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Nicolas Remin: Die Masken von San Marco

© Matrix Buchkonzepte; Covermontage

Gute Nachrichten für alle, die mit Spannung Nicolas Remins historische Krimireihe verfolgen: Es gibt Neues aus Venedig! Im September erscheint Band 4 der Reihe um Commissario Alvise Tron – Die Masken von San Marcobei rororo in attraktiver neuer Ausstattung (ebenso wie die drei ersten Bände). Die Reihe besticht nicht allein durch die historische Detailtreue; sie ist ungemein elegant und mit wunderbarem Sprachwitz geschrieben – ein Genuss für Leserinnen und Leser anspruchsvoller historischer Kriminalromane! Ab 18,9. finden Sie den fünften Band im Buchhandel: Requiem im Rialto. Zur Einstimmung ein kleiner Exkurs izu den schillernden Masken von San Marco ...

Hoher Besuch aus Wien

Venedig erwartet Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth von Österreich, die der Stadt der Palazzi und Kirchen, der Kanäle und Brücken ihre Aufwartung machen – und nichts von der tödlichen Gefahr ahnen, die in der Lagunenstadt lauert.

Immer diese Verbrechen! Im Prinzip verabscheut Tron seine Arbeit zutiefst. Übel zugerichtete Leichen, Morde aus Eifersucht oder Habgier, aus Machtstreben oder schierer Niedertracht: wie unschön. Und immer abhängig sein von der großen Politik (Stadtkommandant Toggenburg!) und Allbernheiten der Bürokratie (Polizeipräsident Spaur!), vom Gezerre zwischen dem österreichischen Militär und den Sympathisanten Garibaldis ganz zu schweigen: wie banal, wie ermüdend.

Der Commissario liebt ganz andere Dinge: bezaubernde Frauen (allen voran die Principessa Maria di Montalcino, seine schöne Verlobte. die als Glasfabrikantin zudem über einigen Geschäftssinn zu verfügen scheint), kunstvolle Gedichte (er gibt die so ambitionierte wie notorisch unterkapitalisierte Lyrikzeitschrift Emporio della Poesia heraus), erlesene Desserts (raffinierte Schokoladenderivate, erregende Soufflés, exotische Früchte) – Genüsse, die er liebt (in der Regel in dieser Reihenfolge).

Autoreninfo

Nicolas Remin wurde 1948 in Berlin geboren. Er studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte an der...
mehr über den Autor
Die Sache mit den Platzpatronen

Dass der Kaiser in Venedig in Todesgefahr schwebt (was er nicht weiß und nie erfahren wird!), hat er sich selbst zuzuschreiben. Seit das Parlament die Militärausgaben rabiat gekürzt hat, steht Franz Joseph mächtig unter Druck. Also plant er, inspiriert vom Sprengstoffanschlag auf die Kutsche Napoleons III. vor dem Pariser Opernball, ein fingiertes Attentat – auf ihn selbst, den Kaiser. Glich die Rückkehr des französischen Kaiserpaars in die Tuilerien damals nicht einem Triumphzug?

«Eine ganze Stadt, die den Verschonten zujubelt. Die Idee war genial. Vor allem war sie seine eigene Idee …» Das «Wunder von Venedig» soll Parlament und Öffentlichkeit zu großzügigeren Ausgaben für die Armee einstimmen. Ein Scharfschütze soll aus einer Dachluke des Palazzo Reale auf den österreichischen Kaiser feuern, mit Platzpatronen, versteht sich. Unglücklicherweise unterläuft Generaladjutant Graf Crenneville und Oberst Hölzl, dem Chef der militärischen Abwehr in Verona, bei der Auswahl des Attentäters ein verhängnisvoller Fehler.

Ein Hoch auf Kaiserin Elisabeth!

Ansonsten ist die «Aktion Attentat» eine logistische Meisterleistung. In einem verlöteten Zinksarg, in dem angeblich ein Malariaopfer seine letzte Reise antrat, wurden große Mengen Sprengstoff für den Feuerzauber auf San Marco nach Venedig geschafft. Es dauert lange, bis der Commissario weiß, dass Boldù, der gedungene Attentäter, nicht eine Sekunde daran gedacht hat, mit Platzpatronen auf den Kaiser zu schießen. Sein flammender Hass auf den Kaiser hat sehr persönliche Gründe, und er ist entschlossen, sich durch nichts und niemanden bei seiner Rachemission aufhalten zu lassen.

In seiner zum Himmel schreienden Einfalt wäre Franz Joseph blinden Auges in die Katastrophe gestolpert, hätte seine kluge Gattin Elisabeth nicht rechtzeitig ein klärendes Gespräch mit dem Commissario angebahnt. Und Tron, mit seinem «dekadenten Mangel an Disziplin»? Glaubt naiverweise, den Attentäter mit gutem Zureden und einem attraktiven Angebot zur Kapitulation bewegen zu können. Ein (beinahe) tödlicher Irrtum …