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Liza Marklund: Lebenslänglich

© Matrix Buchkonzepte

Der Funkspruch kommt um 3.21 Uhr in der Nacht: Ein Anrufer meint in der darüber liegenden Wohnung Schüsse gehört zu haben. Die Polizisten finden wenig später die grauenhaft zugerichtete Leiche eines Mannes, im Badezimmer kauert seine Frau, verstört, voll Angst. Der 4-jährige Sohn ist verschwunden. Zur gleichen Zeit sitzt Annika Bengtzon mit ihren Kindern, die beiden im Pyjama, in einem Taxi. Sie sind auf dem Weg zu Anne, wo sie den Rest der Nacht verbringen wollen. Ihr Haus brennt gerade ab. Anne aber liegt in diesem Moment mit einer deutlich jüngeren Eroberung im Bett – endlich mal wieder! Besuch kann sie da wirklich nicht brauchen.

Drei Szenen, 30 Seiten, und schon türmen sich die Probleme himmelhoch. Das Geschehen dieser einen Nacht gibt dem Roman sein Tempo vor: immens beschleunigt, verdichtet. Und die offenen Fragen werden nicht weniger. Der da in seinem Blut liegt, ist einer der beliebtesten und erfolgreichsten Polizeiermittler Schwedens, und alles spricht dafür, dass seine Frau Julia, selbst Polizistin, ihn erschossen hat. Aber warum?

Verwischte Grenzen, Ungereimtheiten

Annika Bengtzon, der ein Unbekannter das Haus abgefackelt hat, während ihr Mann bei seiner Geliebten war, kommt als hartnäckige Zeitungsjournalistin gerade richtig. Sie beißt sich in den Fall fest, und wider alle Wahrscheinlichkeit stößt sie auf erstaunliche Ungereimtheiten. Nur ist es um ihre eigene Glaubwürdigkeit nicht besonders gut bestellt. Hat sie selbst ihr Haus in Brand gesteckt, und will nun übereifrig davon ablenken?

Liza Marklund gehört wie Stieg Larsson oder Leif GW Persson zu der Handvoll wirklich großer Autoren Schwedens, denen es scheinbar spielerisch gelingt, mit komplexen Romanhandlungen vielschichtige Gesellschaftsporträts zu entwerfen. Die Trennlinie zwischen Gut und Böse ist dabei schon lange nicht mehr klar zu ziehen, sozial geachtete, unantastbare Figuren offenbaren plötzlich Schattenseiten, gesellschaftliche wie private Verhältnisse beginnen ihre klare Ordnung zu verlieren.

Dass es dabei nicht um einen moralisch erhobenen Zeigefinder geht, wird an der wunderbaren Annika Bengtzon sofort deutlich. Liza Marklund hat sie so robust und feurig wie notwendig, aber zugleich so zart besaitet und sehnsuchtsvoll wie möglich gezeichnet. Wo in phantasielosen Büchern das Kürzel «chaotisch» steht, strahlt Annika etwas Intensives, Sensibles, Hartnäckiges und auch ganz schön Polteriges aus. Durch den ständigen Wechsel von Außenperspektive und Innensicht entsteht dabei das Bild einer hinreißend lebendigen Frau.

Autoreninfo

1962 geboren, wuchs in Nordschweden auf. Jahrelang hat sie für verschiedene Zeitungen und Fernsehsender gearbeitet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren...
mehr über die Autorin
Im Zweifel für die Angeklagte

Es hat seinen Grund, warum es in diesen Romanen oft Außenstehende sind, die solch undurchsichtige Fälle recherchieren. Die Polizei selbst ist durchzogen von Personal, das neben seiner offiziellen Arbeit sich seinen exklusiven Zugang zur kriminellen Szene mitunter durch Nebengeschäfte vergoldet. Auch der getötete Ermittler hielt einen ungewöhnlichen Kontakt zu den Tätern, die er selber hinter Gitter gebracht hatte. Nur selbstlose Wiedergutmachung, oder ein teuflisches Spiel, das für niemanden zu erkennen ist?

Julia wird lebenslänglich bekommen, das scheint festzustehen. Ihre Beteuerung, eine andere Frau sei in der Wohnung gewesen, ist einfach zu unglaubwürdig. Bis Annika Bengtzon jemanden findet, der auffällig eng mit dem Toten zusammengearbeitet hat. Auf ihrem Nachhauseweg wird sie von zwei Gestalten überfallen. Die Drohung ist unmissverständlich. Doch Annika hat sich schon ein Auto besorgt und macht sich heimlich auf den Weg zu der verdächtigen Person …