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Rainer Löffler: Blutsommer

© Timo Kümmel


  

Es ist eine grausige Mordserie in jenem glutheißen Kölner Sommer. Der Mörder legt seine grässlich zugerichteten Opfer bevorzugt in bewaldeten Naherholungsgebieten der Stadt ab; die Kölner Boulevardmedien schüren Angst und Panik vor dem «Metzger».. Messer, Skalpell, Säge, Axt, das sind seine Arbeitsmittel. Martin Abel, einer der besten operativen Fallanalytiker des Landes, wird vom Stuttgarter LKA nach Köln delegiert, um das Monster endlich zu fassen. Abel hat in seinem Leben schon viel gesehen; was er jetzt sieht, ist schlimmer. Viel schlimmer … Rainer Löfflers Thriller Blutsommer ist nichts für Leute, die zu Angstzuständen neigen. Für alle Anderen ist er ein Muss.

Das 1 x 1 des Grauens

Eine Dunstglocke liegt über Köln. Um der unerträglichen Hitze zu entkommen, sind die Lerchs schon sehr zeitig zu einem Picknickausflug ins Fort Deckstein in Köln-Klettenberg aufgebrochen. Ihr Picknickausflug nimmt ein abruptes Ende, als die Kinder im Wald auf einen dunklen Haufen stoßen, von Fliegen und Maden bedeckt. Panisch flüchtet die Familie Richtung Innenstadt, ein traumatisiertes Kind muss in die Notaufnahme gebracht werden. Als die Polizei am Ort des Horrors ankommt, ist schnell klar: Der «Metzger» hat wieder zugeschlagen.

Nur ungern nimmt Konrad Greiner, der Chef des Kriminalkommissariats 11, das Amtshilfeangebot aus Stuttgart an.: Martin Abel, der beste Mann des baden-württembergischen LKA, die Koryphäe unter Deutschlands Fallanalytikern, ein schwieriger, eigenbrötlerischer Typ. Alle, die beruflich je mit ihm zu tun hatten, sprechen mit Befremden von ihm – und voller Bewunderung. Mit ihm kommt die junge Hannah Christ («hübsch auf eine etwas spröde Art») nach Köln, die vielen als der kommende Star der operativen Fallanalyse (OFA) gilt.

Abel hat viele Tote gesehen, und nicht wenige waren grausam zugerichtet. Aber der Anblick des Toten aus dem Fort Deckstein, der Anwalt Hartmut Krentz – das ist fürchterlicher als alles, was er bisher sehen musste. Abgetrennte Körperteile, entnommene Organe, ein Massaker. Hier war ein Spezialist am Werk, der weiß, mit welchen Instrumenten man was menschlichen oder anderen Lebewesen antun kann. Eine handfeste Spur ist das nicht, aber eine Einkreisung des potentiellen Täterkreises.

Autoreninfo

Rainer Löffler lebt mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern und dem Sohn in Hemmingen bei Stuttgart. BLUTSOMMER ist das Debüt des Autors - der Auftakt...
mehr über den Autor
Der Herr der Puppen

Hannah Christ ist irritiert über die Arbeitsweise ihres OFA-Kollegen. Im Institut für Rechtsmedizin besteht er darauf, mit dem Opfer allein zu sein, solange bis er das ganze Drama dieses Todes gesehen, gefühlt hat. Wie in Trance inspiziert er, was einmal ein Leben war; er berührt die Wundränder mit seiner Latex-behandschuhten Hand, mustert Quadratzentimeter für Quadratzentimeter mit einer Lupe. Was er sieht, spricht er in ein kleines Tonbandgerät. Abel sucht nicht die Nähe zum Opfer; er sucht die Nähe zum Mörder, seine Perspektive. Am Ende weiß er: «So und nicht anders muss es gewesen sein.»

Es dauert Tage, bis die Mordkommission Metzger auf eine heiße Spur stößt. Der Killer hat sich in seinem Allmachtswahn zu einem folgenschweren Fehler hinreißen lassen: Als er die Leiche eines weiteren Opfers im Stadtwald von Köln-Braunsfeld ablegt, bemerkt er nicht die beiden Forstarbeiter, die ihn aus der Ferne beobachten. Diese können den Mann zwar nicht näher beschreiben, wohl aber Sachdienliches über sein Auto zu Protokoll geben. Am Ende bleiben 68 Fahrzeuge übrig; einer der zu überprüfenden Halter, da ist sich Martin Abel sicher, ist der Mörder, der eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

Noch etwas Anderes fällt plötzlich an der Chronologie der Mordfälle auf: die Reihenfolge der Opfer. Frau, Mann, Frau, Mann, Frau, Mann: Das ist seine Handschrift, das Strickmuster des Todes, an das er sich penibel hält. Irgendwann formt sich vor unserem inneren Auge das Bild eines Mannes, der in seiner Kindheit Furchtbares erlebte – etwas, das ihn zu einem Monster in Menschengestalt werden ließ. Einer, der irgendwann seiner inneren Stimme nachgab, die ihm zuflüsterte: Zahl' alles zurück, räche dich, Auge um Auge, Zahn um Zahn! Er ist der Herr der Puppen, der die Erinnerungen an seine gestohlene Kindheit mit Blut wegzuwaschen sucht.

Martin Abel und Hannah Christ sind ganz nah an dem Metzger dran. Aber was nützt das ausgefeilteste Täterprofil, wenn niemand in der Sonderkommission auf die Idee kommt, dass der Killer nur ein paar Schritte entfernt von ihnen blutigen Pläne exekutiert?

Ein Ende mit Schrecken

Rainer Löfflers Roman ist Hardcore, definitiv nichts für schwache Nerven. Als Leser von Blutsommer werden wir hart rangenommen: Entführung, Folter, Todesangst – es gibt Bücher, die uns weniger nahe gehen, die uns weniger zumuten. Dafür erfahren Thrillerleser jede Menge Handfestes aus der Innenperspektive einer Mordermittlung: Tatortsicherung und Umgang mit Spuren, das A & O der rechtsmedizinischen Untersuchung (das, was Simon Beckett «die Chemie des Todes» nennt). Und, ganz nebenbei, lernen wir auch endlich einmal den Unterschied zwischen Profilern und operativen Fallanalytikern kennen.

Hoffentlich sehen wir Löfflers Romanhelden Abel in weiteren Romanen wieder. Er ist eine komplexe, gebrochene Figur: selbstbewusst bis zur Arroganz, störrisch und genial, abgebrüht und verletzlich. Dass ihn seine Ehefrau Lisa verlassen hat, wen wundert es: Ein Mann, der – wenn er überhaupt nach Hause kommt – bis tief in die Nacht schweigend an die Decke des Wohnzimmers starrt, verfolgt von den Schreckensbildern von Toten, wie soll man mit dem ein normales Leben führen? Die erste Frau, die Abel nach seiner Trennung von Lisa an sich heranlässt, ist ausgerechnet seine junge Stuttgarter Kollegin. Auf beide wartet am Ende ein Martyrium, verursacht durch eine groteske Ermittlungspanne ...