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Sechs junge Leute in Manchester, sechs Verlorene. Sprachliche und emotionale Krüppel, Joe Stretch, Sänger der britischen Indie-Band ‹Performance›, hat mit seinem Romandebüt Widerstand eine beängstigende Zukunftsvision entworfen. Voller Wut und morbider Fantasien – living hard, dying young. Harte Kost. Düstere, dreckige, pornographisch aufgeladene Exzessprosa. Vergleiche mit Bret Easton Ellis und Michel Houellebecq kommen nicht von ungefähr.
Auf der Website von Performance wird Widerstand (Originaltitel: Friction) so lanciert: «This is A Clockwork Orange fort the 21st Century» und: «Like Houellebecq for the generation WHY». Auch The Independent sieht den Pariser Literaturprovokateur als eine Art Ziehvater: «Houellebecq goes Manchester: Rau, wild und voll explosiver Ideen … Widerstand verpasst uns verkaterten Post-Boomern eine Schocktherapie, die uns entweder umbringt oder stärker macht. »
Der Prolog –ein Versteckspiel des Erzählers: «Ich kann dir meinen Namen nicht sagen. Die Leute, von denen ich umgeben bin, würden böse werden, wenn ich ihn verriete … Aber ich habe keine Angst. Nicht mehr. Ich bin dabei, mich in en Meer aus Ärger zu katapultieren. Und du, mein Freund, kommst mit … Als ich mich vor sechs Monaten ins System einschlich, hätten sie mich aufhalten, mich wegzerren müssen.» Wer diese Geschichte aufgezeichnet hat und warum, erfahren wir ganz am Schluss, in «Theos» Epilog – auch das ein Schock …
Justin. Trifft seine Mutter und erfährt, dass sein Vater gestorben ist. «Krebskranker Schwächling … ekelhaft geile Mutter», schießt ihm durch den Kopf. An der neuen Situation interessiert ihn nur eins: wie viel er erbt. Sein Credo, seine «Lebensphilosophie»: «Weil ich mich langweile und weil ich nutzlos bin und weil ich außer Rand und Band vor Glück sein will.» Mit 60.000 Pfund Erbschaft will er sich an einer großen Sache versuchen …
Steve. Hat an der Börse mit Aktien Kohle gemacht. Steckt sein Geld in «Zukunftsprojekte». Steves ganzer Stolz ist sein Adoniskörper. Und Carly. «Carly ist eine Entscheidung: für den herrlichen Traum des 21. Jahrhunderts, gegen den Verstand.» Was er nicht weiß: Dass sich Carly im Sexshop mit dem «Wonnespender» vergnügt, einer Spezialanfertigung für multiple Orgasmen. Was sie nicht weiß: Dass die Wonnespender-Aktien Steve reich gemacht haben.
Carly. Sie ist schön, sie ist hemmungslos. Interessiert nur an Kohle, Sex und Klamotten. Sie beklaut ihren Freund Steve, um es in Boutiquen und Sexshops auf den Kopf zu hauen. Sie sagt Sätze wie «Unfassbar, dass mein Arsch noch in Mode ist» oder «Ich könnte rund um die Uhr ficken.» Was sie dann auch tut, als sie sich an die omnipotente japanische Sexmaschine anschließt und an einer Überdosis elektrischer Orgasmen beinahe krepiert. Am Ende ist sie eine wirkliche Berühmtheit: Carly Keen, die erste offizielle Sextote.
Rebecca. Studiert, verdient sich ihr Geld als Stripperin. Tut sich mit Justin zusammen, um den Sex auf wissenschaftlich-experimenteller Ebene quasi neu zu erfinden. «Sex in allen seinen Formen erleben. Verschwenderisch sein, den Sex in den Ruin treiben. Neuen Sex entdecken.» Ihre Website: www.newsex.biz. Was harmlos, naiv und beinahe unschuldig beginnt, endet im nackten Schrecken. Einer der perversen Höhepunkte: Spaßabtreibungen – schwanger werden, um abzutreiben.
Johnny. Ist Rebeccas Sozialfall. Sie ist «irgendwie» befreundet mit ihm. Weil er ihr leid tut. Weil er so normal ist: ein unreifer Junge, ein «sexuell ausgehungerter Troll». Und widerwilliges Elementarteilchen in den Sexstudien seiner platonisch geliebten Rebecca.
Colin. Als Verwaltungsangestellter der Universität Manchester langweilt er sich zu Tode. Im Wishing Well, einer trostlosen Krankenhauscafeteria, schwelgt er mit seinen Kumpels in morbiden Sexfantasien – dort wo Krebskranke und Hochschwangere ihre Zeit totschlagen. Objekt der Begierde: jungere Schwangere.
Nicht alle überleben diesen Wahnsinn … Justins Credo: «Weil ich mich langweile und weil ich nutzlos bin und weil ich außer Rand und Band vor Glück sein will.»