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Ihre Sprache ist fulminant. Lakonisch, schneidend, oft von einer bizarren Poesie. Das schiere Gegenteil von literarischer Meterware. Mit ihrem ersten Roman Die Titanic und Herr Berg hat sie einen neuen Ton in der jüngeren deutschen Literatur angeschlagen. Was für ein Debüt! «Ein Buch wie Brausepulver: mit Sätzen, so neu und einzigartig, dass es beim Lesen richtig prickelt.» (Brigitte) «Was dieses Debüt so aufregend macht, ist weniger der Plot als die Sprache: ein extravagantes Gemisch aus unverblümter Drastik, trockenem Witz und rasender Zärtlichkeit.» (FAZ) «Diese Sprache produziert eine Energei und eine Leichtigkeit, die in der deutschen Gegenwartsliteratur ihresgleichen sucht.» (Der Spiegel)
In Heile, heile werden die Titanic & Berg-Themen um eine düstere Facette ergänzt: das Sterben, den Tod einer jungen Frau. Agnes Hüfner hat Kirsten Fuchs’ zweiten Roman für die Rowohlt Revue gelesen. Ein Auszug:
«So verspielt und heiter, wie der neue Roman von Kirsten Fuchs beginnt, ist die Lage ihrer Heldin, der Reiseverkehrsfrau Rebekka Meiler, allerdings nicht. Im Gegenteil, eher schrecklich, dreimal schrecklich: Vor drei Wochen hat sich Adrian von Rebekka getrennt.
Bekka, wie die Freundin Johanna sie nennt, tut, was man tun kann. Auf dem Trödelmarkt, auf dem es keine Zeitmaschine gibt, nichts, was die Trennung rückgängig machen könnte, ersteht sie ein altes Klingelbrett und einen Kalender von 1976. Rebekka belagert Adrian mit Besuchen, Anrufen, Mails, verwirft oder beherzigt die Ratschläge der Freundinnen … Dann meldet sie sich gemeinsam mit Johanna, die ihr eigenes Problem hat, einen verheirateten Liebhaber, in einer ‹Männerentzugsgruppe› an. Die Therapie zielt darauf, Leidensfähigkeit und Abhängigkeit zu eliminieren. (…)
Fuchs gruppiert eine Menge Leute um ihre Heldin, Freundin, geschiedene Eltern, Kunden, Nachbarn, und erzählt von ihnen. Je öfter und aufmerksamer Rebekka den Geschichten der anderen zuhört, desto energischer streift sie den Kokon der Verlassenheit ab, in den sie sich eingesponnen hat. Sie macht neue Erfahrungen: Im Reisebüro fragt ein Kunde, in welchem ehemaligen Kriegsgebiet es noch Kriegsspuren zu sehen gebe, aber nichts zu befürchten sei. Im Haus, in dem sie wohnt, lernt sie, dass die Hilferufe der alten Frau im oberen Stockwerk ein gutes Zeichen sind: Solange die Frau um Hilfe ruft, sagt der Pfleger, weiß ich, dass sie lebt.
b>Am schlimmsten, ‹hochgradig unanständig›, ist die Krebskrankheit Jettes, der besten, der vorbildlich fröhlichen und lebenslustigen Freundin. Von November, als Rebekkas Elend mit Adrian begann, bis zum Sommer hat Jette durchgehalten und allen die Angst genommen, selbst noch, als die Ärzte sie aufgegeben hatten.
Mit dem Tod Jettes endet der Entwicklungsroman der Reisekauffrau Rebekka Meiler. Das Klingelbrett vom Trödel, das sie mit sauberen Zetteln beklebt, bekommt auch ein Zettelchen mit der Aufschrift ‹Mein Zukünftiger›. Jetts Name bleibt drauf: ‹Nach und nach werden sowieso alle auf dem Klingelbrett sterben. Frage der Zeit, Antwort der Zeit. Eine absolut unzuverlässige Sache.› »