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«Es sind nur 43 Muskeln, mit denen wir mehr als 10.000 Gesichtsausdrücke erzeugen können, und ich habe sie alle gesehen, angenommen, fotografiert und codiert.» Paul Ekman wurde als Professor für Psychologie an der University of California in San Francisco zum weltweit bekannten Experten für nonverbale Kommunikation. Ekman zeigt in seinem Grundlagenwerk (Vorwort: Thorsten Havener), wie und warum wir Menschen lügen, warum manche dabei erfolgreich sind, andere nicht, und wie sich eine Lüge in Körpersprache, Stimme und Gesichtsausdruck niederschlägt.
Wenn ein «Mentalist» wie Thorsten Havener, von dem die Süddeutsche Zeitung schrieb, er sei « eine Sensation», jemanden wie Ekman als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen bezeichnet, dann heißt das schon etwas. Paul Ekman ist auch einer der Köpfe hinter der Erfolgsserie Lie to me – aber nicht deshalb ist er für Havener eine Ikone: «’Lügen’ ist eines meiner Lieblingsthemen. Ich habe in meinen Büchern bislang ganz bewusst nie etwas über das Aufdecken von Unwahrheiten geschrieben. Das liegt ganz einfach daran, dass ich zu diesem Thema nichts zu sagen habe, was Paul Ekman nicht bereits gesagt hätte. Er ist zweifellos einer der bedeutendsten Beobachter und Analysten unserer Zeit.»
Ekman dürfte sich wie kein anderer Wsisenschaftler mit der menschlichen Mimik beschäftigt haben. Die Entschlüsselung des Gesichts und seiner vielfältigen Ausdrücke ist Ekmans Lebenswerk. Was er herausfand, war bahnbrechend: Ob Trauer und Wut, Tränen und Ekel – Mimik läuft bei allen Menschen nach dem gleichen Muster ab, egal ob sie in Buxtehude oder in Timbuktu leben. Früher war man davon überzeugt, dass die Mimik angeboren und von Mensch zu Mensch verschieden sei. Mimik ist universell. Und: Sie lässt zuverlässige Rückschlüsse auf unsere Emotionen zu.
Mit seinem Kollegen Wallace Friesen erstellte Ekman einen Gesichtsatlas: ein kleines Wunderwerk. «Er wollte jeden, aber auch wirklich jeden Gesichtsausdruck katalogisieren und deuten, also lernte er, alle Muskeln im gesicht bewusst zu bewegen und bestimmte Mimikspiele immer wieder herbeizuführen und die Reaktionen des Gegenübers zu testen. Wenn er dazu nicht in der Lage war, bat er einen ihm bekannten Chirurgen, den entsprechenden Muskel mit einem elektrischen Stromstoß bei ihm selbst zu stimulieren. Das nenne ich Einsatz!» (Thorsten Havener)
Ekmans Facial Action Coding System (FACS) ist ein Wegweiser in die Sprache des Gesichts. Wer hätte gedacht, dass Shrek und Figuren aus Toy Story mit Hilfe von FACS animiert wurden! Wie man Menschen bei Vorstellungsgesprächen auf die entscheidenden Dinge befragt, ohne sie zu befragen; wie Lügendetektoren funktionieren (und wie man sie austricksen kann); wie sich grundlegende Emotionen in den Mikroausdrücken des Gesichts spiegeln – all das und noch viel mehr lernen wir in Rkmans Buch Ich weiß, dass du lügst
Apropos Lügen: Paul Ekman bezieht sich in seinen Analysen immer wieder auf wichtiges historisches Material: auf das Treffen des deutschen Reichskanzlers Adolf Hitler mit dem englischen Premierminister Neville Chamberlain am 15. September 1938 etwa. Oder auf den schlitzohrigen US-Präsidenten Richard Nixon, der ein höchst geschmeidiges Verhältnis zur Wahrheit hatte. Paul Ekman: «Acht Jahre nach seinem Rücktritt vom Amt des US-Präsidenten stritt Richard Nixon ab, gelogen zu haben, gestand aber ein, er habe sich, genau wie andere Politiker auch, verstellt. Das sei notwendig, wenn man ein öffentliches Amt erreichen und sich darin behaupten wolle, sagte er.»
Lügen Sie also nicht, verstellen Sie sich! Wie schrieb Max Frisch in seinem Roman Biedermann und die Brandstifter: «Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.»