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DAS INTERVIEW
Der in diesem Oktober erschienene Roman Der Gottes-Pakt spielt in New York, in der Wüste, in Jordanien, in Wien und an zahlreichen anderen Orten. Wie recherchieren Sie für Ihre Bücher?
Ich liebe es, an die Orte zu reisen, an denen meine Romane spielen. Deshalb war die Recherche für Der Gottes-Pakt auch so aufregend: Ich konnte auf einem Kamel durch die Wüste reiten, mit Beduinen im Zelt schlafen, Tee und Kaffee mit ihnen in den «jaimas» (den Beduinenzelten) teilen … Und das war nur der Teil in der Wüste. Die Archäologie- und Spionagerecherche war sogar noch spannender. All diese Orte zu besuchen und mit Leuten zu sprechen, die genau das tun, was meine Figuren im Roman machen, das ist Teil meiner Verpflichtung gegenüber den Lesern.
In Ihren Büchern vermischen Sie verschiedene Stile und Textsorten, wie zum Beispiel fiktive Dokumente, Aufzeichnungen, Notizen, E-Mails, Briefe, Zeichnungen usw. Dadurch stellen Sie authentische Bezüge her zu aktuellen politischen, sozialen und kulturellen Themen (z.B. die Nachfolgeregelung des Vatikans, religiöse Konflikte, Terrorismus, der Krieg im Mittleren Osten). Lieben Sie es, mit dem Feuer zu spielen?
Nun, das sind erstaunlich kontroverse Themen, und offensichtlich entstehen die besseren Geschichten aus Konflikten. Ich war immer überzeugt davon, dass man als Autor nicht derjenige ist, der das Thema aussucht, sondern dass das Thema einen findet. Im Fall von Der Gottes-Pakt war es ähnlich: Mein Leben lang träume ich schon vom Heiligen Gral. Als ich für den Roman recherchiert habe, verbrachte ich einige Zeit mit FBI-Analytikern und lud zwei von ihnen zum Abendessen ein. Wir begannen, uns über Bücher, Sport, Filme usw. zu unterhalten. Dann sagte ich, dass mein Lieblingsfilm Jäger des verlorenen Schatzes sei. Daraufhin erklärte einer der Analysten: «Hey, Juan, hast du zufällig schon von dem Verhaltensprotokoll gehört, das wir beim FBI und dem CIA für den hypothetischen Fall haben, dass der Heilige Gral gefunden wird?» Nun, stellen Sie sich vor, wie ich mich gefühlt habe, als ich das hörte. In diesem Moment wusste ich, das würde mein nächster Roman sein.
Gibt es explizite Reaktionen klerikaler Kreise auf Ihre Bücher, die sich mit vatikannahen Themen befassen (wie in Der Gottes-Spion und Der Gottes-Pakt)?
Ja, vor allem in Ländern wie Spanien, Polen und Litauen, in denen der Einfluss der katholischen Kirche auf die Politik sehr hoch ist. Im letztgenannten Land wurde mir sogar mit Exkommunikation gedroht! Was soll ich sagen? Die Themen, die ich in meinen Büchern aufgreife, waren schon da, bevor ich anfing zu schreiben. Und unglücklicherweise werden sie auch danach noch da sein.
Man hat Sie als den «neuen Papst des Verschwörungsromans» bezeichnet. Klingt das in Ihren Ohren wie ein Kompliment oder eher despektierlich?
Ein Kompliment, natürlich! Ich liebe gute Verschwörungsthriller, aber ich sehe mich eigentlich nicht als Autor, der nur auf Verschwörungen gepolt ist. Bald werden Sie in Deutschland meinen dritten Roman lesen können. Er spielt in München und ist, obwohl es sich wie bei meinen vorangegangenen Romanen um einen Thriller handelt, näher an Abenteuerromanen und Tragödien als an Verschwörungsromanen.
Wie kam es zur Genreverschiebung in Ihrem neuesten Roman Das Zeichen des Verräters? Und wie haben Sie es geschafft, die Spannung beizubehalten?
Das ist eine gute Frage und eine, die mich manchmal die ganze Nacht lang wach hält. Nun, wie ich schon sagte, das Genre ist nach wie vor Thriller &Spannung, aber die Elemente ändern sich. Statt 20 Figuren, die in einem verlassenen Canyon in der jordanischen Wüste um einen Schatz kämpfen, geht es in Das Zeichen des Verräters um den tragischen Kampf eines jungen Mannes aus München, der herausfinden will, wer seinen Vater umgebracht hat, und der dabei noch in den schwierigen Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen überleben muss. Es gibt Liebe, Intrigen und Familiengeheimnisse, die Spannung ist also garantiert! Ich denke, dieser Roman ist der beste von den dreien, die ich bisher geschrieben habe.
Hat sich Ihre Arbeit seit den internationalen Erfolgen Ihrer Bücher verändert? Und woran arbeiten Sie gerade?
Manchmal ist es sehr schwierig. Ich bin in vielen Ländern gefragt und habe einen komplizierten Terminkalender mit vielen internationalen Auftritten. Das ist immer schwierig mit der eigentlichen Arbeit eines Schriftstellers zu vereinbaren. Also habe ich meine Agenten gebeten, die Lesereisen auf maximal zwei Monate im Jahr zu beschränken, damit ich immer noch schreiben kann. Derzeit arbeite ich gerade an einer Intrige des 16. Jahrhunderts, aber mehr verrate ich hier noch nicht ...
Wie wir nicht zuletzt auch in Ihren Romanen sehen können, heilen die Wunden aus der Vergangenheit nur langsam. In Spanien werden erst jetzt Massengräber aus dem Spanischen Bürgerkrieg geöffnet – eine Thematik, mit der sich viele zeitgenössische spanische Autoren in Ihrem Land befassen. Wäre das auch für Sie ein möglicher literarischer Stoff?
Nein, überhaupt nicht. Im Moment jedenfalls nicht. Ich habe zwei Großväter verloren, die jeweils von einer der beiden politischen Seiten im Spanischen Bürgerkrieg umgebracht wurden. Es wäre für mich unmöglich, einen Thriller über dieses Thema zu schreiben, ohne mich auf eine der beiden Seiten zu schlagen. Und das kommt nicht in Frage. Vielleicht kann ich das in zwanzig Jahren, aber jetzt noch nicht.
Eine ganze Reihe Ihrer Kollegen (wie Javier Marías oder der 2003 verstorbene Krimiautor Manuel Vázquez Montalbán) haben sich als glühende Fußballfans geoutet. Meist heißt es: Barcelona oder Real Madrid. Haben Sie diesbezüglich Präferenzen?
Real Madrid! Immer Real Madrid! Ich liebe Fußball, ich bin ein Fußballfan seit ich fünf bin. Egal wo ich mich gerade aufhalte, ich versuche immer eine Bar zu finden, in der ich die Spiele von Real Madrid sehen kann. Auf diese Weise habe ich schon viele merkwürdige und tolle Leute in Dutzenden von Bars in verschiedenen Ländern kennen gelernt. Und das war auch immer gut für meine Geschichten. Einmal bin ich bei so einer Gelegenheit in Italien auf albanische Gangster gestoßen. Das war wirklich unheimlich, denn am Ende unterhielten wir uns darüber, wie man Leute umbringt. Was war das für ein Gespräch! Aber sie waren irgendwie auch sympathisch.