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Peter Knorr: Mallorca

© Matrix Buchkonzepte Ch. Modi & M. Orlowski

In der deutschen Satirelandschaft ist Peter Knorr ein Veteran. Seit den frühen sechziger Jahren ist er als professioneller Humorarbeiter tätig: auf Kabarettbühnen, bei der legendären Zeitschrift Pardon, bei Titanic, als Gagschreiber für Otto Waalkes. Seit über zwanzig Jahren zieht es den gebürtigen Salzburger auf des Deutschen liebste Insel: Mallorca. Sie ist ihm zur zweiten Heimat geworden.
In den in diesem Bändchen versammelten spöttisch-liebevollen Episoden zeigt Knorr uns die Insel der Inseln von ihren schrägen Seiten. « «Eine launige Miniaturensammlung, in der er Archetypen aus dem Bestiarium der Insel vorstellt.» (FAZ) «Herrlich!» (Hannoversche Allgemeine Zeitung), «originell und amüsant» (Der Spiegel).

«Wir sind ein Volk – aber wir brauchen besseres Wetter!»

Mallorca quillt über. Vor prachtvoller Natur, Bettenburgen und Touristen. Im Minutentakt landen die Urlaubsbomber. Zig Millionen Deutsche kennen nichts Schöneres, als sich die mallorquinische Sonne auf Wespentaille und Bierbauch brennen zu lassen. Gerne möchte Peter Knorr den Fehlgeleiteten zurufen: Leute, bleibt weg – es gibt lohnendere Attraktionen. «Aber es bleibt niemand weg. Ich selbst schon gar nicht.» Die Toscana-Fraktion war gestern, ein Zeitgeistphänomen der Kulturschickeria. Heute zählt nur: Mallorca, Mallorca, Mallorca – eine große Koalition «aus kleinerem, mittlerem und großem Geld, aus Urlaubskasse, Ladenkasse und schwarzer Kasse».

Manche Macke und Schrulle,, die Knorr mit spitzer Feder aufspießt, kommt einem merkwürdig bekannt vor. Etwa die Eigenart, frenetisch Beifall zu spenden, wenn die Chartermaschine auf dem Flughafen von Palma de Mallorca aufgesetzt hat, ohne zu zerschellen – wieder einmal, bravo! «In Linienmaschinen wird nie geklatscht. Auch bei der Ankunft von Eisenbahnzügen, Reisebussen oder Schiffen an ihrem jeweiligen Zielort gibt es keinen Applaus, obwohl auch dieses Transportmittel zu den allerschönsten Orten führen können und nicht selten in katastrophale Zusammenhänge geraten.» Wie ist das zu erklären? Kinder klatschen, weil ihre Eltern klatschen, damit die Kinder klatschen. Oder: Die Portokasse der Firma ist sicher gelandet, und mit ihr die reizende Praktikantin, der Herr Direktor in Abwesenheit der eigenen Gattin die Schönheiten mediterranen Seins zeigen kann. Letztlich applaudieren aber doch alle nur sich selbst: «Es ist ihr selbstinszeniertes Warm-up für bessere Tage.»

Autoreninfo

Peter Knorr, geboren 1939 in Salzburg, ist einer der Urväter der deutschen Satirelandschaft. In den frühen sechziger Jahren als Kabarettist tätig,...
«Wenn einer von uns beiden stirbt, ziehe ich nach Mallorca»

Und wie steht’s mit den Frauen auf Mallorca? So zum Beispiel: «Schönen Frauen, die sich nackt auf weißen Schiffen reicher Männer räkelnd bräunen – zweifellos, um ihnen bei Bedarf in dankbarer Sinnlichkeit zu Willen zu sein –, solchen Frauen könnte man auf Mallorca begegnen. Begegnet man ihnen aber tatsächlich, hat es sich dann längst ausgeräkelt, und die hübschen Darstellerinnen aus Werbespots für Hautcreme und Rum geben sich nach der Arbeit äußerst stolz und unnahbar. Daran ist nichts auszusetzen. (…) Männer wie du und ich lernen solche Frauen nicht kennen.» Eine hat Peter Knorr aber kennenlernen dürfen, Chloe, ein Wesen von ätherischer Schönheit – und einem ungewöhnlichen Anliegen. Staub zu Staub, Asche zu Asche.

Zur unfrohesten Sorte der Mallorca-Residenten zählen frühpensionierte Paare mit ausreichend Kohle, um den Rest ihres Lebens unter südlicher Sonne zu brutzeln und sich gegenseitig die Kante zu geben. Hohen Unterhaltungswert verspricht auch die Begegnung mit deutschsprachigen Inselkennern, denen nichts Menschliches fremd ist, dagegen sämtliche Manifestationen von Flora und Fauna ein Buch mit sieben Siegeln. Wie folgendes Couplet unterstreicht ...



Stimmen in südlicher Nacht

«Ich traue meinen Augen kaum –
ist das ein Jacaranda-Baum?»


«Nein, das ist die Feige,
auf die ich gerade zeige.»

«Aber das sind Mandeln?»
«Ich lasse mit mir handeln.»

«Ach, und dort der Lorbeerstrauch!»
«Quittenbusch nennt man ihn auch.»

«Dies muss die Zitrone sein.»
«Leider ist die Antwort nein.»

«Nein, dann ist es Ginster.»
«Nein, du Depp, nur finster.»

Peter Knorr rororo 128 S.
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