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Petra Hammesfahr, Deutschlands erfolgreichste Krimi-Autorin, seziert in ihrem raffinierten Psychothriller Der Frauenjäger die tückischen Untiefen gutbürgerlicher Alltagsroutine.
Als die vier Freundinnen Marlene, Karola, Annette und Ulla in einer Diskothek vier junge Männer treffen, ergeben sich zuerst nur harmlose Techtelmechtel, dann sind sie bald vier Ehefrauen. Anfangs scheint die Erfüllung ihrer Träume vom unbeschwerten, erfolgreichen Leben in der Provinzidylle nur eine Frage der Zeit zu sein.
Doch die euphorische Lebensmaxime «Es muss doch mehr als alles geben» gerät bald ins Schlingern. Pleiten, Pech und Pannen, Beziehungskrisen und das plötzliche Verschwinden des Abenteurers Andreas sorgen bald für Irritationen und Probleme. Nur die schlichtgestrickte Marlene und ihr Siegertyp Werner, Unternehmensberater und pedantischer Haushalts-Planer, bleiben verschont von solchen Irrungen und Wirrungen in ihrer Wohlstands-Idylle mit zwei Kindern.
Marlene fühlt sich aber allmählich unausgelastet und überflüssig. Was soll sie schon groß auf die Beine stellen, wenn sie das Bad gesäubert, die Küche geputzt und das Essen für die Kinder vorbereitet hat und ihr Werner wieder mal länger außer Haus ist und wichtige Geschäftstermine wahrnehmen muss? Als ihre Freundin Annette mit einer kontroversen Autorin eine Lesung organisiert, stürzt Marlene aus ihrer Biedermaier-Routine direkt ins lebensgefährliche Chaos.
Die Autorin, die brisante Fakten über den mysteriösen Selbstmord einer jungen Frau angedeutet hatte, verunglückt tödlich, dann will ein dubioser Journalist Marlene unbedingt treffen. Als sie sich darauf einlässt, findet sie sich nach einem schockierenden Blackout in einer dunklen Höhle wieder, aus der es offenbar kein Entrinnen gibt …
Weder für cool-glamouröse noch für larmoyante Kommissare oder Privatdetektive hat sich die bei Köln lebende Petra Hammesfahr je interessiert – sie beschreibt das Leben ihrer Romanfiguren auch in ihrem 21. Roman lieber aus der Opferperspektive. Meistens sind es Frauen, die von ihren Ehemännern bevormundet und belächelt werden und sich aus dieser Rolle des Opferlamm-Dummchens mit einer überraschenden pragmatischen Intelligenz und verbissener Hartnäckigkeit befreien. Aber ob Marlene dies auch schafft?
Petra Hammesfahr gelingt es meisterhaft, präzise Psychogramme ihrer Figuren zu liefern, deren eifersüchtige Intrigen auszuloten und die unterhalb dieser Alltagsnormalität liegende Hölle auszumalen- inklusive ihrer brüchigen Wertsysteme und der pathologischen Verhaltensmuster, die urplötzlich, ungebremst und mörderisch zum Ausbruch gelangen und sich ihr Opfer suchen.
(Vorabdruck aus: Rowohlt Revue 91, Autor: Peter Münder)