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Rolf Hochhuth: Essayistische Prosa und Gedichte

© ddp images/dapd/Michael Gottschalk

Er ist einer der erfolgreichsten Dramatiker des heutigen Theaters – mit sicherem Gespür für brisante Stoffe und Themen. Viele seiner Stücke haben heftige Debatten ausgelöst und manchen prominenten Politiker und Kirchenmann das Fürchten gelehrt. Geschichte, Zeitgeschichte vor allem, hat ihn immer fasziniert. Lebendig aber wird sie für ihn erst durch das Handeln Einzelner. Seine Figuren sind streitbare Moralisten – wie er selbst. «Ich halte Hochhuth für den geschichtsmächtigsten Autor unserer Generation.» (Martin Walser)


Am 1. April 2011 feierte Rolf Hochhuth seinen 80. Geburtstag. Am 2. Mai erscheinen nun seine gesammelte essayistische Prosa und die Gedichte: 1744 Seiten – ein in jeder Hinsicht wichtiges und gewichtiges Buch. Hochhuths essayistisches Werk ist Aufruhr in Permanenz. Diese umfassende Auswahl zieht Bilanz, bringt zudem zahlreiche bisher unveröffentlichte und neue Texte, ein neues Drama («Der Fliehende Holländer») sowie (Liebes-)Gedichte. «Die Liebe entlockt diesem Geschichtspessimisten … die beredtsten Glücks- und Friedensappelle, die die deutsche Gegenwartsdichtung kennt.» (Gert Ueding)

«Keine Atempause, Geschichte wird gemacht ...»

DIE ZEIT: «Wenn man ihn in den letzten Jahren durch Berlins neue Mitte radeln sah, weißhaarig mittlerweile, dachte man gleich an einen seiner Buchtitel: Was vorhaben muss man. Immer etwas vorzuhaben, ist vielleicht der auffälligste Wesenszug von Rolf Hochhuth. (...) Er selbst ist sicher schon wieder unterwegs zu neuen Debatten. Wer ihm widersprechen will, bedenke: Am Ende behalten die Idealisten recht, auch wenn es hundert Jahre dauert.»

In der Rowohlt Revue 49 vom Frühjahr 1996 hieß es in einer Besprechung seines neuen Theaterstücks Effis Nacht: «Seinetwegen setzte sich ein Papst in Rom öffentlich mit seinem Amtsvorgänger auseinander. Seinetwegen musste ein britischer Premierminister im Parlament Rede und Antwort stehen. Seinetwegen trat ein deutscher Ministerpräsident zurück, prägte ein deutscher Bundeskanzler das epochemachende Wort vom „Pinscher“. Kann ein Dramatiker mehr Erfolg haben? Kann die Wirkung seiner Stücke größer sein.» Kaum. Nicht viele verfügten und verfügen über das, was die FAZ dem großen Theatermann attestierte: «Spürsinn fürs Verborgene» und «Courage fürs Unbequeme».

Autoreninfo

Rolf Hochhuth, geboren am 1. April 1931 in Eschwege, war Verlagslektor, als er 1959 während eines Rom-Aufenthalts sein erstes Drama «Der...
mehr über den Autor
Der Dichter als Störenfried

Herr Hochhuth, wenn man wie Sie an einem 1. April Geburtstag hat, wird man nicht dauernd zum Narren gehalten?
Man muss für den Spott nicht mehr sorgen. Wie es in einem meiner Gedichte heißt: Ohne Feinde wirst Du rascher alt.

An Feinden war kein Mangel. Es gab Zeiten, da hatten Sie fast die gesamte katholische Kirche gegen sich.
Es gab Drohungen und Fackelzüge. Der «Stellvertreter» durfte anfangs an keiner deutschen Bühne am Rhein gespielt werden und an keiner südlich des Mains. Im protestantischen Basel mussten 200 Polizisten das Theater bewachen. Es gab sogar im Bundestag eine kleine Anfrage von katholsichen Abgeordneten der CDU, die das Stück verbieten lassen wollten. Aber ich habe immer auch Verteidiger innerhalb der Kirche gefunden. Der prominenteste war Papst Johannes XXIII. Als man ihn fragte, was man tun könne gegen das Stück, war seine Antwort laut Hannah Arendt: Nichts! Gegen die Wahrheit kann man nichts tun.

Wie erklären Sie sich, dass Sie international erfolgreicher sind als in Deutschland?
Weil ich der Einzige war, der, vor Peter Weiss, international interessierende Themen aufgegriffen habe. Ich habe eben keine provinzielle Literatur gemacht, wie es hier nach dem rieg üblich war.