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93 Jahre alt ist Jacob Jankowski (vielleicht auch nur 90 - aber wie soll er das noch erinnern?), als nahe beim Altersheim ein Zirkus seine Zelte aufschlägt. Mit ihm kommen die Erinnerungen zurück an die Jahre, als er selbst als Zirkustierarzt durch Amerika zog – Erinnerungen an seine große Liebe und eine schreckliche Tragödie.
Sara Gruens Roman Wasser für die Elefanten, in den USA mit mehr als einer halben Million verkaufter Exemplare ein Sensationserfolg, ist «eine großartige Geschichte – spannend, unterhaltend, bewegend, komisch, traurig, wie eine richtig gute Vorstellung wie in einem Weltklassezirkus» (Christine Westermann, WDR). «Voll schwarzem Humor, Leidenschaft, Rebellion und Hoffnung.» (Brigitte)
Als ein kleiner Wanderzirkus in der Stadt seine Zelte aufschlägt, sind die Bewohner des Altenheims wie elektrisiert. Ein Abend im Zirkus wiegt Wochen voller Tristesse im Heim auf. Jacob Jankowski ist der Veteran unter den Senioren. Alles tut ihm weh, der Rücken, die Beine, die von der Gicht malträtierten Hände. Aber anders als die meisten anderen «Tattergreise» ist er noch ziemlich fix im Kopf, auch wenn er manchmal den Monat oder das Jahr vergisst, das man gerade schreibt. Ja, Jacob ist ein eigensinniger, nicht unanstrengender alter Herr, und darauf ist er durchaus ein klein wenig stolz.
Wäre da nur nicht die quälende Erinnerung an seine verstorbene Frau, die große Liebe seines Lebens: «Das Alter ist ein grausamer Dieb. Gerade wenn man das Leben halbwegs begreift, holt es einen von den Beinen und beugt einem den Rücken. Es bringt Schmerz und Verwirrtheit mit sich und lässt im Körper der eigenen Frau heimlich Krebs wuchern. Metastatisch, hat der Arzt gesagt. Eine Frage von Wochen oder Monaten. Doch mein Liebling war so zart wie ein Spatz. Sie starb neun Tage später. Nach einundsechzig gemeinsamen Jahren umklammerte sie einfach meine Hand und verlosch.“
Als Jacob von von der Ankunft der Gaukler und Artisten, der exotischen Tiere und bunten Zelte hört, wandern seine Erinnerungen zurück. Zurück in jene Jahre, als sein Leben durch den plötzlichen Unfalltod der Eltern aus den Fugen geriet. Als er mitten in den Prüfungen alles stehen und liegen ließ, um in eine ungewisse Zukunft auzubrechen. Da kam die Möglichkeit, sich als junger, noch unexaminierter Tierarzt einem Zirkus anzuschließen, für ihn wie gerufen: Benzinis Spektakulärste Show der Welt …
Als Jacob sich in die schöne Kunstreiterin Marlena verliebt, weiß er, dass er mit seinem Leben spielt. Schließlich ist sie die Ehefrau des Dompteurs August, vor dessen Unberechenbarkeit, seinen cholerischen Ausbrüchen sich alle zu fürchten scheinen – bis auf den Zirkusdirektor Alan Bunkel, genannt Onkel Al. August kann hinreißend sein, sprühend vor Charme, großzügig und mitreißend, und einen Augenblick später ein cholerischer Dreckskerl, der Menschen bis aufs Blut schikaniert.
Onkel Als ganzer Stolz ist die Freakshow, menschliche Abnormitäten wie die bärtige Dame, Barbara, das Busenwunder, oder die Liebliche Lucinda, «die schönste Dicke der Welt: 402 Kilo pralle Perfektion». Wie in vielen "Eisenbahnzirkussen" wird auch bei Benzini hinter den Kulissen mit knallharten Bandagen agiert. Oben in der Hierarchie die Künstler, die als Hochseilartisten oder mit spektakulären Tiernummern für die Glanzlichter der Show sorgen, ganz unten die Hilfsarbeiter, die für die Knochenjobs benötigt wurden. Sie werden von Onkel Als Schlägern wie der letzte Dreck behandelt. Ist Geld in der Kasse, bekommen sie ein paar jämmerliche Dollar ab, und wenn nicht, dann eben nicht. Wer alt und klapprig oder krank ist, den werfen Blackie und seine Stiernacken auch schon mal aus dem fahrenden Zug, gerne nachts und über Brücken.
So ist es auch ein Racheakt entlassener Zirkusarbeiter, die am Ende die Katastrophe auslöste: eine Stampede, die mancher nicht überleben sollte. Panische Menschen, verängstigte Tiere, Yaks und Zebras, Lamas und Eisbären Pferde und Hyänen, Löwen und Panther, Affen und Giraffen, ein einziges wildes, um sich schlagendes, um sich tretendes, hysterisches Knäuel. Und mittendrin: die Elfantendame Rosie in all ihrer Gelassenheit. Und Rosie tut in der Hitze der Stampede etwas Unfassbares – etwas, worüber Jacob siebzig lange Jahre nicht würde sprechen können …