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Ein Mann kehrt aus der Hölle zurück: im Wortsinn. Er ist der einzige Mensch, der diesen Trip in den Horror überlebt hat. Früher war Stark, wie er sich nach seiner Rückkehr nennt, der beste Magier von Los Angeles. Wieder unter den Lebenden, kennt er nur noch ein Ziel: Rache. Rache für seine ermordete Freundin Alice …
Wer diesen Roman liest, weiß nach den ersten paar Seiten: Dieser Mann schreibt wie der Teufel. Kein Wunder, dass sich eine Reihe prominenter Schriftsteller als Fans des Kollegen Kadrey und seines Sandman Slim outen. «Ein süchtig machendes, hochamüsantes, dreckiges Meisterwerk.» (William Gibson) «Das Knallhärteste an Supernatural Fiction, das zu lesen ich je das Vergnügen hatte … Ich liebe dieses Buch und seine durchgeknallten Figuren.» (Cory Doctorow)
Nein, bei Kadrey ist von «Hölle» nicht im übertragenen Sinne die Rede. Hier wird tatsächlich die Geschichte eines Typen erzählt, der daher kommt, was landläufig Hölle genannt wird. Aus der finsteren Unterwelt, wo Luzifer und seine Teufelsgeneräle Beelzebub und Azazel herrschen. Wo es grausam und schrecklich zugeht, wo gequält, gefoltert, verstümmelt wird. Wo Leiber geschunden und Seelen vernichtet werden. Dorthin hat es Stark verschlagen: als Opfer eines Komplotts neidischer Magier in L.A. «Einen lebenden Menschen hatten die meisten Hellions noch nie gesehen. Ich war die größte Sensation, seit sie aus dem Himmel geworfen wurden. Als es ihnen zu langweilig wurde, mich zu begaffen, zu foltern und zu vergewaltigen, hab ich in ihrem Auftrag als Killer gearbeitet. Da war ich richtig gut drin.»
Nun ist er zurück in L.A.: James Butler Hickock Stark, genannt Stark, genannt Sandman Slim. Zwar trägt er noch immer sein geliebtes altes Germs-T-Shirt, das seine Freundin in einem Secondhand-Laden geklaut hat, löchrige schwarze Jeans und verrottete Bikerboots. Ansonsten ist ihm nichts mehr geblieben aus seiner Zeit vor der Verschleppung in die Unterwelt: nicht der Schlüssel zu seiner alten Wohnung, nicht der für seinen Chevy Impala. Aber er hat etwas viel Wertvolleres aus der Hölle mitgebracht: den Schlüssel zum Raum der dreizehn Türen. Mit ihm kann er sich an jeden beliebigen Ort im Universum beamen. Und er hat eine Veritas-Münze mit bemerkenswerten Fähigkeiten aus dem Hades geschmuggelt. Sie zeigt ihm den Weg, den er gehen muss und gehen wird.
Seine Rache-Mission führt Stark zu einem alten Bekannten: Kasabian, eine ziemlich widerliche Figur aus seinem alten Magierzirkel. Kasabian weiß, was damals passiert ist, wer für Starks Verbannung und den Tod von Alice verantwortlich ist. Kein Wunder, dass er es mit der Angst zu tun bekommt und fünf Kugeln aus seinem Colt Peacemaker Kaliber .45 in Starks Brust feuert. Absolut tödlich … könnte man einen wie Stark, der die Hölle überlebt hat, überhaupt töten. (Dass Kasabian kurz darauf seinen Kopf verliert – wirklich verliert! – und doch weiterexistiert, gehört auch zu den amüsanten Volten, die Kadrey seinen Lesern beschert. Ganz schön magisch! Andererseits aber kein Wunder bei jemandem, der kleine Flammen auf den Fingerspitzen tanzen lässt und die jaulende Katze des Nachbarn dazu bringt, Russisch zu sprechen …)
Es dauert nicht lange, bis Sandman Slim weiß, wer ganz oben auf seiner Todesliste stehen wird: Mason, der Chef des magischen Zirkels. Zum Glück muss er den Kampf gegen das Böse auaf Erden nicht allein antreten. Die toughe Schwarze Allegra («ein L.A.-Girl mit einem Gewissen. Die sind in etwas so selten wie Einhörner»), die von der Arbeit in Kasabians Videoladen eh die Schnauze voll hat und sich auf Starks Seite schlägt, reiht sich ebenso in den Feldzug ein wie Vidocq, sein alter Kumpel aus dem Kreis der Verschwiegenen.
Es ist ein Feldzug auf Leben und Tod, auf dem wir den Sandman begleiten. Es geht gegen Vampire, Kissis und alle möglichen anderen dunklen Wesen der Unterwelt. Über Vampiore lernen wir Folgendes: «Die meisten Vampire kleiden und verhalten sich wie stinknormale Leute; oft ahben sie sogar einen ganz normalen Beruf und saugen nru einmal im Monat Blut, und zwar bei Neumond. Ein Monat ist der Zeitraum, den Vampire ohne frisches Blut aushalten können, falls sie nicht zu etwas zusammenschrumpeln wollen, das aussieht wie ein hundert Jahre alter Streifen Dörrfleisch. Es gibt aber auch andere Vampire. Die Sorte, über die man Filme dreht. Tollwütige, irre Serienkiller …»
Kadrey schreibt klasse Dialoge, pointiert, kalt, scharf. Folgende Szene: Stark alias Sandman Slim betritt eine Bar, das Bamboo House of Dolls. Obwohl er ziemlich abgerissen daherkommt, eben wie einer, der ganz weit weg war, begegnet ihm der Barkeeper freundlich. Spendiert ihm einen Kaffee, dann einen Jack Daniel's. «Und wieso bist du hierher zurückgekommen?», fragt er. «Ich werde ein paar Leute umbringen,», sage ich und gieße den whiskey in den Kaffee. «Wahrscheinlich eine Menge Leute.» Der Barkeeper greift sich ein Handtuch und fängt an, Gläser zu polieren. «Tja, irgendjemand muss das wohl tun.» Und dann schließen Barkeeper Carlos und Stark eine Verabredung, die diversen Halbweltganoven mächtig viel Prügel und Höllenhund Stark freies Essen und Trinken auf Lebenszeit im Bamboo House of Dolls einbringt. So machen Männer das.
Diese Super Natural Fiction ist richtig spannend,; noch schöner ist, dass sie richtig lustig ist. Es gibt jede Menge cooler Passagen über die Fürsten der Unterwelt, mit denen man ansonsten ja nicht täglich Kontakt pflegt, beispielsweise KOllege Luzifer: «Über Luzifer muss man wissen, dass er kaum je etwas sagt, und wenn er es doch tut, ist es nie mehr als ein Flüstern. Wenn das halbe Universum an deinen Lippen hängt, musst du nicht brüllen.»