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Péter Nádas: Parallelgeschichten

© Péter Nádas

Als zwanzig Jahre nach seinem international gefeierten Buch der Erinnerung Péter Nádas' Opus magnum Parallelgeschichten 2005 in Ungarn erschien, wurde es als ein «Krieg und Frieden des 21. Jahrhunderts» gefeiert: als dichtes Panorama europäischer Geschichte – in einer überwältigenden Fülle von Geschichten.
Iris Radisch urteilte in der ZEIT über ihr Leseerlebnis der Parallelgeschichten: «Grausam schön, unübersichtlich, überraschend, anmutig, lüstern, albtraumhaft und vollkommen labyrinthisch … In der literarischen Landschaft von heute ist das Werk ein Gigant. Wer es gelesen hat, ist nicht mehr derselbe.» Deutschlandradio Kultur empfiehlt Nádas' Monumentalroman nachdrücklich: «Nie ist die Unterwerfung des Körpers und der Seele durch die Gewalt so umfassend, so subtil und so zartfühlend dargestellt worden. Péter Nádas nimmt den Leser mit auf eine Reise in die Nacht des 20. Jahrhunderts – udn aus ihr heraus.»»

Annette Meyhöfer hat den gut 1700 Seiten starken Monumentalroman für die Rowohlt Revue gelesen. Ihr Resümee: «Am besten, man legt sich dieses Buch auf den Nachttisch. Um immer weiter, immer wieder darin zu lesen.»

In stummen Gefilden

So beginnen Kriminalromane: 1989, kurz nach dem Mauerfall findet ein Jogger im Berliner Tiergarten die Leiche eines älteren Mannes. Nichts deutet auf die Identität des Toten hin, Papiere trug er nicht bei sich, aus seiner eleganten Kleidung sind alle Etiketten herausgetrennt. Nur die Unterhose passt nicht zu der gepflegt unauffälligen Erscheinung, dies winzige Ding aus durchsichtigem, glitzerndem Stoff, spermabefleckt und nach einem schweren Parfum riechend. Dennoch, vielleicht hatte der Mann einfach einen Herzanfall erlitten, manchmal scheint auch der Kommissar Dr. Kienast, dieser besessene Aufklärer, von seinen Kollegen als Phantast oder jedenfalls als komischer Vogel angesehen, zu resignieren; und schließlich, starben «in jenen chaotischen Tagen auch sonst ziemlich viele Leute». Aber was hatten so wohlsituierte Herren nachts oder frühmorgens im Tiergarten zu suchen? Und warum war der Jogger, der Student Döhring, so aufgeregt, viel zu beflissen mit seinen fiebrigen Worten, wie jemand, der ausgehungert ist nach Reden, ein schwerer Neurotiker, der sich ausgerechnet in Psychologie und Philosophie eingeschrieben hat?

Noch auf seiner vorweihnachtlichen Reise zu den Verwandten im niederrheinischen Pfeilen versucht er, Dr. Kienast anzurufen – vielleicht war er ein Mörder. Jedenfalls trägt er, solche Spuren legt der Ironiker Péter Nádas für den Leser aus, ganz ähnliche Unterhosen wie der Tote. Und in seinen Träumen ging es immer wieder um Tod und Verbrechen, um die Schuld seiner Familie, zwei davon Aufseher in einem Konzentrationslager, die marschunfähige Flüchtlinge einfach in eine Baracke zusammentrieben und verbrannten. Aus einem dieser Nachtmahre, von einem gestohlenen Goldschatz, von einem geretteten Flüchtling, weckt ihn das Entsetzen, «dass ihn sein Traum Dinge sehen ließ, die bisher noch nie jemand aufgedeckt hatte». Döhring hat sich in die Hose gemacht.

«Mit dem Erwachen bewahrte er seinen Traum, die Träume bewahrten seine Vergangenheit», heißt es im letzten Kapitel des Romans von einer anderen Figur, dem Straßenarbeiter Bizsók, einem Überlebenden des Zweiten Weltkriegs. «Jeden Morgen endete seine Geschichte anders, und am folgenden Morgen ging sie noch anders weiter.» Jeden Morgen kümmert er sich sorgfältig um seine alte, zerbrechliche Brille, und wenn er sie dann aufgesetzt hat, «brachte die scharfwerdende Sicht die aus seinen Träumen nachklingenden Gefühle zum Verschwinden». Hinter jenen Zeilen verbirgt sich fast so etwas wie ein poetologisches Bekenntnis des Autors und, profaner, eine Art Gebrauchsanweisung für den Leser, für den immer wieder, mit jedem Kapitel eine neue Geschichte beginnt – auch wenn es sich nur um die Fortsetzung einer schon früher begonnenen handelt: Unter der Lektüre der vorangegangen hat sie sich verwandelt.

So geht der Krimi um Kommissar und Studenten erst nach über 1000 Seiten weiter und findet doch kein Ende, nicht im klassischen Sinne. Aber das ist im Grunde fast gleichgültig, schon im dritten Kapitel hat eine ganz andere, die zentrale Geschichte dieses Buchs begonnen, die der Budapester Familie Lippay-Lehr und ihrer Freunde. Und wieder reizt Nádas die Erwartungen mit den konventionellen Mitteln des realistischen Romans, des Familienromans, des politischen oder des Spionage-Romans, der erotischen, ja pornographischen Geschichte. Meisterhaft beherrscht er ein jedes Genre, doch nur um den gespannten Leser zu desillusionieren, den Spurensucher seiner eigenen Illusionen zu entlarven. Denn längst gibt es das Paradies der Erinnerung nicht mehr, die große aufklärerische Idee vom Individuum, zerstört, vernichtet in den Totalitarismen, den Kriegen des vergangenen Jahrhunderts.

Achtzehn Jahre hat Péter Nádas, 1942 in Budapest geboren, mit 16 Vollwaise, nachdem seine Mutter an Krebs gestorben war und sein Vater, kurz nach dem Volksaufstand von 1956, Selbstmord beging, Chemiestudent und Fotojournalist, bevor er sich auf das Schreiben konzentrierte, an den Parallelgeschichten gearbeitet, seinem Roman in drei Bänden, 39 Kapiteln auf über 1700 Seiten in der hervorragenden Übersetzung Christina Viraghs. Sie leitet auch den von Daniel Graf und Delf Schmidt herausgegebenen Begleitband Péter Nádas lesen ein, mit Bildern und Fotos zu dem Roman, Briefen, Interviews und Kurzessays des Autors und der hervorragenden Werkanalyse der Literaturkritikerin Viktória Radics. Schon in seinem 1986 erschienenen Buch der Erinnerung, damals bereits als sein Opus magnum gefeiert, als Meisterwerk, einen der größten Roman des Jahrhunderts, wie Susan Sontag schrieb, hatte er es sich zur poetischen Aufgabe gemacht, «Geschichten zu erzählen, ein wenig wie Plutarch, parallele Erinnerungen verschiedener Personen zu verschiedenen Zeiten». Und: «Alle diese verschiedenen Personen könnten ich sein, ohne dass ich es wirklich wäre.» Mit Proust war der Autor damals verglichen worden, mit Thomas Mann, nunmehr zitierte man in Ungarn, wo die Parallelgeschichten bereits 2005 erschienen, gerne Tolstois Krieg und Frieden herbei, um dies ungeheuere, dies unfassbare Werk zu würdigen.

Autoreninfo

wurde 1942 in Budapest geboren und mit 16 Jahren Vollwaise. Nach einem Chemiestudium arbeitete er als Fotoreporter und Journalist. 1967...
mehr über den Autor
In den Tiefen der Nacht

Doch allenfalls Spötter mögen in der mehr als hundert Seiten währenden akribischen Beschreibung eines Liebesakts, eines wahren Liebeskampfes in der Tat, Ähnlichkeiten zu Tolstois Schlachtenaufstellungen erkennen. Denn selbst der Titel Parallelgeschichten scheint untertrieben, eine Vereinfachung. Weit komplizierter, fesselnder ist die Struktur des Romans, weil die darin erzählten Geschichten sich kreuzen, einander überlappen, sich wiederholen in anderen Perspektiven, oft nur Traumfetzen, Realitätsfetzen, «außerhalb der sichtbaren Kausalität», wie Nádas selbst darüber schrieb, «Geschichten von Menschen, die sich niemals begegnet sind oder sich nur sehr oberflächlich kennen und deren Schicksal trotzdem grundlegend voneinander bestimmt wird». Vorbild sollte das Chaos sein, in seiner ursprünglichen Bedeutung des gähnenden, leeren Raums, «Bezeichnung von Dingen, von denen man nicht sagen konnte, wie, woraus, warum ... sie entstanden sind». Aber das Chaos des Péter Nádas ist ein wohlorganisiertes, ein Netz, mit Links und Weiterleitungen; ein Name, ein Motiv, eine Erinnerung genügen, diese zahllosen, vielfältigen Geschichten miteinander zu verknüpfen. Die alle zusammen eine Vision, altmodischer, ein Panorama des 20. Jahrhunderts ergeben vom Ersten Weltkrieg bis hin zu jenem denkwürdigen, so vieles verheißenden Jahr 1989.

Ein Telefon schrillt in einer großbürgerlichen Wohnung in Budapest, es ist der 15. März 1961, der Nationalfeiertag. Und keiner mag es beantworten, nicht die Hausherrin Erna Lippay-Lehr, geborene Demén, Enkelin und Erbin des Erbauers jenes herrschaftlichen Hauses, die in der Badewanne ihre körperlichen und seelischen Schwächen pflegt, ihre Herzattacken und Darmkrämpfe; nicht ihr Neffe Kristóf, Sohn ihres von seinen kommunistischen Genossen gemordeten Bruders, der sich ans Fenster presst, um die Angestellte im Kaffeehaus gegenüber zu beobachten. Und schon gar nicht die so schüchterne wie aggressive Gyöngyvér, deren Name soviel bedeutet wie Perle und Blut, die nur geduldete, die verachtete Geliebte von Frau Ernas Sohn Ágost, ein Waisenkind, eine Kleinbürgerin, die davon träumt, Sängerin zu werden. Als die Hausangestellte endlich das Telefon abnimmt, ist es nur das Krankenhaus, eine Nachricht, mit der ein jeder gerechnet hatte: Der alte Professor Lehr, ein strammer Faschist, der sich wie so viele später unter dem kommunistischen Regime durchlavierte, liegt, seit längerem schon dement, im Sterben und will Frau und Sohn noch einmal sehen.

Doch nur Gyöngyvér wird sie ins Krankenhaus begleiten, und, für beide überraschend, entwickelt sich während der Taxifahrt eine seltsame Anziehung zwischen den beiden Frauen, genährt von Ernas Erinnerung an eine lange zurückliegende, vielleicht nie ausgelebte lesbische Episode, und von den Wünschen der jungen Frau, sich über die Mutter dem Sohn annähern zu können, dem geliebten, dem gehassten Ágost, dessen einziges Glück, sein Höhepunkt, die Verweigerung desselben scheint. Später, viel später wird auch der Taxifahrer, der ehemalige Schiffahrtskapitän Bellardi, ein glühender Anhänger des Professor Lehr, sich jener erotisch aufgeladenen Atmosphäre erinnern, an die Frau, die ihn um einer anderen Frau willen verließ, an seine wahre große ungelebte Liebe, den Jugendfreund, den Architekten Madzar. «Sie vermochten die Erinnerung an ihre eigene Erinnerung nicht ins Bewusstsein zu heben», heißt es einmal in dem Roman.

Vielleicht ist es die Monstrosität der Erinnerung, die sie selbst zu ihrer «einstigen menschlichen Gestalt entkleideten Monstern» macht. Wie die kluge Psychoanalytikerin Irma Szemzó, die sich an das Konzentrationslager nur wie an etwa Fernes, von dem sie vielleicht einmal gelesen hatte, erinnert. Sie war in den 30er Jahren verliebt in Madzar, den Mies van der Rohe-Schüler, einen jener im Grunde beschränkten Utopisten wie sie selbst mit ihren Ideen vom Menschen. Er hatte das Mobiliar ihrer Praxis entworfen, gebaut aus Eisenbahnschwellen, für Deportation und andere «Kriegszwecke» ursprünglich bestimmt; die Pfeilkreuzler warfen es einfach aus dem Fenster. Nichts weiß ihre zeitweilige Untermieterin Gyöngyvér davon, verstrickt in ihren vier Tage, vier Nächte währenden Liebeskampf mit Ágost. Allein die Wohnung selbst scheint davon zu erzählen, von den vergangenen, den parallelen Geschichten, von den Bridgeabenden Irma Szemzós und ihrer Freundinnen, diesen wunderbaren Frauengestalten wie der «roten Gräfin» Szapáry, die seit langem mit ihrer hirngeschädigten Geliebten lebt, keiner anderen als des Kapitäns Bellardi entlaufener Ehefrau. Derweil irrt der junge Kristóf Demén, von Lust und Todessehnsucht getrieben, über die Margereteninsel, einen bekannten Schwulentreff, schmachtend nach einem Mann, den er den Riesen nennt, den Zigeuner János Tuba im letzten Kapitel des Buchs. Endlich iniitiert in einem Männerpissoir, wird dieser Kristóf, vor dem Sprung in die Donau gerettet von einem merkwürdigen schwarzen Hund und der Sehnsucht nach dem Reishuhn der Haushälterin.

Der Atem der Freiheit

Die Erinnerung, die sich nicht ins Licht der Aufklärung wagt, hat sich den Körpern eingeschrieben. «Lust ist wahrscheinlich ein Beiname Gottes», denkt Kristóf, zwischenzeitlich der Ich-Erzähler des Romans. «Das Ich hingegen ist nicht mehr als ein Bündel von Eigenschaften.» So mag man sie, die, unter der Last ihrer Geschichten, der Geschichte Niedergedrückten, als in ihrem Liebesleben Scheiternde und Gescheiterte sehen, auch jene, die sich morgens im Lukács-Bad treffen, den strahlenden Ágost Lippay, depressiv im Grunde, ein unglücklicher Narziß, und seine Freunde, Janós Kovách, eigentlich Hans von Thum zu Wolkenstein, illegitimer Sohn einer deutschen Baronin, und den geheimnisvollen André Rott, allesamt im Ausland aufgewachsen, Spione für Moskau einst, nunmehr Übersetzer für die staatliche Nachrichtenagentur, diese Mitglieder der jeunesse dorée, Weiberhelden, Salonlöwen und einander, geistig wie körperlich, in Verachtung und Liebe zugetan.

Ohnedies fühlen sich fast alle Personen des Romans, weiblich wie männlich, vor allem vom eigenen Geschlecht angezogen, diesem verführerisch-gefährlichen Zauberbild ihrer selbst, an dem sie sich messen, in dem sie sich selbst erkennen wollen. Auch deshalb wird André Rott seinen Freund Ágost schließlich bei der Partei denunzieren, aus Spionageromanen kennt man dies: nichts größer als die Wonne des Verrats. Aber, eines der eindringlichsten Kapitel, die Geschichte der Freunde führt auch zurück zu den rassenbiologischen Experimenten der Nazis, in jenes Internat, in dem die Baronin von Thum zu Wolkenstein ihren Bastard unterbrachte, in dem auch der Dr. Kienast, ein Epileptiker, als Kind lebte; systematisch werden die Insassen vermessen, auch ihre intimsten Körperteile; Selbstmorde sind hier üblich. Das für diese Experimente zuständige Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin-Dahlem, wo auch die Baronin angestellt ist, wird geleitet von dem Freiherrn von der Schuer (Verschuer mit seinem wahren Namen), dessen Leben, dessen anerzogene Ideale in den Massakern, manche von ihm selbst befehligt, des Ersten Weltkriegs zerbrachen, dessen Glaube endgültig zerstört wurde in den Freikorps-Morden der Weimarer Republik, an denen er beteiligt war, die er beging, der Kommunistenfresser, der Frauenschänder, dessen einzige Religion der Rassenwahn ist. Und sein gelehrigster Schülerin, neben Mengele in Deutschland, ist der Professor Lehr, der sogar die individuelle Libido als eine Erfindung der Juden geißelte. Und anschließend ins Bordell ging.

Aber existierte der Akt selbst, der stete Drang nach Kopulation, ja nicht nur in der Gegenseitigkeit, in der Selbstaufgabe, und scheiterte gerade daran, vom Bedürfnis der Individuen durchdrungen, zur vollen Lust zu gelangen? Scheiterte an den Parallelgeschichten, den parallelen Leben, die ein jeder schon für sich allein zu führen hatte, als animalisches und reflektierendes Ich, Gefühl und Verstand, wie man früher sagte; nur hatten sich diese Ichs vervielfältigt. Allein der junge Kristóf will einen Hauch von Glück erhaschen, auf seiner Reise durch die Nacht mit der Kaffeehaus-Angestellten Klára Vay, Tochter des berüchtigten Geheimrats Elemer Vay, der einst die Deportation der ungarischen Juden aus der Provinz organisierte, Ehefrau, nein Geliebte eines kommunistischen Parteifunktionärs.

So erzählt er ihr von seiner Stadt, dem bürgerlichen Budapest seiner Großeltern, dem zernarbten Budapest des Volksaufstands, von der Schlange vor einem Bäckerladen, ein russischer Panzer feuerte einfach hinein. Von dem Silvesterabend 1956, als die Menschen sich auf den Straßen versammelten, lärmten, sich amüsierten, und am nächsten Tag waren die Straßen wieder lautlos. Wie ein Satyrspiel mutet jene Party an, zu der Klára ihn mitgenommen hat, die Musik von Elvis und die Betrunkenen, junge Männer und Frauen, die wie er sich mit der Frage herumschlugen, der «völligen und allumfassenden Hoffnungslosigkeit ein wenig Sinn entgegenzusetzen». Und mittendrin hat Klára einen Abort. Aber nun darf er sich endlich um sie kümmern, sie im Krankenhaus umsorgen, ein «stilles, aber großes Glück, das sie miteinander und wegen einander» erlebten. Der alte Lehr ist inzwischen verstorben, Ágost und Gyöngyvér haben, auf Befehl der Partei, geheiratet, auf der Hochzeitsreise verschwindet er auf nie geklärte Weise. Und in den letzten Tages des Jahres 1989 taucht in Berlin eine geheimnisvolle Leiche auf.

Es würde doch «immer weiter ins Dickicht hinein» gehen, sein Leben, denkt Kristóf einmal, eine andere Geschichte sich zur eigenen, mit Auslassungen erzählten Geschichte fügen, ein dummes Märchen vielleicht. «Statt einer Chronik bastelt man, wenn man jemanden seine Lebensgeschichte erzählt, eher eine Legende. Man erzählt so lange, bis man vor lauter glaubwürdigem Erzählen selbst der Illusion aufsitzt, dass das Leben zu einem abgerundeten Ende kommt, zu einer kleinen Pointe, zu einem letzten Wort, einer Moral ...» Péter Nádas hat dies alles verweigert, das macht seine Parallelgeschichten zu einem wahren Meisterwerk, seinem wirklichen Opus magnum, mit jedem Lesen neu, unerschöpflich. Wie das Leben. Nur ist die Lektüre tröstlicher. Nur sie bewahrt die Erinnerung. Am besten, man legt sich dieses Buch auf den Nachttisch. Um immer weiter, immer wieder darin zu lesen.