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«Die ‹heute show› ist so, wie eine Nachrichtenparodie idealerweise sein soll: schnell, bissig, witzig.» (FAZ) Wenn Oliver Welke, die Kommentatoren Gernot Hassknecht (nomen est omen!) und Ulrich von Heesen, Statistikfee Tina Hausten und die Reporter Martin Sonneborn, Carsten van Ryssen und Lutz van der Horst loslegen, geht es hart zur Sache – und kein Auge bleibt trocken. Okay, die FDP muss man nicht karieren, das tut sie, die Partei mit dem bemerkenswerten Selbstmarginalisierungspotential, schon selber. Aber was Scharfrichter Welke und die Seinen mit den Freidemokraten, allen voran die Herren Westerwelle, Lindner & Brüderle, anstellen, ist ein Glanzstück politischer Satire.
Aber nicht nur die Westerwaves der Republik bekommen ihr Fett weg, auch Sigmar Gabriel und seine «Sozen», Angela Merkel und ihr «Wahlverein formerly known as CDU», die Grünen, die Linken, die Atomindustrie, die Kirche(n), Stotter-Ede, die Guttenbergs etc.pp. Die ‹heute-show›: Zuschauen macht Spaß! Und Lesen bildet! 2010 gab es für die Hardcore-Satire den Grimme-Preis und den Deutschen Fernsehpreis. Wer das Buch zur Hand nimmt, weiß warum.
Die Kapitel beginnen mit der ‹heute show›-Infobox («Vorsicht, Fakten!) Danach werden in aller Seelenruhe (aber voll vierfarbig!) Politiker, Parteien und/oder die jeweiligen Skandalthemen zerpflückt, bevor Gernot Hassknecht als cholerischer TV-Kommentator und Tina Hausten mit erlesenem Demoskopie-Trash die Exekution abrunden. Als Beispiel für die immer smarte, immer unfaire Arbeitsweise der Welke-Crew nehmen wir – ja, weshalb eigentlich nicht die FDP?
Die Liberalen heißen Liberale, «weil sie frei von jedweder politischen Meinung oder Haltung sind», heißt es in der Infobox. Wann genau der Niedergang der Partei begann (schon mit der Gründung? oder doch erst mit der Inthronisierung Westerwelles, des Erfinders von Guidomobil und der gelben 18 unter der Schuhsohle?) – darüber streiten sich die Geister. Sicher aber ist, «dass die Liberalen nach dem Sensationsergebnis bei der Bundestagswahl 2009 (14,6 Prozent) – und exakt anderthalb Minuten nach dem Amtseid ihrer Minister – den Mehrwertsteuersatz zur Hoteliers gesenkt haben.» Was dem Verein (adressiert an Christian Lindner) einen schäumenden Kommentar von Gernot Hassknecht in Sachen Klientelpolitik einbringt:
«Die Sache mit der ‹Mövenpick-Spende› und der Mehrwertsteuersenkung für Hotels fand Lindner übrigens auch nur so mittel. In der Außendarstellung. Was natürlich kein Grund ist, an diesem Schandfleck in der deutschen Gesetzgebungsgeschichte nachträglich noch was zu ändern. Das hieße ja einen Fehler zuzugeben. Und so weit geht der mitfühlende Liberalismus nun auch wieder nicht. Die Scheiße stinkt doch zum Himmel. Ja, wo leben wir denn eigentlich? Im Taki-Tukan-Land? Kann man bei uns neuerdings Gesetze bestellen wie 'ne Pizza? Hallo, Herr Lindner? Ich hätte gern einmal den reduzierten Mehrwertsteuersatz und einen kleinen Bauernsalat!»
Wer oder was ist Christian Lindner? mag sich da manch einer fragen. Klärende Worte findet man in der Rubrik ‹Deutsche Helden›: «Er nahm Ballettunterricht, um seine schmächtige Figur körperlicher präsenter erscheinen zu lassen. Abends schaute er alte Western auf Video und sprach die Rollen von John Wayne laut vor sich hin. All das sollte nur einem Zwecke dienen: die perfekte Politwaffe Christian Lindner zu formen. Schon als Schüler hatte er begriffen, dass die einzige Partei, die für ihn in Frage käme, die FDP sei. Mit 16 trat er ihr bei. Nach seinen Hochrechnungen hätte er genau zehn Jahre gebraucht, um ihr Landesvorsitzender zu werden, er schaffte es in neun. Bei der SPD hätte er grob überschlagen 28 benötigt, die Grünen hätten ihn nach zwei Jahren rausgeworfen, und in der CDU hatte er als Hetero keine Chance. Dies sollte sich als der einzige Irrtum in der Karriereplanung des Christian Lindner herausstellen.»
Und Tina Hausten fragt schließlich besorgt: Quo vadis, liberales? «Die Liberalen stürzten von über 14% bei der Bundestagswahl in kürzester Zeit auf 3% (aufgerundet) ab. Wir Demoskopen nennen so etwas das ‹Huiiiie … ach du Scheiße-Phänomen›. (…) Viele Mitglieder trauen sich inzwischen kaum noch aus ihrer Apotheke oder ihrem Hotel. Einige sind so lethargisch, sie haben nicht einmal mehr die kraft, sich wegen Steuerhinterziehung selbst anzuzeigen. Nur was wählen die Enttäuschten stattdessen? (…) Grünenwähler unterscheiden sich von FDP-Wählern heute nur noch dadurch, dass sie mit ihrem Audi Q7 nicht zum Golfplatz fahren, sondern zum Bioladen. Und dann erst zum Golfplatz.»
Zum Beispiel über die coolsten Stellen des Grundgesetzes, etwa der gute alte Artikel 1, Die Würde des Menschen ist unantastbar. «Bedeutet genau das, was da steht. Wer anderen Leuten die Würde wegnimmt, ist charakterlich das Hinterletzte. Wenn sich jemand allerdings selbst die Würde nimmt, indem er beispielsweise Cowboystiefel trägt oder mit 14 in die Junge Union eintritt, kann der Gesetzgeber wenig machen. Andernfalls wären TV-Sendungen, in denen Heidi Kulm magersüchtige Pipi-Mädchen zum Flennen bringt oder in denen B-Promis RTL zuliebe an Hirschpenissen lutschen, verfassungswidrig. Und unsere Richter haben weiß Gott auch so schon genug zu tun.»
Das ‹heute show›-Gewinnspiel des Jahres (Stichwort: Böhzer Onkel Safranin): «Erklär den Begriff ‹Türke›, ohne die Wörter ‹vorbestraft›, ‹dumm› und ‹Kopftuchmädchen› zu verwenden.»
Google Street View? «Die Jungs von Google sind zu Recht enttäuscht von uns», findet Ulrich von Heesen in seiner Live-vor-Ort-Reportage. «Gerade aus Deutschland hätten sie mehr Verständnis erwartet. Schließlich hat die Stasi bei uns 40 Jahre lang aus Versehen Daten gesammelt. Aber diese ewig jammernden Gutmenschen werden sich noch wundern. Die Google-Typen wissen jetzt, wo wir wohnen, und wenn man weiß, wo jemand wohnt, kann man den auch mal morgens um fünf abholen.»
«Liebe Landsleute, Sozialschmarotzer, Besserverdiener, Staatslurche, liebes Gezockt, Volk von Jammerlappen und Elektrosmog-Hypochondern, Ihr kotzt mich jetzt schon an. Deshalb werde ich noch heute Nachmittag zurücktreten. Und ich sage euch warum: Ihr seid zu fett, zu doof und guckt zu viel Scheiße im Fernsehen …» (Den Rest zu zitieren ist aus ethisch-pathetischen und medientaktischen Gründen untersagt.)
Alles Weitere finden Sie direkt in der heute show: freitags Abends im ZDF und hier auf Papier.