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Nicholas Shakespeare: Sturm

© Collage (Coverabb. & Material Matrix Buchkonzepte)

Entspannt, geradezu behaglich beginnt die Geschichte, die Nicholas Shakespeare in Sturm erzählt. Arglos liest man von einer Beziehung, der zu ihrem grenzenlosen Glück nichts, fast nichts fehlt. Bis einem schlagartig dämmert, worauf das alles hinausläuft: auf eine Dreiecksgeschichte von gnadenlos existentieller Wucht, dort am Ende der Welt, auf der Insel Tasmanien, der ehemaligen britischen Sträflingskolonie Van-Diemens-Land südöstlich von Australien.

Nicholas Shakespeare, der Teile des Jahres in seinem Haus auf Tasmanien lebt und arbeitet, wurde wurde durch seine große Bruce-Chatwin-Biographie und den von John Malkovich verfilmten Roman Der Obrist und die Tänzerin bekannt. Sturm ist ein Roman über Gefühle, die wie elementare Gewalten über Menschen hereinbrechen können – eine Beziehungstragödie, die von Seite zu Seite einen immer stärkeren Sog erzeugt.

«Jede Seite, jede Leseminute ist ein Geschenk.»(Brigitte) «Ein großartiger Roman, der hingebungsvoll von der Liebe und dem Leben erzählt. In einer Sprache, so kraftvoll und schäumend schön wie das Meer.» (Neon)

Brennende Sehnsucht

Merridy und Alex scheinen schicksalhaft füreinander bestimmt zu sein. Alex ist von seinem Studium in London auf die verfallene Familienfarm in Wellington Point zurückgekehrt; seine Eltern sind längst tot, Opfer eines tragischen Autounfalls. Ein Lastwagen hatte sie zermalmt, als er elf war. Die Erinnerung an jenen fürchterlichen Tag, an dem sich sein Leben auf der Moulting Lagoon Farm so schmerzhaft veränderte, brennt noch immer in ihm. Auch Merridy hat einen traumatischen Verlust erlitten. Eines Tages verschwand ihr Bruder Hector, gerade sieben Jahre alt, an der Steilküste von Wellington Point und tauchte nie mehr auf. Längst sucht keiner mehr nach ihm.

Hier haben sich zwei Trauernde, zwei verlorene Seelen gesucht gefunden. Diese Seelenverwandtschaft zieht sie an. Sie geben einander Halt undf Zuversicht. Doch ihre Liebe besitzt einen Makel: Merridy wird nicht schwanger, obwohl beide sich sehnlich ein Kind wünschen. Ein Wesen, das den alten Schmerz im neuem Glück versinken lässt. Mit der Zeit stellt sich ein zermürbendes Gefühl der Verzagtheit, des Scheiterns, der Leere ein.

«Danach wurde das Thema ihrer Kinderlosigkeit auf die Liste der verbotenen Themen gesetzt, auf der schon Ray Grogan, Merridys Universitätsstudium, der Autounfall von Alex’ Eltern, die Münze in der Flasche und Hectors Verschwinden standen. Etwas, worüber sie nicht sprachen. Wie Ehepaare, die sich Jahre zuvor geeinigt hatten, bestimmter Themen nicht zu erwähnen.»

Autoreninfo

Nicholas Shakespeare, 1957 in England geboren, verbrachte als Sohn eines Diplomaten annähernd zwanzig Jahre in Asien und Lateinamerika. Er studierte...
mehr über den Autor
Macht der Liebe, Ohnmacht der Liebe

Merridy, geübt im Verdrängen, verabschiedet sich von ihrem Kindertraum; schließlich können Paare auch ohne Nachwuchs glücklich werden. Sie setzt alle ihre Kraft und Hoffnung auf eine Idee mit Perspektive: eine Austernfarm. Doch die Ruhe ist trügerisch. Als Alex und Merridy unter Einsatz ihres Lebens einen jungen Mann aus dem tobendem Meer retten und bei sich aufnehmen, verändert sich schlagartig alles. Für Merridy konzentrieren sich in diesem „Findling“ alle ihre Obsessionen und Sehnsüchte.

Wie Shakespeare die aufgewühlte Natur mit der dramatischen Gefühlswelt seiner beiden Protagonisten kurzschließt, ist atemberaubend. Mit unerbittlicher Kraft bricht sich die Lust auf ein erfülltes Leben Bahn. Kish, der Schiffbrüchige, steht auf unheilträchtige Weise für den verschwundenen Bruder. Für das Kind, das ihr und Alex versagt blieb. Für den leidenschaftlichen Liebhaber, den sich Alex’ Frau insgeheim wünscht. Es ist ein Tohuwabohu aufgestauter Gefühle und rasender Projektionen, das eigentlich nur in einer Katastrophe enden kann. Eigentlich …