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Klaus Theweleit: How Does It Feel

© Matrix Buchkonzepte C. Modi & M. Orlowski

Bob Dylan wird siebzig in diesem Jahr. Dann sind wir auch bald dran. Bob Dylan wird siebzig. Und die worldwide birthday party dürfte schrecklich werden. Legionen älterer Herren werden den Blues auf unschuldige Möbel klopfen und sich und ihre staunenden Kinder daran erinnern, auch mal Sinnsucher gewesen zu sein. Klaus Theweleit wird in diesem Jahr neunundsechzig und ist immer Sinnsucher geblieben – mit Haut und Haaren gewissermaßen: der Körper als Resonanzraum des Sinns, die Nerven als Saiten, die Sinne als semantische Sonden, das ist sein Theorieprogramm. Diesem Programm folgt auch How Does It Feel, sein Bob-Dylan-Lesebuch.

Klaus Theweleit ist eben kein Kulturwissenschaftler, der tiefgekühlte Phänomene untersucht, um sie zu kontrollieren. Mit anderen Worten: Nach der Lektüre dieses Buches wissen wir immer noch nicht definitiv, warum Bob Dylan Bob Dylan ist, aber wir verstehen, warum man nicht aufhört, über ihn zu grübeln, um sich selbst zu verstehen, und warum wir nicht aufhören, an seine Songs zu glauben, damit wir an uns glauben können.

«Come you masters of war / You that build all the guns
You that vuild the death planes / You that build the big bombs
You that hide behind walls / You that hide behind desks
I just want you to know / I can see through your masks»

Like A Rolling Stone

Theweleit hat zuletzt ein großartiges Buch über Jimi Hendrix geschrieben, über die Elektrifizierung des Körpers mit der Gitarre. Und man könnte ein bisschen enttäuscht sein, dass er hier vor allem als Herausgeber antritt – der allerdings auch selbst mit ein paar schönen und raffinierten Soli in seinem Text-Orchester auftritt. Doch Theweleit ist wie Dylan ein be­gnadeter und bekennender Sampler und Mixer. Und er hat hier aus der schier unübersehbaren Dylan-Literatur vierzig Kommentarperlen auf eine annähernde chronologische Linie gebracht, die ungefähr Lebensweg und Gedankengang Bob Dylans folgt.

Biographien folgen fast immer und schier unvermeidlich der Rhetorik des Bildungsromans: Jahr folgt auf Jahr und fügt sich zu Sinn. Als wäre ein Leben folgerichtig, ein Werk am Ende gar logisch. Doch Dylan hat sich mit seinen Intuitionen oft genug vom Kurs abgebracht, sich selbst unterbrochen und anderswo neu aufgebaut. Was dazu geführt hat, dass manche seiner Verehrer den «wahren», ihren wahren Dylan nur in einer bestimmten Periode sehen, während andere gerade diese Phase für gänzlich undylanisch halten. Dylan hat so außerordentlich unterschiedliche Menschen bewegt, so außerordentlich unterschiedliche Kommentatoren hervorgebracht. Und beidem wird dieses Buch ganz und gar gerecht: der Heterogenität seines Helden und der Heterogenität seiner Interpreten.

Autoreninfo

Klaus Theweleit, 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg. Von 1969-1972 war er als freier Mitarbeiter des...
mehr über den Autor
The Times They Are A-Changin’

Eben noch lesen wir das – wunderbare – Porträt von Suze Rotolo, einer jungen Liebe Dylans, die davon berichtet, wie Robert Zimmerman in New York landet, um sich bald in Bob Dylan zu verwandeln: ein Somnambuler – verwegen und fragil. Dann reißt uns Klaus Theweleit mit seinen klugen Überlegungen zu den politischen Improvisationen jenes jungen Mannes, der gerade Bob Dylan geworden war, aus der anekdotischen Versunkenheit.

Manchmal geht es um Momentaufnahmen, manchmal um musikalischen Stil, manchmal um den nobelpreisbedrängten Dichter. Hunter S. Thompsons Porträt von Dylan als «ursprünglicher» Hippie wird abgelöst von Diedrich Diederichsen, der von Dylans medialem Genie fasziniert ist: «ein Mann der neuen Standards und Medien – und oft war er der Erste, der ein neues Format genutzt oder gar gefordert hat».

(Aus: Rowohlt Revue 91, Autor: Walter van Rossum)

Klaus Theweleit (Hg.) Rowohlt Berlin 304 S.
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Klaus Theweleit, Rainer Höltschl Rowohlt Berlin 256 S.
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