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Simon Beckett: Leichenblässe

© Hilary Beckett

Die Frau vor seiner Tür. Das Messer, das in seinen Körper eindringt. Der Schmerz, die Angst, die Dunkelheit … Diesen Augenblick wird Dr. David Hunter nie in seinem Leben vergessen. Nach Grace Strachans Mordanschlag ist nichts mehr so wie vorher. Nicht nur seine Freundin Jenny hat ihn verlassen. Er hat auch die Gewissheit verloren, als forensischer Anthropologe den Beruf auszuüben, der für ihn wie geschaffen schien.
Um Zeit und Klarheit zu gewinnen, beschließt er, für einige Zeit auf der Body Farm in Tennessee zu arbeiten, dort, wo er einst sein Handwerk erlernte. Hätte er geahnt, das ihn dort eine Mordorgie unfassbaren Ausmaßes erwartet, er wäre wohl lieber in Cornwall oder im Lake District abgetaucht, um endlich Ruhe zu finden … Leichenblässe ist Simon Becketts dritter Thriller um den grüblerischen Rechtsmediziner Dr. Hunter (nach Die Chemie des Todes und Kalte Asche) – jetzt im Taschenbuch erschienen.

Die Farm der Toten

Studenten, Wissenschaftler und Polizeiexperten aus aller Welt reisen nach Knoxville, Tennessee, um in der legendären Anthropology Research Facility ihre diffizilen Studien zu betreiben. Auf dem Gelände der Body Farm, wie die Einrichtung von allen genannt wird, wimmelte es von «menschlichen Leichen in allen Stadien der Verwesung. Im Unterholz, der offenen Sonne ausgesetzt oder im Schatten; die jüngeren noch aufgebläht von den Gasen, die der Verwesungsprozess freigesetzt hatte, die älteren ausgedörrt, ledrig. Manche waren im Boden vergraben oder lagen in den Kofferräumen von Autos. Andere wurden durch Netz- oder Drahtgitter geschützt und waren aufgebahrt wie Artefakte in einer Kunstausstellung …»

Das also ist der Ort, an dem Hunter zu sich finden will. Mehr als seine körperlichen Blessuren quält ihn die Frage, ob er überhaupt noch in seinem Beruf arbeiten kann. «Und wenn ich erneut einen Fehler mache? Und wenn ich zu dieser Arbeit nicht mehr fähig bin?» Tom Lieberman, Direktor des Instituts für Forensische Anthropologie und selbst durch ein schweres Herzleiden geschwächt, versucht seinen Freund aufzurichten, ihm den Glauben an die eigenen Fähigkeiten zurückzugeben.

Lieberman und seine Kollegen von der Body Farm arbeiten sie wie besessen an einem Fall, dessen Details wahrhaft furchterregend sind. In einer Berghütte in den Smoky Mountains, einem riesigen Waldgebiet der Apalachen an der Grenze zwischen Tennessee und North Carolina, war eine grausam zugerichtete Leiche gefunden worden. Nackt, gefesselt, gefoltert. Die Verwesung ist weit fortgeschritten. Was auf den ersten Blick nach einer Routineermittlung für die Polizei aussieht, wird zu einem Horrortrip.

ÜBER DEN AUTOR

Simon Beckett arbeitete als Hausmeister, Lehrer und Schlagzeuger, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Als Journalist hatte er Einblick in die...
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Es gibt immer ein nächstes Mal

Schnell ist klar, dass der Täter ein kaltblütiges Katz-und-Maus-Spiel mit den Ermittlungsbehörden und speziell mit den Forensikern vor Ort inszeniert. Immer neue verwirrende Indizien tauchen auf, offenkundig sorgsam arrangiert: «falsche» Leiche im «richtigen» Sarg; frische Fingerabdrücke von Menschen, die seit Monaten tot sind; Schweinezähne, wo man Menschenzähne zu finden hoffte etc. Agent Diane Jacobsen ist es, die die ersten Konturen eines Täterbildes entwirft: krankhafter Narzissmus, Allmachtsphantasien, Machtlust, völlige Mitleidlosigkeit. Erst später, als die Schwarz-Weiß-Bilder mehrerer Opfer auftauchen, begreifen Hunter und Jacobsen, was den Täter wirklich antreibt.

Wunder der Natur …: Am Ende sind es die neonblau leuchtenden Augen der Epiaeschna heros, der Sumpflibelle, die Dr. Hunter zu dem Mann führt, der sich irgendwo in der Abgeschiedenheit der Smoky Mountains seine eigene Body Farm erschaffen hat …