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Marko Leino: Wunder einer Winternacht

Es gibt Bücher, die drängen sich als Weihnachtsgeschenke einfach auf. Dieses gehört eindeutig dazu – eigentlich. Andererseits möchte man allen, die es in diesen Tagen erwerben, raten, es gar nicht erst schön einzupacken und für den weihnachtlichen Gabentisch zurückzulegen, sondern sofort mit dem Lesen, mit dem Vorlesen zu beginnen. Denn Marko Leinos melancholisch-schöne Geschichte ist nicht zufällig in Türchen statt in Kapitel gegliedert: 24 Türchen für 24 Tage.
Eine schönere Einstimmung auf Weihnachten als das kapitelweise (Vor-)Lesen dieser «wahren Geschichte vom Weihnachtsmann» ist nur schwer vorstellbar. Übrigens: Wunder einer Winternacht ist der größte finnische Kinoerfolg aller Zeiten – Hunderttausende ließen sich zu Tränen rühren.

Als das Schenken noch nicht erfunden war

Die wundersame Geschichte beginnt in einer Zeit, als das Schenken zu Weihnachten noch unüblich war. Die Menschen sind bitterarm, die Zeiten hart, das nackte Überleben war oberstes Gebot, zumindest in dem winzigen Dorf Korjavoki hoch oben im Norden Finnlands. Acht Familien und keine Menschenseele weit und breit, außer der Familie Pukki weit draußen auf einer einsamen Insel vor der Küste.

Lange eisige Winter, kurze Sommer, ein hartes Leben, immer abhängig von dem, was das Meer den Fischern überlässt. Während Einari Pukki und seine Frau Alexandra die Netze auswerfen, kümmert sich Nikolas um seine kleine Schwester Ada. Eine glückliche Familie, bis das Schicksal seinen Lauf nimmt: Als Ada schwer erkrankt und die Eltern das fieberkranke Mädchen im Sturm zum Dorf herüberbringen wollen, kentert ihr Boot. Die Leichen von Alexandra und Einari werden geborgen – der kleine Körper Adas bleibt verschwunden, für immer.

Die Menschen in Korjavoki stehen vor einer schweren Entscheidung: Was soll mit Nikolas geschehen, dem einzigen Überlebenden der Pukki-Familie? Keine der in bitterer Armut lebenden Familie traut sich zu, den Jungen aufzunehmen, zumindest nicht für immer. Und so beschießen sie, dass Nikolas ein Jahr bei einer Familie bleibt und dann zur nächsten weiterzieht, immer an Weihnachten, wenn wieder ein Jahr um ist …

Das Schicksal hat es so gewollt

Zuerst kommt der Junge zu Hannes und Kristiina und ihren beiden Kindern. Anfangs verschließt sich Nikolas, gibt sich seiner Trauer hin. Obwohl alle freundlich und hilfsbereit sind, kapselt er sich völlig ab, um nie wieder einen so schrecklichen Abschiedsschmerz erleben zu müssen wie beim Verlust seiner Familie. Als aber der kleine Eemeli in tödliche Gefahr gerät, ist es Nikolas, der ihn rettet – und endlich den schützenden Kokon aus Trauer und Angst verlässt.

Von nun an zelebriert er an Weihnachten sein ganz besonderes Ritual. Als Zeichen seiner Dankbarkeit schnitzt er für die Kinder seiner Gastfamilie Püppchen, Tiere und anderes Holzspielzeug. Von Jahr zu Jahr werden es mehr Kinder, die er zu beschenken hat, denn am Ende ist das ganze Dorf seine Familie. Aber vor allem vergisst er nie, für die geliebte Schwester Ada, von der er fest glaubt, dass sie seit jener schrecklichen Nacht eine schöne kleine Seejungfrau ist, ein Geschenk abzulegen, dort unten im Wasser vor den Felsen, wo seine toten Eltern gefunden wurden ...

Acht Jahre, acht Familien – wohin nun mit Nikolas? Weil es ein besonders hartes Jahr war, weiß keiner in Korjavoki so recht, wohin der Junge soll. Bis der stets zornige, fast bösartig wirkende Tischler Iisakki den Jungen mitnimmt.

Das Geheimnis der alten Uhr

Erzählt wird das Nikola(u)s-Märchen von einem alten Mann, dessen Enkel Ossi und Tommi an einem heißen Spätsommertag beim Tauchen im Meer ein winziges altes Holzkästchen, über und über mit feinem Schnitzwerk verziert, finden. Ihre Enttäuschung, dass es statt eines Goldschatzes nur eine verbeulte silberne Taschenuhr enthält, iust grenzenlos. Bis sie im Deckel der Uhr ein Stück Papier mit einer rätselhaften Botschaft finden: «Frohe Weihnachten, liebe kleine Ada. Dein Bruder Nikolas.» Und der Großvater beginnt, (mitten im Sommer ...!) seinen Enkeln die Geschichte zu erzählen, die man von alters her den Kindern in dieser Gegend erzählt …