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In England ist Phil Rickmans Krimiserie um Merrily Watkins Kult. Für einen Kriminalroman mit Mystery-Elementen ist sie schon eine ziemlich unkonventionelle Heldin: eine Pfarrerin der Anglikanischen Kirche, spezialisiert auf exorzistische Praktiken, die flucht, raucht und ständig überkreuz liegt mit ihrer esoterisch angehauchten Teenietochter Jane. Zudem hat sie einen Freundeskreis, den anständige Bürger als ziemlich extravagant empfänden. Und sie hasst das Wort «fromm». Als Exorzismusbeauftragte hat sie mit «Dingen» zu tun, deren Existenz sie früher für Humbug gehalten hätte, für barbarisch, heidnisch oder zumindest reichlich pittoresk: mit Geistern, Übersinnlichem, paranormalen Phänomenen – mit etwas, was, so Phil Rickman, für viele Menschen sehr real ist: «Diese Grauzone zwischen dem Spirituellen und dem Psychologischen hat mich schon immer fasziniert.»
Nun ist Die fünfte Kirche erschienen, Band 3 der auf zehn Bände angelegten Serie. Suriama Velasco hat den Roman für Bookmarks gelesen.
Betty und Robert, ein junges Ehepaar, sind gerade nach Old Hindwell gezogen, einem Dorf im malerischen Radnor Forest, wo sie das alte Anwesen St. Michael's Farm mitsamt der angrenzenden ehemaligen Dorfkirche St. Michael gekauft haben. Als bekennende und praktizierende Heiden wollen sie anstelle des christlichen Gotteshauses einen heidnischen Tempel in seine angeblich älteren Rechte wieder einsetzen. Der erbitterte Widerstand der Dorfgemeinschaft von Old Hindwell lässt nicht lange auf sich warten. Ein erstes Indiz ist das Auftauchen eines alten Kästchens mit einem mysteriösen Dokument; es enthält eine jahrhundertealte Beschwörungsformel gegen das Böse und alle, die der Hexerei verfallen sind.
In der Gemeinde predigt der charismatische Pfarrer Nick Ellis, der einer Splittergruppe der Anglikanischen Kirche angehört – Meer des Lichts. Sein Handwerk hat er bei fundamentalistisch orientierten anglikanischen Bewegungen im sogenannten Bible Belt in den Südstaaten der USA erlernt. In der Auseinandersetzung mit den «heidnischen Eindringlingen» wird dem wortgewaltigen Geistlichen eine Schlüsselrolle zufallen …
Merrily Watkins, erst kürzlich zur Exorzistin der Diözese von Hereford ernannt, hat als «Beraterin für spirituelle Grenzfragen» (so ihr offizieller Titel) derweil mit einem scheinbaren Fall von Besessenheit zu tun: Ein Anwalt, der niemanden an seine verstorbene junge Frau heranlässt, beschließt, die Tote in einem Privatmausoleum im eigenen Garten zu bestatten. Merrily Watkins kommt aber gar nicht dazu, sich dem Fall mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu widmen. Ihr Bischof hat sie zur Teilnahme an der krawalligen Talkshow «Livenight» verdonnert, um die Kirche zum Thema Heidentum dort angemessen zu vertreten. Und es kommt, wie es kommen muss: Vor großem Fernsehpublikum wird Merrily damit konfrontiert, dass vor ihrer eigenen Haustür eine christliche Kirche zu einer heidnischen Kultstätte werden soll ...
Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Für Vater Ellis aus Old Hindwell kann es nichts Frevlerisches geben als das «Schleifen» von St. Michael, eine von fünf St.-Michael-Kirchen in der Gegend. Es existiert nämlich eine alte Sage, derzufolge in Radnor Forest das Böse in Gestalt eines Drachen schlummert und nur durch die fünf Kirchen in Schach gehalten wird. Wird eine der Kirchen zerstört, ist der Kreis nicht mehr geschlossen, der Bann gegen das Böse gebrochen.
Doch das Böse ist längst unterwegs. In der Umgebung von Old Hindwell mehren sich mysteriöse Todesfälle, und wer anders als «die Heiden» können Schuld sein an den Morden … Und auf einmal befindet sich Merrily Watkins im Visier eines skrupellosen Mörders, der seine ganz eigenen Ziele verfolgt …