Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Olle Lönnaeus: Das fremde Kind

© Matrix Buchkonzepte Ch. Modi & M. Orlowski

Viele Jahre hatte der Journalist Konrad Jonsson einen großen Bogen um seine südschwedische Heimat gemacht – um die Kleinstadt Tomelilla, wo er bei seinen Adoptiveltern Signe und Herman aufwuchs. Nun sind die beiden alten Leute tot. Ermordet, förmlich hingerichtet durch Genickschüsse. Wer konnte nur einen solchen Hass auf das tiefreligiöse Paar haben? Olle Lönnaeus’ Roman Das fremde Kind, preisgekrönt als bestes schwedisches Krimidebüt 2009, ist ein großer Wurf: packend, atmosphärisch dicht und mit genau den Überraschungsmomenten ausgestattet, die einen bis zur letzten Seite in Atem halten.

Achtundzwanzig Jahre ist es her, seit er Tomelilla hinter sich ließ. Einmal, als er in Schweden war, kam er seiner alten Heimat bedenklich nahe. «Doch der Ort selbst war für ihn eine verbotene Zone, kontaminiertes Gebiet, in das er niemals wieder gewagt hat, einen Fuß zu setzen.» Jonsson hat viel erlebt in diesen Jahren. In Berlin arbeitete er als freier Autor für deutsche Zeitungen, er berichtete für internationale Magazine aus Krisen- und Kriegsgebieten. Lukrativer Job, aufregendes Leben – bis zu jenem Tag in Bagdad, an dem er und sein Übersetzer Mahmoud als Geiseln genommen wurden. Seither überfallen ihn immer wieder Panikattacken, ihm wird schwarz vor Augen, die Erinnerung schmerzt. Auf seinen Abschied vom Journalismus angesprochen, sagt er nur: «Ich habe die Lust verloren.»

Der Doppelmord von Tomelilla

Konrad Jonsson ist bestürzt, dass ihn die Kriminalinspektorin Eva Ström und ihre Kollegen als Hauptverdächtigen einstufen. Jemand will ihn am Mordabend in Tomelilla gesehen haben; der Name des «Zeugen» wird ihm aus ermittlungstechnischen Gründen verheimlicht. Sogar ein erstklassiges Mordmotiv ist schnell bei der Hand: Geldgier. Herman und Signe Jönsson hatten vor einiger Zeit 12 Millionen Kronen im Lotto gewonnen. Dass Konrad davon nichts weiß, hilft ihm nicht.. Und weil Klas, der andere Erbe, ein wasserdichtes Alibi vorweisen kann, bleibt Konrad dringend der Tat verdächtig.

Als zwei Jugendliche aus albanischen Immigrantenfamilien bei einem Einbruchversuch draußen in Onslunda erschossen werden, kommt auf einmal Bewegung in die polizeilichen Ermittlungen. Handelte es sich um einen Akt der Notwehr oder um eine gezielte Exekution? Immerhin ist der Todesschütze Tore Torstensson ein alter Nazi und stadtbekannter Rassist. Dass die jugendlichen Einbrecher die Pistole bei sich hatten, mit der Jonssons Adoptiveltern erschossen wurden, kommt einer Entlastung Konrads gleich. Doch die Zweifel bleiben, ob die beiden jungen Albaner hinter dem Verbrechen an seinen Adoptiveltern stecken..

Zum Glück leben sein Jugendfreund Sven Myrberg und dessen Schwester Gertrud nach wie vor in Tomelilla. Mit Sven verbindet ihn eine besondere Geschichte. Er war ein Träumer, ein neugieriger Junge mit tausend krausen Ideen und hochfliegenden Plänen im Kopf. Der geborene Außenseiter – wie Konrad auch, der «Polackenjunge», der Sohn von Agnes Stankiewwic, die im Dorf viele als «Polennutte» beschimpften. Zwei Ausgestoßene, zwei Sonderlinge, und die besten Freunde. Bis das Gerücht aufkam, Sven sei einer «vom anderen Ufer». Von diesem Tag an wich Konrad ihm aus. Bis er Tomelilla verließ.

Autoreninfo

Olle Lönnaeus, geboren 1957, wohnt in Lund und arbeitet seit über zwanzig Jahren beim «Sydsvenska Dagbladet». Der Journalist hat für seine...
mehr über den Autor
«Der Hass. Der Ekel. Die unwiderrufliche Tat …»

Man kann seine Vergangenheit verdrängen. Auslöschen, ungeschehen machen kann man sie nicht. Eigentlich ahnte Konrad s ofort, dass Signes und HermansTod auf geheimnisvolle Weise mit seinem Kindheitstrauma zusammenhing – nur wie? Es war 1968, im Sommer 1968, als Agnes, seine Mutter, aus seinem Leben verschwand. Ob sie tot war oder noch lebte? Konrad hatte es irgendwann aufgegeben, sich diese Frage zu stellen. Für ihn zerfiel sein Leben in zwei Teile: Die Zeit, bevor er verlassen wurde. Und die Zeit danach.

Die Jahre der Einsamkeit in dem grauen Eternithaus, wo er mit Signe, Herman und Klas unter einem Dach lebte. Eine Szene hatte sich ihm für immer eingebrannt, der Abend, als Klas wutentbrannt auf seine Eltern einschrie: «Der Bengel von der Polackenhure! Ihr seid doch nicht ganz bei Trost!» Und als Signe ihm nur erwiderte: «Wir haben die Sünde im Blut. Wir werden nie wieder ein Wort darüber verlieren, Klas. Aber du weißt es. Und wir wissen es auch. Dass wir eine Sünde begangen haben, die wir sühnen müssen.»

Diese «Erbsünde» der Jönssons ist der Schlüssel zu der Mordserie von Tomelilla. Da die Polizei nach ihm nicht sucht, ist es an Konrad, ihn zu suchen. Und zu finden …