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Ihre Auftritte auf der Bühne sind das pure Vergnügen: geballte Energie, ansteckende Power, Lacher am laufenden Band – eine geborene Entertainerin, eine der schrägsten deutschen Comedy-Frauen, Markenzeichen: große Klappe. Sie kann Mann und Maus in Grund und Boden reden, wenn sie will (und wie sie das will!): Mirja Boes, geboren 1973 in Viersen, studierte Italienisch, Spanisch, Musik- und Medienwissenschaften in Düsseldorf und Musical an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. 1994 schloss sie sich der Compagnia 82 an, ab 1996 sorgte sie bei den Fabulösen Thekenschlampen für Furore. Im Sommer 2001 trat sie in den Diskothek Oberbayern in Palma auf Mallorca auf (Künstlername: Möhre). Bis 2006 Mitglied bei den Dreisten Drei.
Mirja Boes, beim Deutschen Comedypreis 2008 zur «besten Komikerin Deutschlands» gekürt, hat die Humorszene mit dem Soloprogramm Morgen mach ich Schluss! … wahrscheinlich! tüchtig aufgemischt. Und nun das: Mit ihren Boesen Tagebüchern lässt sie alle Hemmungen hinter sich. Gnadenlos schlachtet der niederrheinische Wonneproppen ihre Originaltagebücher aus den 80ern: «Unaussprechlich peinlich», aber auch ganz schön lustig, 1a-Material. «Herrlich (selbst)ironisch und komisch!»
Worüber sie eigentlich schreiben solle, sinniert Mirja in dem Prolog – oder so genannten Vorwort. Über heimliche Obsessionen, Lack, Leder, S/M, Bondage? Quatsch, sie doch nicht. Ein Krimi vielleicht? «Jeder schreibt doch Krimis! Die Geburtenrate in Deutschland sinkt, aber die Zahl der Krimiautoren hat sich verdreifacht.» Andererseits: Frau Boes hat ja bereits einen hammerharten Krimi mit wüstem Plot verfasst. Titel: Unter dem alten Kirschbaum. Untertitel: Verräterische Stimmen in Hückeswagen. Da läuft’s einem wirklich kalt den Rücken runter. Allerdings war die Autorin da 14 Jahre alt. Und der Roman nach 11 Seiten zu Ende.
Okay, kein Krimi. Plötzlich war die Idee da. Die alten Tagebücher aus den 80ern, die auf dem Speicher im elterlichen Haus lagern: kleine, ledergebundene rosa Heftchen. Geschrieben in der Zeit zwischen ihrem elften und neunzehnten Geburtstag. Arme Jungs, kann man nur sagen. Mirjas Kusslisten waren berühmt-berüchtigt. Hier wurden Kussarten so griffig wie garstig klassifiziert: toter Fisch (Marcus), Klopömpel (Thomas), Leguan (Georg) usw. Und wen hat sie nicht alles am langen Arm verhungern lassen und schnöde aus ihrem noch jungen Leben verabschiedet – wie Baggersee-Mirko mit der David-Hasselhoff-Frisur war nur einer aus der Loser-Riege …
Mit Markus, ihrem ersten «Willstdumirmirgehenjaneinvielleichtkreuzan-Freund», wurde es dann richtig anstrengend: «Wir gingen miteinander. Wir gingen, gingen, gingen. Wir gingen ins Kino, wir gingen ein Eis essen, wir gingen eine Cola trinken, wir gingen wieder ins Kino. Kein Händchenhalten, kein Kuss, Sex sowieso nicht, kein Nix, aber an jedem Tag unserer schönen Beziehung einen Halbmarathon.»
Als Kind war Mirja ausgesprochen tierlieb: Katze Minki, Schildkröte Casimir, Hund Elka, Wellensittich Micki … Das tollste Tier aber war Minki, die problemlos jeden Uschi-Glas-Lookalike-Contest gewonnen hätte. Aber sie war zeitweise auch äußerst kaplanlieb. Weil sie die Dornenvögel über alles liebte, wurde Kaplan Kortke zum natürlichen Objekt von Mirjas Begierde. Irgendwie hat es dann aber nicht geklappt, den Kaplan klarzumachen, obwohl Mirja als Messdienerin unentwegt Messen diente. Schon damals wusste sie: «Dornenvögel ist gelogen!»
Zum Glück gab es aber doch noch ein Leben nach Kaplan Kortke. Mirja sprengte die Fesseln ihrer niedlich-überschaubaren niederrheinischen Heimat und zog hinaus in die weite Welt. Überall hatte sie ihren Spaß und viele Jungs wohl auch mit ihr. Miss Wet-T-Shirt-Wettbewerb, Cola-Korn-Königin 1991 – frühe Karriereschritte auf dem Weg zur gefeierten Comedian. Auch die legendären Auftritte der Mirja B. als Ballerfrau auf Mallorca werden in den Boesen Tagebüchern nicht verschwiegen – im Gegenteil: Offenheit ist erste Bürgerinnenpflicht. Was Mirja dort zum Besten gegeben hat? «Lustige Penislieder», unter denen 20 Zentimeter das wohl ballerigste war.
Aber lesen Sie selbst – viel Vergnügen!