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Sara Gruen: Das Affenhaus

© You Work For Them: www.iStockphoto.com

Sie kamen aus dem Kongobecken und sind längst in Kansas City heimisch geworden. Sie verstehen, was Menschen sagen, und antworten in ASL, einer Zeichensprache. Sie sind Tagträumer und Sportskanonen, Feiglinge und Querköpfe, verantwortungsbewusste Eltern und verspielte Kids. John Thigpen, Journalist des «Philadelphia Inquirer», hat sie im Sprachlabor kennengelernt: die Bonobos, eine Schimpansenart. Bonzi, die ruhige Matriarchin. Sam, das charismatische Männchen. Jelani, den Angeber. Makena, die ihn anhimmelt ...

Sie sind klug. Sie lieben Sex. Sie sind zu 98,7 Prozent wie wir …

Er hat ihnen vorab einen Rucksack mit Geschenken zukommen lassen – worauf sie mit seinem Besuch mehr als einverstanden waren. Er hat sie beobachtet und sich mit ihnen unterhalten, dabei allerdings das Sensibelchen Mbongo beleidigt: Menschen sind einfach zu doof, die «Monsterjagd» richtig zu spielen ... Kurz: Er ist fasziniert von ihnen (und ein wenig auch von Isabel Duncan, der betreuenden Wissenschaftlerin). Und er zweifelt nicht: Die Bonobos sind individuelle, differenziert fühlende, intelligente Wesen. Sie haben ihre Meinung zu einzelnen Personen und drücken sie ungeniert aus. Und sie gönnen sich Sex: oft, virtuos und aus reinem Spaß an der Sache.

Ist es das, was sie so interessant macht – aber für wen eigentlich? Wer ist so skrupellos, die Hochsicherheitstür des Labors mit einer Bombe aufzusprengen und dabei sogar den Tod von Isabel in Kauf zu nehmen? Welche Rolle spielt Celia, die tätowierte Assistentin, die heimlich in einem Tierheim arbeitet? Und was wissen die Demonstranten der Earth Liberation League, die Tag für Tag die Laborangestellten provoziert haben? Vor allem aber: Wer um Himmels willen hat die Mittel, die Bonobos spurlos vom Erdboden verschwinden zu lassen?

Isabel überlebt den Anschlag schwerverletzt. Jetzt aber, auf der Suche nach ihren Schützlingen, entwickelt sie eine Willenskraft, die sie sich selbst nie zugetraut hätte. Gerade jetzt bräuchte sie John, den versierten Rechercheur. Doch der muss, nach dem Willen seiner verhassten Chefin, in Philadelphia Schlaglöcher ausmessen und undercover zu Nutten schleichen – vorerst.

Autoreninfo

Die gebürtige Kanadierin Sara Gruen zog es zunächst aus beruflichen Gründen in die USA. Als sie dort den Job verlor, begann sie zu schreiben. Ihr...
mehr über die Autorin
Spannend, dramatisch, aufrüttelnd

Mehr und mehr entwickelt sich Isabels Suche zu einer Irrfahrt durch Institutionen, für die Menschenaffen nichts anderes sind als «behaarte Reagenzgläser», durch moderne Folterkammern, in denen ihnen unglaubliche Torturen zugefügt werden. Doch dann wird die Forscherin fündig. Die ganze Welt weiß plötzlich davon, und das Wort «Dschungelcamp» erhält eine überraschend neue Bedeutung.
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Das Affenhaus stand in Amerika zu Recht auf der Bestsellerliste, wie schon Sara Gruens fulminanter Roman Wasser für die Elefanten zuvor. Die Autorin hat im Vorfeld viele Gespräche geführt – auch mit Bonobos. Sie kennt die neuesten Ergebnisse der Primatenforschung und verpackt sie elegant in einen hochspannenden Thriller. Ganz unaufgeregt gerät ihr Buch so zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für ein anderes, ein respektvolles Miteinander – von Menschen und ihren nächsten Verwandten.

(Aus: Rowohlt Revue 91, Autor: Klaus Steinicke)