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Joja Wendt/Kester Schlenz: Der kleine Flügel

© Thorsten Wulff


  

Die 14-jährige Nelly ist frustriert vom Klavierunterricht bei Frau Billerbeck. Immer vom Blatt spielen, Tonleitern rauf und runter, Improvisation verboten: So macht Musizieren keinen Spaß, am liebsten möchte Nelly alles hinschmeißen. Da erzählt ihr Großvater die Geschichte vom kleinen Flügel, der in einem Auktionshaus ersteigert und in eine magische Welt entführt wird. Dort, im Reich der mächtigen Orgel, musizieren die besten Instrumente der Welt in Reih und Glied und wagen es nicht, sich zu wehren. Nur der kleine Flügel will sich damit nicht zufriedengeben: Er zettelt einen Aufstand gegen die Diktatur der Orgel an. Das ist der Beginn eines gefährlichen Abenteuers – und einer aufregenden Entdeckung …

Was dabei herauskommt, wenn sich ein virtuoser Pianist und Entertainer wie Joja Wendt und ein mit allen Wassern gewaschener Erzähler wie Kester Schlenz zusammentun? Ein spannendes Abenteuerbuch, in der es um ein zentrales Thema geht: um die Freiheit, sich auszuprobieren, um den Mut, neue Wege zu gehen – in der Musik wie im Leben. Ein schöneres Weihnachtsgeschenk für musikbegeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene dürfte man so leicht nicht finden!

Wenn Großvater erzählt

Kester Schlenz und Joja Wendt finden phantastisch-poetische Bilder. Triller, die wie Geschosse durch die Luft jagen; singende Felsen; die Halle der Intervalle; Tonzapfen aus gefrorener Musik ¬– wie schön! Man sagt ja, über Musik ließe sich eigentlich gar nicht schreiben. Hören müsse man sie, hören! Stimmt – aber wenn jemand mit so viel Liebe, Hingabe und einer fast kindlichen Lust am Verspielten schreibt wie Joja Wendt und Kester Schlenz, dann ist da ganz schön Musik drin. Und das in einer großen Bandbreite: von Jimi Hendrix und Bob Dylan über Edvard Grieg, Chopin und Beethoven bis zu Ravels «Boléro» und Montis «Csárdás».

Nellys Großvater ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Als er von einer seiner großen Reisen nach Hause zurückkehrt, spürt er sofort, dass seiner Lieblingsenkelin etwas auf der Seele liegt. Aha, wieder mal Frau Billerbeck, die Musiklehrerin. Die glaubt, mit Nelly ein kleines Wunderkind unter der Fuchtel zu haben. Das Mädchen könnte das erreichen, was ihr selber versagt blieb, das ist Frau Billerbecks sehnlichster Wunsch. Und so triezt sie ihre Klavierschülerin unerbittlich mit Tonleitern, Arpeggien und komplett atonalen Fingerübungen. Genug ist genug, beschließt Nelly. Aber ehe sie ihrer Lehrerin aus Wut und Enttäuschung den Laufpass gibt, lauscht sie Großvaters Geschichte. Je gebannter sie zuhört, desto mehr versteht sie, was das Abenteuer des kleinen Flügels mit ihr selbst zu tun hat …

Und Großvater erzählt … Es war einmal ein kleiner Steinway-Flügel, der nach dem Tod seines geliebten Besitzers ins Auktionshaus von Lützenried transportiert wird. Sein Wunsch, zu einem talentierten Kind zu kommen, erfüllt sich nicht. Schlimmer hätte es nicht kommen können – ein riesiger Mann und eine Rothaarige mit eiskalter Aura ersteigern ihn. «Diese Gestalten, das sind die Schergen des Turmes, mein junger Freund. Und ja, du bist in großer Gefahr.»

Autoreninfo

Kester Schlenz, geboren 1958, arbeitet seit acht Jahren als Ressortleiter «Kultur und Unterhaltung» beim «Stern». In seiner Jugend spielte er...
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Joja Wendt,geboren 1964, fing schon mit 4 Jahren an, Klavier zu spielen. Er studierte Jazzpiano in New York und Hilversum, bevor er in einer Hamburger...
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«Nur die totale Unterwerfung garantiert den vollkommenen Klang …»

Welche Schergen, welcher Turm? Schon bald erfährt der kleine Flügel, was ihn erwartet: ein Furcht einflößender steinerner Turm in einer endlos weiten Ebene. Hier ist das Reich von Theodora, der «Erhabenen». Die mächtige Orgel, Königin der Instrumente, hat sich alle anderen untertan gemacht. Die Geigen, Flöten und Bratschen, die Cellos und Trompeten, die Cembalos, Fagotte und Oboen, die Mundharmonikas, Posaunen und Bässe. Nur die lauten Schlaginstrumente fehlen im Turm; sie sind im Schloss des Bergkönigs, des Hüters der Rhythmen, zu Hause, am anderen Ende der Ebene.

Seit Jahrhunderten regiert Theodora mit eiserner Hand ihr Reich der Musik. Das Spielerische und Flüchtige, das Improvisierte und Freie, all das ist ihr ein Gräuel. Im Gesetz des Turms heißt es ausdrücklich: «Jeder unerlaubte musikalische Alleingang wird strengstens unter Strafe gestellt. Improvisiere nie!» Nur was in Noten niedergeschrieben ist, darf gespielt werden; alles andere ist Teufelswerk.

Zufällig wird der kleine Flügel Zeuge eines verschwörerischen Gesprächs zwischen Theodora und der Guarneri-Violine. Es geht um den «großen Plan», die Eroberung der Musik in der Menschenwelt: «Alle hundert Jahre steht der Notenmond in einer besonderen Konstellation. Wenn er in dieser Zeit seinen höchsten Punkt erreicht hat und senkrecht über der Ebene in einer Linie mit dem großen Gebirge steht, öffnet sich für kurze Zeit ein Riss in den Dimensionen. Die Menschenwelt mit all ihrem musikalischen Chaos wird verwundbar sein. Wenn wir in diesen besonderen Minuten das älteste Lied der Welt spielen, in perfekter Harmonie, in perfektem Klang, wenn die besten Instrumente der Welt sich im Gleichklang vereinen und die Seikilos-Noten spielen, wenn kein Instrument fehlt und jeder funktioniert … dann, Guarneri, gibt es die magische Drift ..»

Unter dem gefährlich glühenden Notenmond …

Der Flügel ist entsetzt. Und er sagt – laut und deutlich! – «Neiiiiin!» Die Strafe folgt auf dem Fuß: Als hätte ihn eine gigantische Welle erfasst, wird er hoch in die Lüfte geschleudert, aus dem Turm heraus, in die Ebene hinein. Aber statt auf dem felsigen Untergrund zu zerschellen, wird sein Sturz von einem Zeltdach gestoppt. Erstaunt schaut der kleine Steinway sich um. Er ist in einem Lager ausrangierter Instrument gelandet: beim E-Bass Fendi, der E-Gitarre Strato und Moog, dem kleinen Synthesizer. (Kenner schnalzen hier natürlich mit der Zunge: Aha, lauter Musiklegenden! Fender Precision Bass, Moog-Synthesizer, Fender Stratocaster, auf der schon Jimi Hendrix gespielt haben soll …).

Komplettiert wird die rebellische Combo durch Tri, die kleine Triangel, Harp, Bob Dylans erste Mundharmonika, und einige andere Gesellen. Nun heißt es: schnell handeln! Der Flügel und seine Gefährten stürzen von einem Abenteuer ins nächste. Um ans Ende der Ebene zum Bergkönig zu kommen, den sie für den Kampf gegen Theodora gewinnen wollen, müssen sie unter dem gefährlich glühenden Notenmond einen gefahrvollen Weg zurücklegen: vorbei an den sprechenden Felsen und den Klippen der Klangfarben, am depressiven Moll und durch das tonlose Tal.

Aber das ist nichts gegen die Gefahren, die in dem unterirdischen Geheimgang zwischen dem Schloss des Bergkönigs und dem Turm der Erhabenen lauern. Dort, im Turm, wartet auf die todesmutige Rebellenschar die Entscheidungsschlacht mit den entfesselten Mächten Theodoras. Ein Kampf auf Leben und Tod …