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Das Leben als Mensch an sich ist kein einfaches. Das des Jan Weiler aber darf man sich getrost als eine Herausforderung von geradezu sisyphosschen Ausmaßen vorstellen. Denn der Alltag zwischen einer wohlmeinenden Ehefrau, zwei aufmüpfigen Kindern, dem «der-Beste-von-die-Beste»-Schwiegervater Antonio und dem Elternsprecher Herrn Dettelmann erweist sich tagtäglich als Minenfeld, als Dschungel, als Ort voller Tücken, Fallstricke und Mysterien.
Dubioses geschieht allenthalben: Hamster verschwören sich zur Flucht. Die Tochter will lieber Till Schweiger als Vater. Die Gattin erwirbt unvermutet ein Pferd zu Dressurreiterzwecken – wobei immerhin der Gedanke tröstet, dass man jetzt «Sauerbraten für mindestens ein Jahr im Haus hat». Und doch: schön ist das nicht! «Für mich interessiert sich zu Hause kein Schwein mehr. Sie finden, das klingt nach Eifersucht? Das ist Eifersucht. Ich werde weder gestriegelt noch gefüttert, nicht trocken geritten und auch nicht in die Führmaschine gestellt. Ich bekomme keinen Zucker und keine Extravitamine, ich werde einfach mir selbst überlassen.»
Niemals wollen die Rätsel enden: Warum haben ältere Männer keine Haare mehr auf den Waden? Isst Alfons Schubeck den Fischfond, den er anpreist, eigentlich auch selbst? Und warum merken sich Kinder auf der Autorückbank Worte wie «Hackfresse», «Arschkrempe» und «Klapskalli», wo sie doch eigentlich Kopfhörer tragen?
All dem muss sich Jan Weiler stellen. Und er nimmt die Bürde auf sich, geht weite geistige Wege, verirrt sich scheinbar hin und wieder im Unwegsamen, und genau, wenn man denkt, nun gehe gar nichts mehr, sind wir da, wo er uns hinhaben wollte: Brüllend vor Lachen auf dem Boden.
Doch wie macht der Meister das? Ganz einfach: Er liebt sie alle – besonders Sohn Nick, wenn der am Sonntagmorgen um 6.47 mit Darth-Vader-Maske vor dem Bett steht und ein Ninja-Kostüm mit Wurfsternen gekauft haben will, in einem Moment, in dem der Vaterkopf nach dem Vorabend-Treiben sich anfühlt wie ein «Fanfarenkorps der Bundeswehr beim Betriebsausflug auf der Reeperbahn». Nick ist es auch, der seinem Vater den letzten Stoß ins Altsein verpasst: «Seit vorgestern bin ich offiziell alt. Da hat mich mein Sohn gefragt, ob er mein neues Auto haben könne, wenn ich tot sei. Er ist sieben Jahre alt, ich bin zweiundvierzig, und er fiebert meinem Ende entgegen.»
Wobei – alle liebt er sie doch nicht. Wenn es sein muss, watscht der nette Herr Weiler durchaus auch einmal die eine oder andere taube Nuss mit Grandezza ab: Die Privatfernsehsender, die sich ihren Zuschauern gegenüber benehmen wie eine «zugekokste Drückerkolonne». Eine impertinente Journalistin von dpa. Und Heidi Klum, deren Gehirn «bedauernswerterweise das einzige Körperteil ist, welches von der Natur nicht im Übermaß gesegnet wurde.»
Weiler-Gourmands werden das Buch wie immer in einem Happs verschlingen. Weiler-Gourmets dagegen teilen sich die Kostbarkeit gut ein. Jeden Abend ein Kapitelchen als Betthupferl – dann reicht der Vorrat für exakt 60 unvergessliche Abende.
P.S. Und nie vergessen: «Immer mache una bella figura!»
(Aus: Rowohlt Revue 92, Autorin: Frauke Imken)