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Da kann einem schon der Schreck in die Glieder fahren: Schlägt man Norbert Zähringers 500-Seiten-Roman Einer von vielen auf, wird einem ein 70 oder 80 Menschen/Schicksale umfassendes Personentableau präsentiert. Dieser Roman, der jetzt bei rororo als Taschenbuch vorliegt, ist nicht nacherzählbar; neben seinem Zentrum, der Lebensgeschichte des Edison Frimm, gibt es mehrere Epizentren und unzählige Verzweigungen, Vernetzungen und Verwicklungen – Pynchon lässt grüßen! Das Motto, das Zähringer seinem Werk vorangestellt hat, lautet: «Happiness must be earned.» Also dann!
Einer von vielen ist eines von sehr wenigen Büchern, die, zugleich klug und unterhaltsam, dem Leser ein ganzes Jahrhundert mit seinen Träumen und Albträumen aufschließen.» (FAZ) «Ein grandioser Roman.» (Berliner Zeitung)
Im Dezember 2003 will sich ein alter Mann auf der Küstenstraße in der Nähe von Berkeley, Kalifornien, von der Brücke über den Rocky Creek in den Tod stürzen; nach 18 Monaten im Nordtrakt des Staatsgefängnisses von Bakersfield sind die Alarmzeichen einer unaufhaltsamen Demenz nicht mehr verstummt. Aber bevor es zu Ende geht mit ihm, möchte er sein Leben, die Erinnerung an das, was sein Leben war, mit in den Tod nehmen, und zwar in chronologischer Reihenfolge. Und so werden wir achtzig Jahre zurückkatapultiert, zum 1. September 1923. Dieser Tag ist das magische Zentrum des Buches, sein pulsierender Kraftquell.
Was an jenem Tag geschah? Zum Beispiel wird Eddi Frimm am 1. September 1923 in einer anarcho-kommunistischen Kommune in der Mojave-Wüste geboren, als ein Erdbeben die Menschen in Panik versetzte. Am selben Tag kommt im fernen Deutschland Siegfried (Siggi) Heinze zur Welt, Sohn eines Nazis der ersten Stunde (und «Märtyrer der Bewegung»). Zur gleichen Zeit werden Tokio und Yokohama (real) von einem der schrecklichsten Erdbeben in der Geschichte der Menschheit verwüstet – für den Polizisten Toshiro Koga die Initialzündung für seine Auswanderung in die USA, wo er dann in Hollywood für die Filmprominenz gärtnern und nach dem Angriff auf Pearl Harbor interniert wird. Außerdem geistert in einer Rahmenhandlung der Berliner Kriminalkommissar Mauser durch die Geschichte undundund … Dass alles mit allem zusammenhängt, von unsichtbarer Hand arrangiert, das versteht sich bei Zähringer von selbst. Musik des Zufalls in Vollendung!
Wie schon sein furioses Romandebüt So und auch Als ich schlief hat dieser Monumental- & Globalroman eine breite Schneise ins Feuilleton geschlagen. Angesichts dieser verwirrenden Fülle verschlungener, verketteter Geschichten sind auch bei professionellen Lesern vielerlei Reaktionen denkbar, Respekt, Bewunderung, Irritation. Nur eines offensichtlich nicht: Indifferenz. Wir zitieren einige Stimmen:
LITERATUREN. «Zähringer ist ein furioser Erzähler. Sein Buch ist ein Schelmen- und Abenteuerroman, dessen Bilder technicolorbunt glänzen und in dem fortwährend die Schauplätze wechseln. Wie es ihm gelingt, die Fäden zusammenzuhalten, den historischen Hintergrund nicht nur als Kulisse, sondern auch als Hallraum für seine Ab- und Ausschweifungen zu nutzen, sein immenses Personal um das heimliche Zentrum Edison Frimm kreisen zu lassen, ohne dabei den Überblick über die Umlaufbahnen seiner Figuren zu verlieren, ist bemerkenswert: Unterhaltungsliteratur auf höchstem Niveau.»
FAZ. «Norbert Zähringer ist einer unserer amerikanischsten Erzähler, aus jener Subspezies der Uhrwerkermeister und Romanmaschinisten, bei denen die Motive, Figuren, Haupt- und Nebenhandlungen wie Zahnräder ineinandergreifen. Michael Chabons Meisterwerk Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay oder auch Rick Moodys Wassersucher sind Vorbilder für Zähringers hochtourigen Geschichtenapparat, bei dem am Ende kein Auge trocken und kein Fädchen lose bleibt.»
FREITAG. «Hier ist nichts unvorbereitet. Jeder Einfall – und davon gibt es im Roman so viele, dass man ganze amerikanische TV-Serien damit bestücken könnte – ist nur einer von vielen. (…) Zähringer hat sein Verfahren perfektioniert. Nichts an den Spielen des Zufalls bleibt mehr dem Zufall überlassen. Und damit bekennt er sich zu dem, was allem Erzählen von Grund auf eignet, sei es in Romanen, sei es in Filmen – das virtuose Verweben und Verstricken von Plan und Einfall, Erlebtem und Erfundenem, Geschehenem und Gesponnenem. (…) Realismus als Lotuseffekt: jeder Vorbehalt gegen die Überkonstruktion perlt an der Vielzahl dieser kleinen Realitätseffektschuppen ab, aus denen die Oberfläche des Romans sich zusammensetzt.»
Die Zeit. «Norbert Zähringer hat einen turbulenten Kinoroman geschrieben, Geschrieben ist diese Szenenfolge in einem packenden Drehbuchstil, nicht von ungefähr sind Filme und filmische Einstellungen Leitmotive in Zähringers Roman.»
literaturkritik.de. «Zähringers große Kunst ist es bei all dem, die Fäden nie aus der Hand zu lassen, seinen Fantasiegeschöpfen Raum zu lassen für erzählerische Seitensprünge … Und damit keiner seiner vielen Erzählfäden am Ende unverknüpft aus dem Romangewebe heraushängt, hat er sich auch noch einen großartigen Coup für das Finale aufgehoben.»
Deutschlandradio Kultur. «Der Geschichtenerzähler Zähringer, der die Chaostheorie und die Gleichzeitigkeit ungleichzeitiger Ereignisse als Basis seines weitverzweigten Romans benutzt, erzählt viele Geschichten innerhalb der einen Lebensgeschichte und beweist durch seine Romanfiguren, dass die Macht des Zufalls nicht aus heiterem Himmel kommt, sondern auf Verbindungslinien basiert.»