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Karlheinz Deschner: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. 9

© Privat (Autorenfoto); Theodor de Bry (Illustr.)

Heerscharen fanatischer Rechtgläubiger wünschen ihm eit Jahrzehnten schon Tod und Teufel auf den Leib: Karlheinz Deschner. Seit er 1970, unterstützt von sein Freund und Mäzen Alfred Schwarz (und seit den frühen 90-er Jahren von Herbert Steffen), an seinem Lebenswerk, der auf zehn Bände angelegten Kriminalgeschichte des Christentums arbeitet, gilt der 1924 in Bamberg geborene Gelehrte als der bedeutendste Kirchenkritiker der Gegenwart – «ein Voltaire unserer Tage». Gerade ist Band 9 erschienen, das den den Zeitraum von der Mitte des 16. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts behandelt.

Wider «Mörderpäpste und Lügentheologen»

«Von allen Kirchenkritikern unseres Jahrhunderts ist Deschner der belesenste, radikalste und leidenschaftlichste»», schreibt die Süddeutsche Zeitung. «Der Papst hat Bataillone, Karlheinz Deschner kämpft ganz allein.» (konkret) Die Kriminalgeschichte des Christentums, Deschners Opus magnum, ist die monumentale aufklärerische Anstrengung des «einzigen Sektenbeauftragen der Welt, der keiner Sekte angehört» (Gerhard Henschel).

Er bürstet Kirchengeschichte gegen den Strich, liest sie als Kriminal- und Sexualgeschichte. Mit immenser Materialfülle und unerschrockener Konsequenz setzt er sich mit den Verfehlungen und Verbrechen der Amtskirche, stellt «Mörderpäpste und Lügentheologen» bloß. Dieser Autor wird in die Schulbücher kommen», schrieb der Religionssoziologe Horst Herrmann bereits 1989 im Spiegel. «Deschner hat mehr Tages- und Nachtstunden drangegeben, als es jedem einfällt, der für seine Arbeit im Weinberg des Herrn nach dem Tarif für Lebenszeitbeamte entlohnt wird.»

Autoreninfo

Karlheinz Deschner, geboren 1924 in Bamberg. Im Krieg Soldat, schloß sein Studium der Theologie, Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte mit...
mehr über den Autor
«Sie Oberteufel!»

«Die ganze Geschichte des Christentums war in ihren hervorstechenden Zügen eine Geschichte des Krieges, eines einzigen Krieges nach außen und innen, des Angriffskriegs, des Bürgerkriegs, der Unterdrückung der eigenen Untertanen und Gläubigen.» Mit gnadenloser Schärfe dokumentiert Deschner die Verbrechen der Amtskirche: die Vernichtung der Wandalen und Goten, die Niedermetzelung der Slawen, Hexenverbrennung und Inquisition, die Legitimation von Folter und Sklaverei, die Duldung des Holocaust durch den Vatikan und andere «spezifisch klerikale Aktivitäten des Terrors.»

So macht man sich unter rabiaten Christen keine Freunde. Allein die Existenz eines 660 Seiten starken Bandes mit dem schönen Titel «‹Sie Oberteufel!› Briefe an Karlheinz Deschner» (1992) belegt, dass Glaubensfanatiker ihn, den «hysterischen Historiker», hassen, als sei er der Antichrist persönlich. «Man kann nicht verhindern, dass kranke Menschen so etwas von sich geben. Gesunde Menschen aber sollten verhindern, dass es verbreitet wird», heißt es in drohendem Ton. «Sie müssen doch vom Teufel durch und durch verarbeitet worden sein … Sie benötigen eine Gehirnwäsche.»

Kriminalgeschichte des Christentums, Band 9

Kapitel 1: Amerikanischer Holocaust oder «Missionsfrühling zu Beginn der Neuzeit»
Kapitel 2: Die Reformation erfaßt die Schweiz. Zwingli und Calvin
Kapitel 3: Die Gegenreformation beginnt
Kapitel 4: Ignatius von Loyola (1491œ1556). Ein tränenreicher Visionär macht Weltpolitik
Kapitel 5: Der Konfessionalismus beginnt
Kapitel 6: Weltweite Jesuitenagitation
Kapitel 7: Wittelsbacher und Habsburger als Träger der Gegenreformation und der Kölner Krieg
Kapitel 8: Staatsterror im Westen. Die Niederlande, Frankreich, England und Schottland im späteren 16. Jahrhundert
Kapitel 9: Die Schlammschlacht vor dem großen Krieg. Vom publizistischen Schlachtfeld zum militärischen
Kapitel 10: Der Dreißigjährige Krieg beginnt
Kapitel 11: Worum kämpft man im Dreißigjährigen Krieg?
Kapitel 12: Pax Christiana oder «Christliche Lebensführung» nach dem Jahrhundertkrieg