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An Tom erinnern Sie sich doch noch? Genau, den Tom aus Mia Morgowskis Kein Sex ist auch keine Lösung: Tom Moreno, den einst so überzeugten Single und seriellen Frauenverführer, der an der Seite Elisas zum ersten Mal als fest liiert gelten darf. Sogar häuslich ist er geworden, und kaum zu glauben: Es behagt ihm. Bis ihm sein Freund Luke, der irrwitzigerweise eine Beziehung mit Toms ewigjunger Mutter Tessa angefangen hat, via E-Mail einen erschütternden Satz an den Kopf knallt: Routine killt den Sex. O-Ton Luke: «Wird es dir nicht langweilig, immer mit derselben Frau zu schlafen?» Was heißt schon langweilig, denkt Tom. Andererseits – ob er nicht doch mal wieder seinen Marktwert testen sollte?
Seine Zwangsmonogamie ist nicht Toms einziges Problem. Ein anderes heißt Melanie (davon gleich mehr), und ein drittes Lydia. Bei der Präsentation eines knalligen Marketingkonzepts hatte ihm vor ein paar Monaten als Werbechefin der Firma Cremand in München eine gute alte Bekannte gegenübergesessen. Lydia Cremand, ein One-, Two- oder Three-Night-Stand, so genau kann er sich beim besten Willen nicht mehr erinnern. Eine delikate Situation für Tom, schließlich ging es um einen Riesenetat. Den bekam seine Agentur dann auch – und Lydia ein Kind, ziemlich genau neun Monate, nachdem der Kreativtexter und seine Auftraggeberin eine allerletzte Nacht verbracht haben …
Aber eins nach dem anderen. Weil (noch so ein in Stein gemeißelter Satz): Zu viel Hektik killt den Überblick. Ja, Tom ist mit Elisa glücklich, so wie man nur glücklich sein kann mit einer blonden, langbeinigen, lebhaften, bildhübschen jungen Frau. Und doch nagt Lukes übles Statement gehörig an ihm. Klar gäbe es pragmatische Lösungen, eine ließe sich Tom am liebsten patentieren: «Mein Vorschlag an das Universum: Männer bekommen beim Start in eine feste Beziehung eine Art Zehnerkarte fürs Fremdgehen. (Bei Eheschließungen eventuell ein Zwanziger-Abo.) Eine Art Willkommensgeschenk oder Starter-Kit, wie wir Werber so schön sagen.»
Leider hat das Universum noch immer keine Zehnerkarten auf Männer wie Tom regnen lassen. Stattdessen beschert es ihm einen neuen Spielkameraden einen Vierbeiner: einen Mops, den Elisa für ihren länger im Ausland tätigen Chef zu hegen und pflegen versprochen hat. Der Schrumpfhund hört auf den exzentrischen Namen Melanie und ist … nun, sozusagen das neue Mädchen an Toms Seite. Weil Elisa mit ihrer dusseligen, makrobiotischen Osho-Freundin Mashavna einen Sonnenurlaub in Kroatien verbringt und vor ihrer Abreise leider nicht mehr die Zeit gefunden hat, ihrem Liebsten die Sache mit dem Mopsklops zu erklären. Dass er sich jetzt nämlich für zwei Wochen um diese Kreatur zu kümmern habe …
Melanie ist für Tom der Overkill. «Nicht, dass ich keine Tiere mag. Das ist es nicht. Ich liebe sie geradezu. Im Zoo, auf dem Teller oder hinter Nachbars Gartenzaun. Aber nicht in meinem Verantwortungsbereich. Niemals!» Außerdem muss er in wenigen Tagen zu einem Wahnsinns-Shooting nach Monte Carlo: eineCremand-Kreation aus Schokolade- und Vanilleeis soll megamondän inszeniert werden. Tom sah sich schon mit heißen Models am Casino herumturteln; was soll er da mit einem inkontinenten Knödel als Aufpasser, der ihm fröhlich kläffend auf Schritt und Tritt verfolgt und jedem dahergelaufenen Trottel seinen 1-a-Bambi-Blick schenkt? Lächerlich machen kann er sich selber. Creative Director Marcs Kommentar trägt nicht gerade zur Aufhellung seiner Laune bei: «Wo hast du bloß dieses vierbeinige Tuntenutensil aufgetrieben? Ausgerechnet einen Mops, Tom!»
Die Sache wird um keinen Deut besser, als sich herausstellt, dass Tom und Marc zum Shooting nicht nach Monte Carlo müssen, sondern (sorry, kleiner Kommunikationsfehler!) Montenegro: tiefster, tiefdunkler Balkan. Aber was hilft’s, genau dahin muss Tom. Immerhin hängt an dieser Schokovanille-Nummer erneut ein Riesenetat: Bye-bye Monte Carlo, hello Montenegro!
Dass er dort am «Set» von dem halbirren Fotografen Frankie empfangen wird, lässt noch mehr Unheil erwarten. Und das kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Die angebliche Yacht, die Frankie für das Edelshooting auserkoren hat, erweist sich als ein Haufen Schrott, eine Ruine, für die nicht einmal zehn Euro Abwrackprämie gezahlt würden. Einem Wink des Schicksals, genauer gesagt: der abgöttischen Hundeliebe eines stinkreichen Russen namens Dimitri ist es zu verdanken, dass auf seiner 40 Meter langen, hyperspacigen Yacht Natasha das Shooting stattfinden kann. Dimitri sieht aus wie Flavio Briatore in Bestform; womit er seine Brötchen und Brote verdient (Drogen? Prostituierte? Waffen? Immobilien?), möchte keiner so genau wissen.
Zumindest das Hotel ist erstklassig, und auch die beiden Models lassen Tom das Wasser im Mund zusammenlaufen: Vivian und Noemi, Schwarz und Weiß, Schokoeis und Vanilleeis. Als dann auch noch Lydia Cremand eintrifft und ihn mit monalisahaftem Lächeln begrüßt, ihren wohlgerundeten Achteinhalbmonatsbauch majestätisch vor sich herschiebend, ist es um Toms Fassung endgültig geschehen. Und so viel darf hier schon verraten werden: noch unter der heißen Sonne Montenegros werden Lydias Wehwehen einsetzen …
Mia Morgowski liebt es tempo- und actionreich. Immer neue Stolpersteine legt sie ihrem wunderbar unheldischen Helden in den Weg: Toms Mutter kreuzt in Montenegro auf, er selbst wird zum Gefangenen schwer bewaffneter montenegrinischer Zollbeamter, die ihn wegen des Schmuggels von gefaketem Kavair hopsnahmen. Die Kaviarfälschung ist übrigens ganz einfach, falls sich jemand mal daran versuchen möchte: «Löst man Perrrlsago in Wasser auf und färrbt man schwarrrz, sieht es aus wie Kaviar. Wie rrrussischerrr Beluga.» To nije dozvoljeno! (Das ist nicht nur nicht erlaubt, das ist geradezu verboten …) Aber was hat Tom in Dreiteufelsnamen damit zu tun …?
Am Ende ist verdammt viel Rock’n’Roll drin in der Geschichte, die – so viel soll hier schon verraten werden – ein wirklich entzückendes Happy End finden wird: ein Happy End, das uns ganz sicher einen dritten Band der Lovestory um Tom & Elisa bescheren wird …