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Philippa Gregory: Die Königin der weißen Rose

© any.way, fotolia/stuffwemake.info, fotolia/Marty Kropp

In den USA und Großbritannien zählt Philippa Gregory zu den herausragenden Autorinnen historischer Romane; die Auflagenzahlen gehen in die Millionen, auf allen bedeutenden Bestsellerlisten ist sie zu Hause. Ihre historischen Romane sind lebendig erzählt und exzellent recherchiert. Bei rororo ist jetzt Die weiße Königin, Band 1 von Philippa Gregorys großer Trilogie über die englischen Rosenkriege im 15. Jahrhundert, erschienen – ein Panoramablick in jene dramatischen Jahre, als die verwandten Adelshäusern Lancaster und York im Krieg der Roten Rose gegen die Weiße Rose ihren Anspruch auf den englischen Thron mit Intrigen, List und Gewalt austrugen ...

Nach dem Tod ihres Mannes steht Elizabeth Woodville mit ihren beiden Söhnen mittellos da. Weil das Netz ihrer halb-adeligen Familie Rivers sie nicht trägt schützt, beschließt die verarmte Witwe, den jungen König Edward of York um finanzielle Unterstützung zu bitten. Bei ihrem ersten Treffen schon verlieben sich die beiden Hals über Kopf ineinander. Edward ist bereits einer Prinzessin aus dem französischen Königshaus versprochen – doch er setzt sich über die Standesschranken hinweg und heiratet Elizabeth in einer heimlichen Zeremonie.

«Wir sind überall …»

Damit löst er einen großen Skandal am Hofe aus. Das Tuscheln und der hämische Klatsch der Hofschranzen ist dem stolzen Edward gleichgültig Aber mit dem Bruch der Standeskonvention macht er sich einflussreiche Männer zu erbitterten Feinden, vor allem seinen väterlichen Mentor Richard Neville, der ihm den Weg zum Thron geebnet und Edwards Verbindung mit dem französischen Königshaus forciert hatte. Auch seinen jüngeren Brüdern George und Richard missfällt die Heirat, da durch eventuelle Söhne aus der neuen Verbindung die eigenen Chancen auf die Thronfolge faktisch zunichte gemacht werden. Sie müssen einen Weg finden, Edwards männlichen Nachwuchs für illegtim zu erklären – koste es, was es wolle ...

Nicht nur von dieser Seite droht dem regierenden Hause York Gefahr. Königin Elizabeth erweist sich als ehrgeizig und machtbewusst. Ihrer großen Familie weiß sie durch arrangierte Heiraten einen beachtlichen Einfluss im Staat zu sichern – eine gezielte Brüskierung der alten englischen Adelshäuser, die nicht folgenlos bleiben kann. «Als alle Eheschließungen und Erhebungen in den Adelsstand hinter uns liegen, kann man in England keine Schritt mehr tun, ohne jemandem aus meiner Sippschaft über den Weg zu laufen: Man kann keinen Handel abschließen, kein Feld pflügen, keinen Rechtsstreit ausfechten, ohne auf jemanden aus der großen Rivers-Sippe zu stoßen oder auf jemanden, der von uns abhängig ist. Wir sind überall; wir sind überall dort, wo es dem König gefallen hat, uns einzusetzen.»

Elizabeth und Edward stemmen sich mit aller Kraft gegen die Woge aus Intrigen, Neid und Verleumdungen. Ihre Stellung scheint trotz aller Anfeindungen sicher zu sein – bis zu dem Tag, als sich Richard Neville und Edwards jüngerer Bruder gemeinsam gegen ihn verbünden: George soll Englands neuer König werden. Edward ist bestürzt, weil er sehenden Auges ins Unheil gestolpert ist: «Ich habe mich getäuscht, schwer getäuscht, wir sind nicht mächtig genug. Ich hätte vorsichtiger sein sollen. (…) Ich habe nicht vorhergesehen – und ich hätte es vorhersehen müssen – dass sich Warwick und Edwards verbitterte Mutter zusammentun und einen anderen Sohn aus dem Haus York auf den Thron setzen würden, anstelle des Jungen, den sie zuerst ausgesucht hatten. Dass der Königsmacher einen neuen König machen würde.»

Rote Rose, Weiße Rose ...

Auch von anderer Seite droht Gefahr. Die nach Frankreich geflüchtete Margarete von Anjou, die ehemalige Königin und Gemahlin von König Henry von Lancaster, schart eine bewaffnete Streitmacht für die Rückeroberung des englischen Throns um sich. Auch wenn dieser Aufstand scheitern wird, die Revolte gegen die Königsfamilie und das Haus York wird immer wieder neu aufflammen. Trotz aller Gefahren gibt es auch ruhigere Zeiten, in denen sich Edward und Elizabeth an ihrem Nachwuchs erfreuen können (am Ende werden sie zusammen zehn Kinder haben) und einen Hof führen, der bald dem burgundischen Hof an Kultiviertheit und Prunk in nichts nachstehen wird.

Als König Edward von York in einer Schlacht von seinen Feinden vernichtend geschlagen wird, muss er fliehen. Für Elizabeth und die Kinder bleibt nur das militärisch gesicherte Asyl in Westminster Abbey. Nach Edwards’ Tod spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Der zum Thronfolger bestimmte älteste Sohn wird entführt und in den Tower of London gesperrt, für Elizabeth und ihre Kinder beginnt eine lange gefahrvolle Odyssee.

Über Jahre werden sich die blutigen Rosenkriege in immer neuen Bündniskonstellationen hinziehen, bis England endlich wieder zur Ruhe kommen wird …

Text: Suriama Velasco