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Es ist eine dramatische, aufwühlende Geschichte, die in dem Jugendbuch Knastkinder erzählt wird. Sie ist, wie wir im Nachwort erfahren, «frei erfunden, könnte sich aber auf den Philippinen genauso abgespielt haben».
Dieses Buch hat eine besondere Vorgeschichte: Vor elf Jahren wurde der Verein «Tatort – Straßen der Welt» gegründet, nachdem die Kölner Tatort-Kommissare Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt (alias Freddie Schenk und Max Ballauf) während der Dreharbeiten für dir Tatort-Folge «Manila» auf den Philippinen drehten und mit dem Elend der Kinder dort hautnah konfrontiert waren. Seither setzt sich der Verein für Kinderrechte nicht nur auf den Philippinen ein. Aus einem Wettbewerb ging ein Schultheaterstück hervor, das auf die erbärmliche Situation der philippinischen Knastkinder aufmerksam machte; es lief 2008 mit großem Erfolg an 70 Schulen.
Diese Geschichte erzählt Rüdiger Bertram jetzt in seinem Roman für Jugendliche: Der12-jährige Jonathan Capio hat seine Eltern nur widerwillig nach Manila begleitet, viel lieber wäre er bei seinen Freunden in Berlin. Aber was soll er machen? Sein Vater, ein gebürtiger Philippino, war in den 80er Jahren, als das Land von der korrupten Clique des Staatspräsidenten Ferdinand Marcos und seiner Frau Imelda ausgepresst wurde, nach Deutschland gegangen. Nun will er seiner Frau und seinem Sohn seine alte Heimatland zeigen – und ist schockiert, dass er sie selber kaum mehr erkennt.
Als seine Eltern allein zu einem Familienbesuch aufbrechen und Jonathan für ein paar Stunden in seinem Zimmer im 15. Stock des Golden Palace Hotels zurücklassen, nutzt er die Gunst der Stunde und bricht zu einem Spaziergang durch die quirlige Millionenmetropole auf. Er läuft und läuft und schaut und schaut – bis er auf einmal nicht mehr weiß, wo er ist. Er weiß nur, dass er weit weg vom Hotelviertel ist. Langsam packt ihn die Angst. Jonathan hat sich hoffnungslos verlaufen.
Und dann überschlagen sich die Ereignisse. Eine Bande wild aussehender Jungs schlägt ihn halb bewusstlos und zieht mit seinen Sneakers, Jeans und Polohemd von dannen; dass sie ihm nicht den heiß geliebten iPod gelassen haben, versteht sich von selbst. Als die Polizisten kommen und den im Dreck liegenden, zerlumpt aussehenden Jungen sehen, nehmen sie ihn kurzerhand mit. Für einen wie ihn gibt es auf den Philippinen (und nicht nur dort) spezielle Lager und Gefängnisse; dort vegetieren die Kinder und Jugendlichen unter schlimmsten Bedingungen dahin, ehe man sie – vielleicht – irgendwann wieder laufen lässt.
Wie gut, dass Jonathan nicht weiß, dass er fast einen Monat im Sunshine-Gefängnis in Tondo bleiben muss. Verzweifelt wartet er darauf, dass seine Eltern ihn finden. Aber wie soll ihnen das gelingen, wenn sie nicht einmal wissen, wo er ist – und ob er überhaupt noch lebt. Ohne seine neuen Freunde Arnel, Marlon und Dennis wäre er vermutlich am Ende nicht heil aus dem Lager herausgekommen, aus jenem Albtraum, in dem Wörter wie Recht und Gesetz keiner kennt …
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Rüdiger Bertram
Rowohlt Digitalbuch
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