Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Jonathan Franzen: Freiheit

© Greg Martin

Am 8. September erscheint Jonathan Franzens mit großer Spannung erwarteter neuer Roman Freiheit, der erste seit seinem Welterfolg Die Korrekturen. In den USA war die Publikation von einem beispiellosen Mediengetümmel begleitet. «Der Countdown läuft», schrieb die FAZ. «Der Teil der Nation, der noch liest, kann den 1. September kaum erwarten». Dass Franzen es auf das Cover des renommierten Time Magazine schaffte, galt als mittlere Sensation (zuletzt gelang das Stephen King 2000). Mehr an Vorschusslorbeeren war kaum möglich. Selbst die rabiate Hauskritikerin der New York Times Michiko Kakutani, bis dahin nicht unbedingt als Franzen-Verehrerin bekannt, nennt seinen neuen Roman ein «unvergessliches Porträt unserer Zeit».
In wenigen Tagen werden Sie hier ein Exklusiv-Interview lesen, das Michael Sauer in New York mit Jonathan Franzen für die Rowohlt Revue führt. Unser Artikel lässt noch einmal Franzens frühere Romane Revue passieren: Die Korrekturen, Schweres Beben und Die 27ste Stadt.

Die Korrekturen

Die Lamberts sind eine amerikanische Durchschnittsfamilie irgendwo im Nirgendwo des Mittleren Westens: Enid, die Familienglucke: besessen von der Idee, noch einmal mit allen gemeinsam Weihnachten zu feiern. Ihr Mann Alfred: tyrannisch und bigott, rassistisch und pedantisch – und fest in den Klauen von Alzheimer & Parkinson. «Dunkel und traurig ist diese Geschichte. Doch mit welcher Anmut, mit welcher Aufmerksamkeit erzählt Jonathan Franzen vom Leben der drei Kinder …» (SZ): Gary, ein von Depressionen, Alkohol und chronischen Schuldgefühlen gequälter Investmentbanker; Chip, den ein erotischer «Fehltritt» seine Karriere als Literaturdozent kostet; und Denise, exzentrische Gourmetköchin mit weit schweifenden sexuellen Interessen. Wirklich erwachsen geworden ist keiner der Geschwister.

Wann wurde der Untergang einer Familie schon einmal so schonungslos und amüsant seziert? Die Korrekturen sind eine begnadete Variation der «ewigen Themen» der Weltliteratur – Liebe, Krankheit, Angst und Tod. «Ein Juwel … Man fühlt sich beschenkt und bereichert, auch wenn man eigentlich nichts, wovon man gerade gelesen hat, selbst erleben möchte.» (FAZ)

Autoreninfo

1959 in Western Springs / Illinois geboren, wuchs in einer Vorstadt von St. Louis auf. 1988 veröffentlichte er den Roman "The Twenty-Seventh City",...
mehr über den Autor
Schweres Beben

Kaum ist Louis Holland in Boston angekommen, um eine Stelle als Radiotechniker anzutreten, erschüttert eine Serie von Erdbeben die Stadt. Gleich das erste tötet seine Großmutter Rita Damiano Kernighan in ihrer Wohnung in Ipswich, Massachusetts, auf so bizarre Art. Ihrer Stieftochter Melanie Holland hat sie 22 Millionen Dollar vermacht, eine Erbschaft, die Turbulenzen der dramatischsten und komischsten Art nach sich zieht …

Mit seiner Geliebten, der Seismologin Renée Seitchek, geht Louis einem finsteren Verdacht nach. Der Chemiekonzern Sweeting Aldren, der in alles investiert, was Profit verspricht, hat giftige Abwässer über Tiefbohrungen ins Erdreich entsorgt und so mittelbar die Beben rund um Boston ausgelöst. Dass ein Großteil von Ritas Vermögen in Sweeting-Aldren-Aktien angelegt ist, macht die Situation für die Hollands um so heikler …

In seinem frühen Roman geht Franzen aufs Ganze, als gelte es, das Amerika der 80-er Jahre in einem Öko- und Politthriller in einer einzigen Geschichte einzufangen: Umweltverbrechen und Kapitalismuskritik, New-Age-Heilslehren, Baseball und Reagonomics: Schweres Beben ist ein «sprachgewaltiges Panorama» (Die Welt) und ganz nebenbei «eine der schönsten Liebesgeschichten dieser Zeit … Die virtuose Konstruktion des Romans ist voller Ironie. Kein Absolutes bleibt stehen, kein Urteil ist endgültig, kein Schein, der nicht trügt» (SZ).

Die 27ste Stadt

1870 war St. Louis die Metropole des Mittleren Westens, die Nr. 4 in den USA. Im 2. Weltkrieg begann der unaufhaltsame Niedergang: industrielles Siechtum, Verfall, Leerstand, Verbrechen: St. Louis, jetzt nur noch die «27ste Stadt» in der Hierarchie der wichtigsten Städte des Landes. Vor unseren Augen entfaltet sich die politische Topographie einer ehemals blühenden und nun trostlos verrohten Metropole. Verwahrloste, kinderfreie innerstädtische Quartiere, Parkplatzwüsten, die schwarzen Armutsbataillone in den Slumarealen eingepfercht – diesen menschenfeindlichen Moloch hat die weiße Mittel- und Oberschicht längst hinter sich gelassen, um mit Kind und Kapitel in den Speckgürtel des reichen St. Louis County auszuwandern.

Ihrer kranken Stadt aufzuhelfen ist das erklärte Anliegen einer Honoratioren-Vereinigung, deren öffentliches Gesicht Martin Probst ist, der Baumeister des Wahrzeichens der Stadt, des Grand Arch. Plötzlich kehrt pulsierendes Leben in die Stadt zurück. Mit der Berufung der jungen Inderin S. Jammu an die Spitze des St. Louis Police Department verändert sich die alte Machtbalance über Nacht.

Denn Chief Jammu, äußerlich zart wie ein Schulmädchen, aber hart und willensstark wie eine Indira Gandhi, verfolgt mit unerbittlicher Härte ihre Vision: St. Louis aus der Verliererecke herauszuholen, koste es was es wolle. Dabei ist ihr jedes Mittel recht: Telefonüberwachung, Erpressung, Nötigung, Verführung und Entführung, Mord bei Bedarf …