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Simon Axler ist am Ende. Als Theaterschauspieler war er eine Legende, fast jede der großen Rollen hat er auf unvergessliche Weise verkörpert, Macbeth, Falstaff, Prospero. «Er hatte seinen Zauber verloren. Der Impuls war erloschen. Auf der Bühne hatte er nie versagt – alles, was er getan hatte, war stark und erfolgreich gewesen, doch dann war das Schreckliche geschehen: Er konnte nicht mehr spielen.» Aus und vorbei. Als ihn seine Frau verlässt, stürzt Axler sich Hals über Kopf in eine Affäre mit der lesbischen Tochter eines Künstlerpaares. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf …
Die Demütigung ist der zweite in einer Reihe von fünf Kurzromanen von Philip Roth. Ein großer Wurf, «ein Buch, dessen skizzenhafte, von keinem überflüssigen Detail verstellte Inszenierung auf jeder Seite Roth' souveräne Meisterschaft zu erkennen gibt.» (FAZ)
«Ein grandioser Roman: Bleibt zu sagen, dass das Ende dieser Geschichte vom ersten Satz an feststeht und das man sie gleichwohl atemlos liest – und ehrfürchtig staunt über das Können dieses wahrhaft großen Schriftstellers.» ( Die Zeit) «Philip Roth erzählt in Die Demütigung meisterhaft von einem tödlichen Spiel. Ein Roman, der das Leben als grimmige Komödie entlarvt.» (Süddeutsche Zeitung) «Roths Spätwerk handelt in pointierter, karger Sprache von der Vergänglichkeit und der Erbarmungswürdigkeit des Menschen. (…) Wir haben mit Roth gelacht – nun müssen wir mit ihm auch den Weg zu Ende gehen.» (Die Welt)
Es ist ein schmales Buch von ungeheurer Wucht. Es beschreibt in beinahe skelettierter Sprache das Trauma aller Kreativen. Das Versiegen des Talents. Den Verlust des Selbstvertrauens. Das Erlöschen der Aura. Axler ist Realist genug, sich einzugestehen, dass das Unvorstellbare eingetreten ist. Dass alles, was ihn ausmachte, dahin ist. Verschwunden für immer. Seine Frau Victoria verließ ihn und zog nach Kalifornien, um in der Nähe ihres drogenkranken Sohnes zu sein. Axler war am Ende, definitiv. Warum ergriff er nicht seine Remington-870-Repetierflinte, um auf dem Speicher seines Hauses dem «universalen Albtraum» ein Ende zu bereiten! 26 Tage in der Psychiatrie reichten, um ihn zumindest davon zu kurieren.
Als Pegeen in Axlers Leben tritt, ahnt dieser nicht, dass seinem Leben eine letzte aufregende Wende bevorsteht. Er kannte Pegeen Mike Stapleford schon als Baby, damals war er eng mit ihren Eltern befreundet, beide Schauspieler. Seit ihrem 23. Lebensjahr lebt sie offen lesbisch: zuletzt mit Dekanin des Colleges in Vermont, an der sie als Dozentin arbeitet. Der 65-jährige ehemalige Schauspieler und die 25 Jahre jüngere Pegeen stürzen sich in eine Affäre, die rasch obsessive Züge annimmt. «Weit und breit gab es nur sie beide. In den ersten Monaten fanden sie nur selten vor Mittag aus dem Bett. Sie konnten nicht voneinader lassen.»
Axler ist nicht naiv. Und doch ist er, was Pegeen angeht, mit Blindheit geschlagen. Wie sonst hätte er sehenden Auges in sein Verderben laufen können? Er kauft seiner Geliebten teuren Schmuck, Kleider, Mäntel, Schuhe, er arbeitet sie ästhetisch konsequent nach seinem Bilde um´. Ein Sugardaddy, wie er im Buche steht. Dass ihre Eltern die Liaison des ungleichen Paares unter Sperrfeuer nehmen, nimmt er eher amüsiert zur Kenntnis. Ja, er spielte nicht mehr. Ja, er war in der Psychiatrie. Ja, er ist sehr viel älter als ihre Tochter. Was geht es sie, was geht es ihn an? Und doch weiß er immer, dass «irgendwann der Tag kommen (wird) … Und wenn sie stark ist und ich schwach bin, wird der Schlag vernichtend sein.»
Vielleicht hätte ihn die auf dem Anrufbeantworter hinterlassene Nachricht der eifersüchtigen Dekanin Louise Renner aufschrecken sollen: «Seien Sie gewarnt, Mr. Famous: Sie ist begehrenswert, sie ist wagemutig, und sie ist absolut rücksichtslos, absolut kaltherzig, unvergleichlich selbstsüchtig und vollkommen amoralisch.» Aber verliebte alte Männer sind Traumtänzer und Realisten zugleich; beratungsresistent und nicht aufzuhalten.
Nun sind wir bereit für Axlers letzten großen Auftritt. Ein Triumph des Willens, eine Manifestation von Konsequenz. «Eine Lektion in Verzweiflung» (Die Welt). Und eine allerletzte Hommage an Anton Tschechows großes Drama Die Möwe.