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P. J. und Traci Lambrecht alias P .J. Tracy haben für ihren fünften Thriller Sieh mir beim Sterben zu ein finsteres Thema gewählt: das Internet als Medium kollektiv verabredeter Morde. So ungeheuerlich die hier erzählte Story auch wirken mag: die Realität hat die Fiktion längst eingeholt.
Als Alan schwer alkoholisiert auf hohen Stilettos an Minnesotas Mississippiufer entlangstakst, ahnt er nicht, dass seine letzten Minuten angebrochen sind. Wild Jim Bukowskis unflätige Beschimpfungen – «Blöde Schwuchtel! Fummeltrine!» – im Ohr, wankt er im weißen Brautkleid zur Transenshow im «Tiara». Als zwei starke Arme ihn hochheben und auf den Grund des Flusses drücken, ist er zu paralysiert, um sich zu wehren. Aus und vorbei, Prinzessin der Nacht.
Es ist eine neue, unvorstellbar zynische Form von Verbrechen, mit denen es Polizei und FBI zu tun bekommen. Menschen werden nicht nur kaltblütig ermordet – die Mörder filmen ihre Tat und stellen sie ins Netz, damit alle Welt sie sehen kann. Töten vor laufender Kamera, sterben vor laufender Kamera – das ist ihr Thrill. Zusehen und andere zusehen lassen, wie ein Leben gewaltsam zu Ende geht. Für Gino Rolseth ist es «das Allerschlimmste, was ich je gesehen habe», schlimmer als all die Snuff-Filmchen, die im Netz kursieren. Ein einfacher Mord wirkt dagegen wie das Werk eines barmherzigen Samariters.
Bald sind es fast ein Dutzend gefilmter Morde. Cleveland, Seattle, Los Angeles, Austin, Chicago, Minneapolis … Zu Tode geprügelt, erschossen, stranguliert, Kehle durchgeschnitten, ertränkt, in die Tiefe gestoßen. Der Schrecken wird noch gesteigert, als die Monkeywrench-Crew herausfindet, dass die Mörder ihre Taten im Netz schon vorher angekündigt hatten, in einer speziellen Formatierung – der dritte, fünfte, siebte und elfte Buchstabe der Nachricht ist jeweils groß geschrieben. «Tippfehler» als mörderisches Erkennungszeichen: StAdT dEr seEn. Braut im Wasser. Oder doch ein Bräutigam. Nicht weit vom Bier.
P.J. Tracy-Leser lieben die sechs Protagonisten ihrer Romane: die Polizisten Leo und Gino und die vier exzentrischen Software-Genies von Monkeywrench: Super-Hacker mit eigener FBI-Akte, die bei Ahndung all ihrer Gesetzesverstöße locker auf mehrere hundert Jahre Knast kämen. Vor ihnen ist keine digitale Festung netzaffiner Krimineller sicher, kein Anonymisierungsprogramm, kein Botnetz, keine Firewall.
Monkeywrench, das sind: Harley – Biker aus Leidenschaft, Hacker aus Überzeugung. Multimillionär mit einem Faible für barocke Möbel, teure Autos und Motorräder. Annie - in all ihrer Üppigkeit eine wahre Sexbombe; sie schafft es, selbst Männern den Kopf zu verdrehen, die genetisch nur auf Frauen mit Model-Idealmaßen stehen. Roadrunner – lang, dünn, schnell, Lieblingsoutfit: Rennradtrikot aus Lycra. Und Grace MacBride – traumatisiert durch ein fürchterliches Erlebnis an der Uni, das sie fast nicht überlebt hätte, geht sie seither keinen Schritt mehr unbewaffnet vor die Tür.. Dass viele sie für paranoid halten, stört sie nicht im geringsten.
FBI-Profilerin Dr. Chelsea Thomas weiß, was netzaffine Verbrecher antreibt: «Unsere Gesellschaft ist inzwischen ganz und gar visuell geworden. Schlagzeilen haben kaum noch Wirkung, weil sowieso kein Mensch mehr Zeitung liest, und die Polizei sorgt dafür, dass die misshandelten Opfer nicht in den Nachrichten gezeigt werden. Da springt das Internet in die Bresche. ‚Seht her, was ich getan habe! Seht her, wozu ich fähig bin!’ (…) Der Film ist die neue Trophäe. Er braucht keine Körperteile mehr abzsuchneiden, keine blutverschmierten Höschen mehr mitzunehmen und bei sich zu Hause zu lagern.»
Monkeywrench gelingt schließlich der entscheidende Durchbruch: Sie spüren den Thread einer gruseligen Website auf: www.il ovetokill.com , wo jemand eine regelrechte Abschussliste veöffentlicht hat. Gepostet wurden sie vor dem ersten Mord … Aber wer hat die tödliche Lawine ausgelöst?
Wie schreibt die Frankfurter Rundschau so schön? «Das Duo P. J. Tracy – das sind Mutter Patricia Jean und Tochter Traci TeAmo – hat einen kleinen Zoo origineller Figuren erdacht, auf die man von Mordfall zu Mordfall gespannt ist.» Und der nächste kommt bestimmt ...