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Petra Hammesfahr: Erinnerung an einen Mörder

© TL Photography - Fotolia.com

1978, ein Tag im Oktober. Der 8-jährige Felix Meller wird gegen vier Uhr nachmittags von einer Passantin aufgegriffen. Sein Gesicht, sein Hals, seine Hände, seine Kleidung, alles ist voller Blut. Er weiß, dass er von zu Hause kommt. Er weiß aber nicht mehr, was dort geschehen ist. Als Polizisten die Wohnung der Mellers betreten, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens. Felix’ Mutter und seine Schwestern Sabine und Annika: ermordet. Die Presse spricht von einer blutigen Familientragödie, die Polizei steht vor einem Rätsel … Dieser Thriller von Petra Hammesfahr geht unter die Haut.

«Für meine Mitschüler war ich das Mörderkind»

Thorsten Meller soll der Mörder sein – für Felix ist das unvorstellbar. Für ihn ist sein Vater ein Held, der als Feuerwehrmann Leben rettet, nicht Leben zerstört. Während seine Mutter ihn und die Mädchen vernachlässigte und schikanierte, war der Vater immer für die Kinder da. «Es gab für mich nie einen Grund, meinen Vater zu fürchten …» Erst Jahre später erfährt der Junge, dass der Vater nicht etwa geflohen war (nach Amerika, wie man ihm erzählte), sondern mit einem Messer in der Brust am Tatort verblutete.

Erinnerung an einen Mörder ist die unerbittliche Rekonstruktion eines Verbrechens und seiner grausigen Hintergründe. «In meinem Hirn war eine Tür zugeschlagen, und ich hatte auf meinem Weg durch die Stadt den Schlüssel verloren.» Die Mutter Lotti, die beiden Großmütter, Lottis Bruder Peter und dessen Frau Birgit (sie nehmen Felix als Pflegesohn auf), die unberechenbare Franka – mit chirurgischer Präzision seziert Hammesfahr die offenen und verborgenen Motive der Beteiligten dieses Familiendramas, all die Träume und Traumata, Hoffnungen und Lebenslügen. Der Hass auf seine Mutter wird Felix nie mehr loslassen; diffuse Gewaltfantasien vernebeln sein Bewusstsein. Wie beim Häuten einer Zwiebel wird Schicht um Schicht freigelegt, bis wir am Ende wissen, was an jenem Tag im Oktober 1978 im Haus der Mellers wirklich geschah …

Autoreninfo

Petra Hammesfahr schrieb mit 17 ihren ersten Roman. Mit ihrem Buch "Der stille Herr Genardy" kam der große Erfolg. Seitdem schreibt sie einen...
mehr über die Autorin
«Meisterlich, beklemmend, intelligent» (Der Spiegel)

«Ich schreibe Psychothriller, keine Krimis», sagt Petra Hammesfahr. Sie hasst es, wenn ihre Bücher in Schubladen gesteckt werden. Aber wenn, dann soll es wenigstens die mit dem richtigen Etikett sein. Im Mittelpunkt ihrer Geschichten stehen die Opfer. Auch die Täter, aber nicht die Ermittler. Petra Hammesfahr gehört zu den wenigen Suspense-Autoren, die auf Serienhelden souverän verzichten. Keine abgebrühte Pathologin, kein cooler Kommissar, kein Tough guy von Privatdetektiv – all das braucht sie nicht.Und: «Es gehört zu den raffiniertesten Konstruktionen der Petra Hammesfahr, dass dann doch alles ganz anders sein könnte ...» (Stern)

Hammesfahr lässt uns in die Abgründe der Seele blicken. Was sie schreibt, ist beängstigend, verstörend. Gerade weil es Geschichten sind, die auch im Nachbarhaus, in der Wohnung über uns spielen könnten. Vielleicht sogar in der eigenen. Glück ist hinterhältig, doppelbödig, trügerisch. Nie darf man sich sicher fühlen, immer muss man auf der Hut sein. Ein Blick hinter die Kulissen – und schon zeigt sich das Idyll als Hölle. Die Familie als Albtraum – unter der Oberfläche von Wohlanständigkeit und Bigotterie köcheln Gefühlskälte, Neid und Hass. Gewalt gegen Kinder, gegen Frauen. Aber auch Gewalt von Frauen: Frauen, die quälen, entführen, töten – in Hammesfahrs Romanen tauchen sie nicht eben selten auf.

«Es gehört zu den raffiniertesten Konstruktionen der Petra Hammesfahr, dass dann doch alles ganz anders sein könnte ...» (Stern)