gestalt, eine Hornbrille ließ die Augen in dem schmalen Gesicht überproportional groß erscheinen. Sein Haar war ungekämmt und straßenköterblond, was das Bild eines stubenhockenden Schuljungen vervollständigte.»
Von diesem Moment an weiß Ramsey, dass diese «Kreatur» aus Annes Leben verschwinden muss. Sofort und für immer. Schließlich wollen die beiden in wenigen Wochen London verlassen und nach New York ziehen. Um die Liebesbeziehung der beiden zu ruinieren, setzt er seinen Bekannten Zeppo auf Anne an – ein modelnder Schönling, ein zynischer Womanizer, skrupellos und amoralisch bis ins Mark. Zeppo, so der Plan, soll gegen fürstliche Bezahlung Anne verführen. Aber das Kalkül geht nicht auf: Anne lässt den Beau abblitzen: Kein Interesse – Marty oder keiner. Als auch Plan B sich jämmerlich an der Wirklichkeit blamiert, nämlich Martys angebliches homosexuelles Doppelleben zu entlarven, geht Ramsey aufs Ganze.
Was nun folgt, ist eine finstere Eskalation. Marty wird ins Haus des Galeristen gelockt soll, eine tödliche Falle wartet auf ihn. Donald Ramsey sieht in der Ermordung des jungen Amerikaners die einzige Chance, Anne für immer für sich zu gewinnen. Der perfekte Mord muss her …
Auch wenn Simon Beckett durch seine Thriller, die nicht nur in Deutschland allesamt Bestseller wurden, aller materiellen Sorgen ledig sein dürfte, lebt er nicht in der Schweiz oder in Monaco, sondern noch immer in Sheffield – der nordenglischen Großstadt in Yorkshire, die nach dem Niedergang der Stahlindustrie sich zum Dienstleistungszentrum mauserte und dazu noch jede Menge Rock- und Pop-Größen von Joe Cocker und Human League bis Pulp und Arctic Monkeys hervorbrachte.
Beckett hat seinem frühen Thriller im September 2009 ein Vorwort mit auf den Weg gegeben. Darin betont er den besonderen Stellenwert dieses Buches in seinem Werk. «Mehr noch als Obsession und Flammenbrut unterscheidet es sich von der David-Hunter-Reihe. Auch wenn ich zögern würde, es als einen «erotischen Thriller» zu bezeichnen, könnte der explizite sexuelle Inhalt manche Leser erschrecken. Doch genau wie die detaillierten forensischen Beschreibungen in den Thrillern um David Hunter ist dieser Aspekt völlig in die Geschichte eingebettet. Denn sie soll überraschen und zum Nachdenken anregen und keinen billigen Kitzel erzeugen. In diesem Sinne überlasse ich Sie nun Donald Ramsey …»