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Philip Kerr: Die Adlon-Verschwörung

© Matrix Buchkonzepte

Philip Kerr ist ein «literarischer Streuner» (Der Spiegel), dessen Plots so atemberaubend sind, dass Hollywood-Scouts bei ihm nur zu gerne auf der Lauer liegen, egal ob es sich um historische Stoffe, Science-Fiction-Plots oder grandiose Kriminalromane wie die Serie um Privatdetektiv Bernhard «Bernie» Gunther dreht, die Kirkus Review als «finster, komplex und schonungslos witzig» bezeichnete. Chandlers Philip Marlowe im schnoddrigen Ton und Hammetts Sam Spade in Sachen geschmeidiger Moral wesensverwandt, beackert Bernie Gunther in der Nazi-Metropole Berlin ein einträgliches Geschäftsfeld: die Suche nach Vermissten. Es sind die Jahre, in denen das Naziregime durch eine Mischung aus Populismus, Massensuggestion und Gewalt seine Machtbasis zementiert. Nun ist sein sechster Roman um den liebenswert-zynischen Ermittler erschienen: Die Adlon-Verschwörung. «Die Übertragung des hartgesottenen Krimis auf die Verhältnisse jener Epoche funktioniert nicht nur, sie erweist sich als ein ausgesprochener Glücksfall.» (NZZ)

Berlin 1934: Die Adlon-Verschwörung

In seinem (bisher!) letzten Roman der Bernie-Gunther-Serie geht Philip Kerr zurück zu den Anfängen. Bernie Gunther hat den Polizeidienst quittiert und sich als Privatdetektiv im berühmten Hotel Adlon verdingt. Dort wird der Leiter einer großen Baufirma tot in einem Zimmer aufgefunden; kurz darauf wird die Leiche eines jüdischen Boxers aus dem Landwehrkanal gefischt. Ob und wie beide Mordfälle miteinander zu tun haben, ist ihm zunächst ein Rätsel. Schon bald aber ist er einem Komplott auf der Spur, das in perfider Weise auf Berlin als Austragungsort der Olympischen Somemrspiele 1936 zielt: Die Nazis haben ein riesiges Netz aus Scheinfirmen errichtet, mit dem sie den gigantisch teuren Bau des Olympiastadions finanzieren wollen.

Wegen der Diskriminierung der Juden artikuliert sich in Amerika der politische Widerstand gegen die «Nazi-Olympiade» immer massiver. Eine der entschiedensten Gegnerinnen der Instrumentalisierung des weltgrößten Sportfestes durch den deutschen Faschismus ist die jüdisch-amerikanische Journalistin Noreen Charalambides, die nicht nur wunderschön ist, sondern Bernies Zuneigung durchaus zu erwidern scheint. Bald geraten beide ins Fadenkreuz der Nazis …

Berlin 1936-1947: Nur die Toten haben Ruhe

Feuer in Berlin. Privatdetektiv Bernhard «Bernie» Gunther bekommt von dem reichen Industriellen Six einen Auftrag. Seine Tochter und ihr Mann sind ermordet worden, und aus ihrem Safe sind wertvolle Juwelen verschwunden. Der Mörder hat das Haus in Brand gesteckt, um seine Spuren zu verwischen. Bei der Suche nach dem Mörder samt verschwundenen Edelsteinen hat Bernie Gunther einen schweren Stand. 1936, im Nazi-Deutschland, ist es eine verwegene Herausforderung, sich als Privatdetektiv seine Brötchen zu verdienen. Es ist einfach unmöglich, den Nazis und ihren Mordbanden bei den Ermittlungen nicht in die Quere zu kommen.

Im Sog der dunklen Mächte. Als Bruno Stahlecker, sein Detektei-Kompagnon, erstochen wird, werden Bernie Gunthers Ermittlungen durch ein eigenartiges Angebot aus der Gestapo-Zentrale blockiert. «Kommen Sie zurück zur Kripo. Ich brauche Sie dort», teilt ihm Heydrich persönlich im Prinz-Albert-Palais mit. Sich Heydrichs «Wunsch» zu widersetzen, würde ihn ins KZ oder Gefängnis bringen. Also kehrt Gunther als Kommissar an den Alexanderplatz zurück. Im heißen Sommer 1938 wird er in die Jagd auf einen Wahnsinnigen eingespannt, der in den Straßen Berlins hübsche junge Frauen ermordet. Aber das ist nichts im Vergleich zum Spätherbstes jenes Jahres …

Alte Freunde – neue Feinde. Im bitterkalten Winter 1947 stellen sich die Berliner auch auf eine politischen Winter ein. Konjunktur haben allein die Schwarzmarkthändler und Kriegsgewinnler. Als ihn ein russischer Oberst bittet, nach Wien zu reisen, um Gunthers Ex-Kripokollegen Emil Becker zu helfen, zögert er nur einen kurzen Moment: Becker wird verdächtigt, einen amerikanischen Nazijäger ermordet zu haben. In Wien, der europäischen Nachkriegszentrale für Spionage und Geschäftemacherei, vergeht Bernie Gunther buchstäblich Hören und Sehen. Wer ist Freund, wer Feind?

München 1949, Buenos Aires 1950

Das Janus-Projekt. Dass Bernie Gunther das Inferno des Zweiten Weltkriegs überlebte, war ein mittleres Wunder.. Nun ist er noch einmal als Schnüffler zurückgekehrt. München 1949: Von der Doppelmoral der Nachakriegszeit desillusioniert, versucht sich der Privatdetektiv als Gastwirt. Doch dann bittet ihn eine schöne Fremde um Hilfe. Der Auftrag führt Bernie auf die Spur eines gesuchten Nazi-Verbrechers. Das Ende ist spektakulär: Ins Fadenkreuz von alten Kameraden und neuen Herren geraten, besteigt an Bernie Gunther an einem Frühlingstag des Jahres 1950 in Genua ein Schiff Richtung Argentinien, wohin sich nach Kriegsende viele Nazimörder wie Adolf Eichmann, Kurt Daluege oder Otto Skorzeny flüchteten … «Packend, aufrüttelnd, authentisch» (TV Movie).

Das letzte Experiment. Der Fall, mit dem Gunther es in Buenos Aires zu tun hat, lehrt ihn das Gruseln – und erinnert ihn an Mordermittlungen, in die er 1932 involviert war. Damals waren zwei junge Mädchen bestialisch abgeschlachtet worden, eine in Berlin, die andere in München. Achtzehn Jahre später steht er in der Gerichtsmedizin von Buenos Aires vor der Leiche eines 15-jährigen Mädchens, der Deutschargentinierin Grete Wohlauf. Ihr waren die Gebärmutter und die übrigen Fortpflanzungsorgane herausgeschnitten worden, genau wie den beiden Mädchen in Deutschland. Recherchen in der argentinischen Exil-Nazi-Szene sollen klären, ob die drei Mädchen demselben sadistischen Psychopathen zum Opfer fielen. «Schlau konstruiert und magnetisch im Abgang.» (Stern)