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Für seine Sarah würde Tim alles tun. Er raucht nicht mehr, kocht vegetarisch, ist offen für Feng-Shui und Tango. Seine geliebte E-Gitarre gammelt im Keller vor sich hin. Tim ist zu jedem Opfer bereit. «Für ein Lächeln von Sarah tat er alles – und genau das war sein Fehler.» Die Folge: Sarah verlässt ihn für einen richtigen Kerl namens Ben. Der raucht, säuft und ist Gitarrist in einer Heavy-Metal-Band. Tim beschließt: Schluss mit dem Nettsein – es reicht. Zum Glück stößt er auf eine Truppe Gleichgesinnter: den Club der Kerle. Von da an wird alles anders … Ein lustiger, temporeicher Roman über die Fremd- und Selbstverunsicherung von Männern: ein einziges Vergnügen! «Sebastian Schnoy ist unterhaltsam und tiefgründig zugleich.» (Spiegel Online)
Der gebürtige Hamburger Schnoy ist ausgesprochen vielseitig: er ist in wechselnden Rollen und Funktionen unterwegs, als Kabarettist, Redner, Moderator und Autor. Dass es ihn auch manchmal in die Ferne zieht, weiß man spätestens seit Smörrebröd in Napoli und Heimat ist, was man vermisst, die wochenlang auf der Bestsellerliste standen. Nach längeren Aufenthalten in Ungarn, Spanien und den USA lebt Schnoy wieder in seiner Heimatstadt. Auch seinen Romanhelden Tim treibt es hinaus in die weite Welt, genauer gesagt: auf ein Kreuzfahrtschiff. Auf ihm will er die eigenen Macken gemeinsam mit seinen Club-Kerlen durch forcierte Annäherung an das weibliche Geschlecht kurieren. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg …
Eigentlich hätte Tim viel früher darauf kommen müssen, dass seine Beziehungskommunikation ziemlich asymmetrisch ist. Schuld war er immer, das sowieso. Null Chancen, wenn Sarah ihn erst mal im «Verhörkeller der Abteilung ‹Absprachen und deren Einhaltung in einer Beziehung›» zu packen kriegt. Schnell raucht ihm der Kopf von all den Vorwürfen. «Diebstahl, Raub und Mord verjährten irgendwann, sie konnten zumindest gesühnt werden, indem man eine Haftstrafe absaß, aber Sarah mit zwei Karten vor dem Schauspielhaus stehen zu lassen, war unentschuldbar. Weder ein Strauß Sonnenblumen noch ein Tut-mir-leid-Dinner oder Versöhnungssex der besonders kuscheligen Art konnten daran etwas ändern.»
Schreckliche Bilder sind es (wenn er ehrlich ist), die an den Wänden der Galerie am Rödingsmarkt hängen. Was die britisch-liberianische Künstlerin Rebecca auf die Leinwände gebracht hatte, war, kurz gesagt, äußerst abstrakt. Expressiv. Diffus (also vermutlich irgendwie gut). Als dann noch zwei leicht verlottert aussehende Typen mit E-Bass und E-Gitarre eine ebenso wirre Klangcollage in den Raum prügeln, ist Tim auch ganz ohne Sarrazin vom nahenden Untergang der abendländischen Kultur überzeugt. Und was passiert? To cut a long story short: Sarah lässt Tim für den «Gitarrenpenner» Ben von den Helldrivers sitzen. Schnitt.
Für Tim ist es die größte, zumindest die zweitgrößte Katastrophe seines noch jungen Lebens. Ähnlich übel war nur die fatale Entscheidung, in einer eiseskalten Januarnacht mit der Zunge eine Straßenlaterne zu belecken, damals war er 12. (Nach einer Stunde qualvollen Wartens wurde er endlich enteist …) Tim erfährt die bevorstehende Trennung über eine Nachricht auf dem AB: «Hi Tim, hier ist Sarah. (Pause) Rebecca und ich sind spontan mit Ben und Ecki nach Münster gefahren. Sie haben da heute ein Konzert. (Fahrtgeräusche) Hör mal, wir sollten vielleicht mal in Ruhe reden. (Schlucken) Es ist irgendwie nicht mehr so, wie es mal war. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Tschau.» Ja, tschau.
Tims Leben ist nun wirklich ziemlich im Eimer. Magisterarbeit: ein Torso. Freundin: weg. Wohnung: weg. Seine eigene Gruppe (The Greentrees): ein Debakel. Wer würde wohl zum Konzert einer Band gehen (bzw. diese für einen Auftritt engagieren), deren Songs vom Dudelsacksound dominiert sind! «Der Dudelsack! Aber Matthias war praktisch unkündbar, Hauptmieter des Probenraums und Motor der Band … Alles okay, wenn - ja, wenn nicht der Dudelsack gewesen wäre. Nicht umsonst hatten die Schotten im Krieg in der ersten Reihe Dudelsackspieler in die Schlachten geschickt. Er ist weniger Instrument als Waffe, konstruiert, um Menschen in die Flucht zu schlagen. Und da Matthias nur Dudelsack spielen konnte, musste in jedem Song der Band ein Solo für ihn eingebaut werden.»
Als ihn sein Freund Stefan zum Club der Kerle mitnimmt, sieht Tim zum ersten Mal wieder einen Hoffnungsstreif am Horizont. Erste Erkenntnis: Andere Männer sind auch voll gegen die Wand gelaufen. Zweitens (gehört, kapiert): Frauen wollen Männer, die klare Ansagen machen. Drittens: Wer wenig gibt, bekommt viel (ein ehernes Gesetz im Kosten-Nutzen-Clinch der Geschlechter). Viertens: Neue Klamotten, neue Sprüche («Oscar Wilde und Che Guevara haben auch ihr Ding durchgezogen») und ein neuer Job müssen her. Statt Essen auf Rädern in einem weißen Mazda 323 mit Kochtopf auf dem Dach flitzt Tim jetzt als Fahrradkurier für die Parcel Cowboys durch die Hansestadt.
Es ist nicht so, als gäbe es gar keine Frauen mehr in Tims Leben. Tanja: wunderbar im Bett, aber sonst passt einfach nichts. (Bis auf das Ende: durch Tanja per SMS.) Oder Elly Ratekau, deren Firma in einem Glasturm in der Hafencity residiert, jene Elly, die bald ganz wild auf ihren ganz persönlichen Fahrradkurier Tim ist. (Ein Blick in ihre sterile Wohnung, und er weiß: Das wird niemals funktionieren.) Oder Sarah, seine Ex-Sarah. (Ein Ausrutscher nach einem Glas zuviel.)
Nils ist Tims neuer Frauen-Coach: cool, selbstbewusst, hochqualifiziert. Irgendwann rückt er mit der Idee raus, der Club der Kerle werde bald in See stechen. Auf dem Kreuzfahrtschiff Fidelio Sunrise. 2.200 Passagiere; 400 Singlefrauen. Kaum zu glauben, wen Tim genau dort trifft: seinen Lieblingsfeind Ben, Sarahs Neuen. Der macht auf der Fidelio aber nicht einen auf Heavy Metal, sondern schrammelt als Gitarrist der Las Vegas Boys schlimmste deutsche Schlager rauf und runter. Heißa, ist das Leben schön! Und siehe da, irgendwann blutet Ben ein bisschen aus der Nase. Damm damm, damm damm … Und wenig später sitzt Tim im Nachtzug von Rom nach München. Aber nicht allein.
Alle weiteren Schnoyheiten sind Sebastian Schnoys wirklich außerordentlich flottem Roman zu entnehmen. Ob man dieses Ende allerdings ein Happy End nennen möchte, das muss jeder Leser und jede Leserin selbst entscheiden ...