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Jan-Uwe Rogge: Der Eriehungstest

Reizvolle Idee: ein Erziehungsratgeber in Form eines Frage- und Antwortspiels. Hier können wir unsere Erziehungskompetenz testen: 111 Fragen zu alltäglichen kleineren und größeren Erziehungsproblemen, die auf spielerische Weise zu beantworten sind. Jan-Uwe Rogge, Deutschlands bekanntester und erfolgreichster Erziehungsexperte, gibt zu jeder Frage drei mögliche Antworten vor – und begründet, weshalb er für die Ansicht A, B oder C plädiert. Und oft gibt es nicht nur die eine richtige Antwort, dafür sind viele Erziehungssituationen einfach zu komplex und zu heikel. Wie gern würden Eltern bei Konflikten mit ihren Kindern «vernünftig» reagieren, sind aber vor lauter emotionaler Erregtheit dazu nicht in der Lage? Die wichtigste Botschaft des erfahrenen Pädagogen lautet: Man muss nicht immer alles richtig machen!

Loslassen und Halt geben

Einige der Themen des Buches: Aufräumen (Streuordnung!) – Wutausbrüche – Der berüchtigte Klaps – Zubettgehen – Die Auszeitmethode – Fernsehsucht – Der verdammte Computer – Trödelnde Kinder – Mobbing – Taschengeld – Fäkalsprache – Jungs & Puppen – Geschwisterstreit – Kindliche Schamlosigkeit – Gemeinsame Essensrituale – Großeltern Grenzen setzen – Markenfimmel & Kaufsucht – Einnässen – Einzelkinder – Zoff zwischen Jungen und Mädchen – Fremdeln – Angstlust etc. Wie gesagt: 111 Fragen, 333 mögliche Antworten!

Ein Beispiel soll illustrieren, wie Jan-Uwe Rogge vorgeht. Und weshalb es so hilfreich ist, immer mal wieder auf dieses Buch zurückzugreifen, wenn einem die lieben Kleinen oder die wild pubertierenden Großen auf der Nase herumtanzen und das eigene Nervenkostüm bedenklich dünn zu werden droht.

Autoreninfo

Jan-Uwe Rogge ist Familien- und Kommunikationsberater und Buchautor. Er hält Vorträge und führt Seminare im In- und Ausland durch. Seine Bücher sind...
mehr über den Autor
Was kann ich tun, wenn mein zwjähriger Sohn beißt?

Paul ist mit seinen zwei Jahren schon Spielplatz-bekannt. Wenn Pauls Mutter mit ihm an der Sandkiste auftaucht, dann bemerkt sie schon an den erschreckten Gesichtern der anderen Mütter: «Hilfe jetzt kommt Paul.» Und Paul ist als «Beißmonster», so hat ihn eine Mutter einmal tituliert, bekannt. Viele Kinder mögen ihn, nur nicht die Mütter dieser Kinder. Und tatsächlich: Paul scheint in den Gesichtern der Mütter zu lesen, was von ihm erwartet wird. Und da Paul sich nichts zweimal sagen lässt, tut er das, was von ihm erwartet wird: Er beißt! Pauls Mutter ist ratlos ob des Verhaltens ihres Sohnes.

Wie verhalten Sie sich?

A. Sie gehen nicht mehr mit Ihrem Sohn auf den Spielplatz, weil Sie es als peinlich empfinden, diesen «Beißer» als Sohn zu haben.
B. Sie ermahnen Ihren Sohn im Vorhinein, nicht zu beißen, zu schubsen oder zu kratzen. Sollte er es trotzdem tun, halten Sie ihn an, sich bei den anderen Kindern zu entschuldigen. Tut er das nicht, machen Sie das stellvertretend für Ihren Sohn bei den Müttern der malträtierten Kinder. Dann nehmen Sie Ihren Sohn und verlassen die Örtlichkeit.
C. Sie wissen um die impulsiven Reaktionen Ihres Sohnes. Deshalb
sprechen Sie ihn vorher darauf an in der Hoffnung, er unterlässt seine unsozialen Verhaltensweisen. Aber Sie vermeiden es, ihn vor anderen Kindern vorzuführen!

h wenn es schwerfällt, ich halte es mit Antwort C

Kinder zwischen eineinhalb und drei Jahren können noch nicht «Nein!» sagen – ihnen fällt es schwer, sprachlich Grenzen zu setzen. Dies machen sie vielmehr handgreiflich: Die einen schubsen, die anderen spucken, die dritten kratzen, die vierten schlagen, und schließlich gibt es Kinder, die beißen.
Beißen erfolgt meist aus einem Reflex heraus. Statt dem Kind ständig vorzuhalten, es dürfe nicht beißen, ist es besser, ihm einen Beißknochen aus Plastik oder einen anderen Gegenstand zu geben, in den es, wenn es wütend ist, hineinbeißen kann. Da das Beißen einem Reflex unterliegt, wird das Kind Aufforderungen wie «Du darfst nicht beißen!» oder «Du sollst doch nicht beißen!» kaum befolgen. Pragmatisch ist ein Satz wie: «Wenn du wütend bist, dann beiß in deinen Knochen!» Damit wird die Attacke so umgelenkt, dass sie anderen nicht schadet.

Drei Strategien haben sich bewährt im Umgang mit dem Kratzen, Schubsen, aber auch dem Beißen, gänzlich verhindern kann man diese wenig sozialen Handlungsmuster sowieso nicht.
– Auch wenn Sie gefühlsmäßig geladen sind, vermeiden Sie es, das Kind anzuschreien, denn das führt eher zu einer Trotzreaktion.
– Sollten Sie bemerken, dass Ihr Kind sich in der Sandkiste oder auf dem Spielplatz nicht an die vereinbarten Regeln hält, holen Sie es kurz aus dem Spiel heraus. Solch eine Auszeit, die natürlich vorher vereinbart sein muss, kann eine Eskalation verhindern.
– Vermeiden Sie es, Ihr Kind vor anderen Kindern zu demütigen, indem Sie es mit lauten Worten zurechtweisen.
Vereinbaren Sie ein «Zauberwort», dessen Bedeutung nur Sie und Ihr Kind kennen. So vermeiden Sie es, ständig den Namen Ihres Kindes oder «Nein!» rufen zu müssen. Fällt das Zauberwort, so ist das ein Hinweis an das Kind, Regeln und Absprachen zu beachten.