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In England ist Phil Rickmans Krimiserie um Merrily Watkins Kult: jene auf exorzistische Praktiken spezialisierte Pfarrerin der Anglikanischen Kirche, die flucht, raucht und ständig überkreuz liegt mit ihrer esoterisch angehauchten Teenietochter Jane. In den Merrily-Watkins-Romanen geht es (nicht nur am Rande) um Geister, Übersinnliches, paranormale Phänomene. Phil Rickmans neuen Roman Die Gebeine von Avalon werden die Merrily-Watkins-Fans begeistert begrüßen – und nicht nur die. «Brillant erdacht und packend geschrieben.» (The Times) «Unwiderstehlich!» (Spectator)
Von Lara Tautz
1560, zwei Jahre nach der Krönung von Elisabeth I. von England. An der Themse wird ein Sarg entdeckt, in dem eine Wachspuppe mit einer hölzernen Krone liegt. Soll unter den Anhängern der jungen Königin Angst und Misstrauen verbreitet werden oder handelt es sich um eine bedrohliche Form dunkler Magie?
Solche Fragen gehören zum Alltag des jungen Mathematikers und Hofastrologen Dr. John Dee. Er lebt in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Wissenschaft, Zauberei und Aberglaube noch verschwommen sind. Unter manchen seiner Zeitgenossen gilt er als intelligentester Mann Europas, für andere ist er ein gefährlicher Magier und Dämonenbeschwörer. Unter Königin Maria I. entkam Dr. Dee nur knapp dem Scheiterhaufen. Nicht allen gefällt es, dass er es sich zum Ziel gemacht hat, «in die geheimsten Kammern des Himmels zu blicken», mit den Engeln zu sprechen und so einen Teil von Gottes Plan zu erahnen.
Doch Dee ist nicht der Einzige, der in den Sternen liest um die Zukunft zu deuten. Der Astrologe Nostradamus prophezeit Elisabeth I., dass die Geister der Vergangenheit ihr keine Ruhe lassen würden, bis ihr «heldenhafter Vorfahre» König Artus in Ehren bestattet sei. Über die Gebeine des legendären Königs kursieren die wildesten Gerüchte. Angeblich war 1191 Artus' Grab auf dem Boden der Glastonbury Abbey gefunden worden. Doch dieses Kloster fiel genau wie viele andere den Plünderungen und Zerstörungen Heinrichs VIII. zum Opfer.
Was aber geschah mit den Gebeinen? Fügte der Generalvikar und Stellvertreter des Königs, Thomas Cromwell, sie seiner persönlichen Reliquiensammlung zu? Oder wurden sie von den Mönchen vor der Gier des Königs versteckt? Und: Könnte nach all den Plünderungen und Grabschändungen ein Fluch auf den Tudors lasten? Artus‘ sagenumwobene Überreste müssen gefunden werden, um ihren Sturz abzuwenden – das steht für Elisabeth fest. John Dee und sein Freund Lord Robert Dudley werden beauftragt, in Glastonbury nach den Gebeinen zu suchen: dort, wo – bevor sich das Meer zurückzog – die mystische Feeninsel Avalon gewesen sein soll.
In und um die Glastonbury Abbey herrscht eine ganz spezielle Atmosphäre. «Ich dachte daran, was Cowdray über die Ausstrahlung der Abtei gesagt hatte. Wie ein gewaltiges Leuchtfeuer, das immer brannte. Ein beruhigendes Licht. Und die Abtei war schon vor der Stadt hier gewesen, die dann um sie herum gewachsen war, um ihr zu dienen. Und nun war das Licht erloschen und die Stadt leichte Beute für… Man sagt, dass sich der Teufel in der Nähe von jedem heiligen Platz eine erhöhte Stelle sucht um darauf seinen Wachturm zu bauen.»
Auch von der Kirche auf dem Tor – einem kleinen, spitzen Hügel im Süden der Stadt – blieb nach einem starken Erdbeben vor mehreren hundert Jahren nur noch der Glockenturm stehen. Und es heißt, dass dort seltsame Rituale stattfinden, dass ein blutiger Hahn auf einem Opferaltar und ein Säugling mit aufgeschlitzter Kehle gefunden wurden. Als dann auch noch eine grausam verstümmelte Leiche an der Abteiruine entdeckt wird, verwandelt sich die harmlose Reliquiensuche endgültig in einen Albtraum. Der Friedensrichter entfesselt auf der Suche nach dem Täter eine erbarmungslose Hexenjagd; John Dee bleibt nur wenig Zeit den wahren Täter zu finden und die düsteren Geheimnisse Glastonburys zu lüften …