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Philippe Claudel: Der Junge, der in den Büchern verschwand

Philippe Claudel, wie man ihn noch nicht kannte: Fünfzehn hinreißende Geschichten (samt einem «Blabla» genannten Mini-Nachwort), kunstvolle Miniaturen, weise und anrührend, frech und phantasievoll. Geschichten über Kinder, aber Geschichten für Erwachsene – voller Zärtlichkeit für den kindlichen Blick auf unsere Welt. Einfach märchenhaft.

Angst und Glück

Da ist Lucas, der in der Schule gehänselt und zu Hause schikaniert wird: ein schwächliches Kind mit Brille. Und doch ist er der glücklichste Junge weit und breit. Weil er über die wunderbare Fähigkeit verfügt, in Büchern verschwinden zu können. So landet er in Ritterburgen, saust hoch oben durch die Stratosphäre, lässt sich durch die bunte Unterwasserwelt treiben. Aber da das Leben jenseits der Bücher immer schrecklicher wird, fasst er eines Tages einen Entschluss: Er wird in ein Buch steigen und verschwinden. Für immer.

Da ist Zazie, die schon als kleines Mädchen mit großer Ernsthaftigkeit an einem Impfstoff forscht, der die Menschen freundlich und die Welt zu einem Ort ohne Krieg, Hunger und Hass macht. Oder der kleine graue Esel, der sich vorgenommen hat, ein strahlend weißer kleiner Esel zu werden. Und was sagt seine Mama, als er sich, von Malerfarbe blendend weiß gefärbt, stolz seinen Freunden zeigt? «Wer sind Sie? Ich kenne Sie nicht.» Wie wird aus Schneeweiß nur wieder Eselsgrau?

Hoffnung und Trost

Und dann gibt es diesen Morgen, als die Welt wach wird und alle, wirklich alle Kinder verschwunden sind. Eine in krakeliger Handschrift verfasste Botschaft verrät, was sie vertrieben hat: «Immer schimft ier mit uns! Nie hört ier auf uns … Wir haben Genuk von den Grosen, wir haun ap!» An einem sicheren Ort leben sie ein schönes Leben; das Gejammer der Erwachsenen lassen sie abperlen wie warmen Sommerregen. Bis sie sicher sind, dass diese ihre Lektion gelernt haben. Einen kleinen Haken hat ihre demonstrative Aktion aber …