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Kim Frank: 27

© Jonas Lauströer

Mika hat Angst. Angst vor dem Tod. Dem Tod mit 27. Die Zahl verfolgt ihn seit Kindesbeinen. Alles und jedes bringt er in Zusammenhang mit ihr. Als er in den Unterlagen seines verstorbenen Onkels wühlt, stößt er zum ersten Mal auf jenen Klub 27. Bei ihm handelt es sich um ein wahres Mysterium der Popkultur. Eine unglaublich große Zahl von Rockmusikern starb im Alter von 27 Jahren, unter ihnen Ikonen wie Brian Jones von den Rolling Stones, Jimi Hendrix, Jim Morrison, der charismatische Sänger der Doors, und der Nirvana-Frontmann Kurt Cobain.
Als Mika zum umjubelten Sänger der Band Fears avanciert, spürt er, dass er sein Leben immer weniger kontrollieren kann. Sein Tod steht unmittelbar bevor, davon ist er überzeugt: sein Tod mit 27 … Spannend und voller Drive: der Debütroman des ehemaligen Sängers und Frontmanns der Gruppe ECHT, Kim Frank.

DAS INTERVIEW

Gibt man bei Google «Klub 27» samt der Spezifizierung «tote Musiker» ein, bekommt man 420.000 Verweise geliefert. Was hat Sie bewogen, den makabren Klub zum Aufhänger Ihres Debütromans zu machen?
Woher ich vom Klub 27 weiß, kann ich nicht sicher sagen. Aber vermutlich durch meine Liebe zur Musik der 60er und 70er Jahre und mein Fasziniertsein von Jim Morrison. Sicher ist, dass dieses Phänomen selbst unter Musikern nicht weitläufig bekannt ist. Dass im Netz unendlich viele, auch viele falsche, Informationen zum Klub 27 zu finden sind, liegt, denke ich, eher an der Natur des Internets. Ich habe gerade einmal zum Spaß meinen Namen gegoogelt und komme auf 338.000 Ergebnisse – und ich bin nur ein kleiner Typ aus Flensburg.
Die letztendliche Entscheidung, den Klub als Hook zu wählen, kam aber aufgrund der Tatsche zustande, dass er als ich 2007 die ersten Sätze meines Romans schrieb, in Literatur und Film fast gar nicht präsent war. In den Jahren seither erschienen, so weit ich weiß, ein Spielfilm und ein Sachbuch dazu. Das Ganze ist also eine Mischung aus persönlicher Faszination und literarischer Goldgräberstimmung.

Haben die Ikonen unter den 27ern – Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain – für Ihre eigene musikalische Sozialisation überhaupt eine Rolle gespielt?
Sehr sogar. Nicht von Hause aus, das war eher hauptsächlich das Beste aus den 80ern, 90ern und von heute, also: das Radio lief, aber mein Leben hat mich zum Glück mit Musikliebhabern in Kontakt gebracht. Privat und auch beim Schreiben höre ich nur 'alte' Musik. Nicht nur R 'n’ B, auch Jazz und in letzter Zeit vermehrt Opern. Für mich ist und bleibt dieser Fundus unerschöpflich. Ich entdecke immer etwas Neues und habe nie das Gefühl mich nach aktuellerem umsehen zu müssen, obwohl ich natürlich nicht weltfremd bin und durchaus mitbekomme, was in der Musik der Jetztzeit passiert.

Autoreninfo

Kim Frank wird 1982 in Flensburg geboren. Von 1994 - 2002 ist er Sänger und Frontmann der Band «Echt». Seit der Trennung der Band arbeitet er als...
mehr über den Autor
When the music’s over …

Dass Ihr Romanheld Mika nicht Kim ist, erschließt sich in «27» schnell – und doch schimmert eine Menge Autobiografisches durch. Oder täuscht der Eindruck?
Autobiografisch ist für einen Roman und die Inspiration für denselben nicht das passende Wort, denke ich. Ich schöpfe aus meiner Phantasie und Erinnerung. Ich bin die Summe meines Lebens, meiner Begegnungen, meiner Gedanken, meines sozialen Umfelds. Natürlich fließt in eine künstlerische Arbeit, wie meinen Roman, ich selbst und somit mein Leben ein, sonst wäre er ja nicht von mir. Ich erzähle jedoch nicht von mir oder über mich, wo der Begriff Autobiografisch treffend wäre sondern dichte den von mir kreierten Figuren, wenn es passt, meine Gedanken und erlebten Situationen an.

Gibt es Freunde/Freundinnen, Ex-Bandmitglieder, Manager, PR-Fuzzis oder Journalisten, die sich in dieser oder jener Figur Ihres Romans wieder erkennen könnten?
Es gibt Menschen, die könnten gewisse Seiten an sich wiederentdecken. Z.B. ihre Art zu Reden, jemand anderes vielleicht seine Impulsivität, noch jemand sein Äußeres, da ich mich natürlich gewissen Seiten und Facetten von Menschen aus meinem Leben bedient habe, aber es wäre falsch und unfair zu sagen, dass sind sie, denn sie sind viel mehr, als das, nämlich Menschen und dies sind Figuren in einem Roman, die gewisse Ziele und Nöte haben, die aber alle gemeinsam ein und dasselbe Ziel verfolgen, nämlich die Geschichte des Helden zu erzählen.

… turn out the lights, turn out the lights

Sie zeichnen ein böses, ein düsteres Bild der Folgen von Starkult und Promi- Glamour: sexuelle Beliebigkeit, Selbstüberschätzung, Drogenexzesse, wahnhaftes Abdriften in Parallelwelten usw. Ist das literarische Überspitzung oder realistisches Abbild?
Wir alle kennen die Geschichten über Sex, Drugs ‚and Rock 'n’ Roll, über live fast and die young, aber ich habe meiner Meinung nach nicht einfach eine weitere Episode //Variante// dieser Geschichten geschrieben. Ich denke, in meinem Roman geht es nicht um Musik, nicht ums Berühmtsein. Es geht um Angst vor dem Tod, um eine unerklärliche, lebensbeeinflussende Angst, einen selbstauferlegten Fluch, der zum Lebensinhalt, sogar zum Motor wird.
Das Starsein, Popstar, Rockstarsein, ist für Mikas Leben lediglich die konsequente Entwicklung, um seine Angst wahr werden zu lassen um schlussendlich dem Klub «beitreten» zu können.
Kurz, ich glaube nicht an eine allgemeinültige Realität, da dies die Möglichkeit der persönlichen, subjektiven Wahrnehmung unmöglich machen würde. Insofern möchte ich die Frage vielleicht so beantworten: Die von mir beschriebenen Folgen und Gefühlswelten sind komprimiert, aber es ist vorstellbar, dass jemand sie so erleben könnte.

Es gibt in Ihrem Roman einerseits drastische Sexszenen, andererseits ungeheuer plastische Beschreibungen von Panik, Angst, Todesangst. Fällt es Ihnen leicht, über emotionale Extremsituationen zu schreiben?
Ich denke schon, da ich sie grundsätzlich nicht emotional, sondern rein beschreibend wiedergebe. Ich erzähle, was passiert, was vor sich geht und hoffe dadurch, Gefühle beim Lesen zu erzeugen … Ich schreibe, auch wenn das paradox klingt, über Emotionen, ohne Emotionen zu beschreiben.

Sie sind Musiker, Schauspieler, Autor, Produzent und vermutlich noch einiges mehr: Wie vereinbaren Sie all das, ohne einen Burnout zu riskieren?
Die Frage finde ich lustig ... Hin und wieder fragen Freunde mich, wann machst du das nur alles, was du machst. Ich bin meine Arbeit. Ich liebe, was ich tue. Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich nichts tue. Aber ich habe tatsächlich eine Regel, wenn ich viel zu tun habe, oder viele Projekte gleichzeitig realisiere. Sie ist einfach, aber oft lebensrettend: Du schaffst nur so viel, wie du schaffst.
Das bedeutet, ich arbeite so viel ich kann, aber mehr, als ich schaffe, kann ich nicht schaffen. Klingt banal, ich weiß, ist aber wichtig, um irgendwann auch rechtzeitig aufhören zu können und einen Abend mit Freunden oder der Liebsten zu verbringen.

Letzte Frage: Im Pooltrax-Interview von 2007 haben Sie auf die Frage nach Ihren Zukunftsplänen lässig geantwortet: «Frau, Kinder, Millionär werden …» Wie weit sind Sie damit vorangekommen?
Ich schweige und genieße, vor allem schweige ich zu diesen Themen. Aber ich habe meinen Debütroman geschrieben – ein weiterer Lebenstraum ist verwirklicht.

Kim Frank rororo, rororo rotfuchs 256 S.
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