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Jan Seghers: Partitur des Todes

© Matrix Buchkonzepte

Mai 2005, Paris. Als nach sechzig Jahren ein an ihn adressierter Brief aus Auschwitz auftaucht, bricht für Georges Hofmann eine Welt zusammen. Kurz darauf werden in Frankfurt fünf Tote auf einem Boot entdeckt, und eine französische Journalistin verschwindet spurlos im Taunus. Kommissar Robert Marthaler steht vor einem Rätsel …

Post aus Auschwitz

Es geschah im Morgengrauen des 19. Oktober 1941 in der Liebigstraße im Frankfurter Westend. Bewaffnete Uniformierte schleppten die Eltern des zwölfjährigen Georg aus dem Haus. Er sollte sie nie mehr wiedersehen. Vierundsechzig lange Jahre folgten, in denen er alles, was in jener Nacht geschah, in sich auszulöschen versuchte. Dass nach all dieser Zeit aber die alten Wunden wieder aufbrachen, hatte er sich selbst zuzuschreiben.

Gemeinsam mit seiner Freundin Blanche und der Journalistin Valerie hatte Georg, der sich seit langem Georges nannte, in einem Studio des Fernsehsenders Arte gesessen, um Auskunft über sein «Jedermann-Leben» zu geben. Ein beliebiges Interview mit einem x-beliebigen Menschen von der Straße, dachte er, weshalb nicht. Auf einmal löste sich etwas in ihm, drängte mit Macht an die Oberfläche. Und auf einmal war klar, dass sein Leben alles andere als ein belangloses Leben war ...

Kurz darauf meldete sich eine alte Dame, Christine Delaunay, bei ihm und übergab ihm einen Umschlag. Der Absender: Georges’ Vater, der vermutlich in den letzten Kriegstagen in Auschwitz ermordet wurde. Der Inhalt des Päckchens: Das Geheimnis einer Sommernacht, die Partitur einer verschwundenen Operette von Jacques Offenbach.

Eine solche Preziose in einem Nazi-KZ? Schwer zu glauben für die Journalistin Valérie, die in dieser Angelegenheit recherchierte. Christine Delaunay schüttelte nur den Kopf. «Sie haben keine Ahnung, meine Liebe … Es gab Bordelle; es wurden Kinder geboren; und manchmal hat jemand überlebt, der schon unter einem Berg von Leichen gelegen hatte. Verstehen Sie: Es gab wirklich alles.»

Autoreninfo

Jan Seghers alias Matthias Altenburg, wurde 1958 geboren. Der Schriftsteller, Kritiker und Essayist lebt in Frankfurt am Main. Nach dem Erfolg von...
mehr über den Autor
Die Mörder sind unter uns

Der Sensationsfund setzt eine dramatische Entwicklung in Gang. In Frankfurt werden fünf Menschen auf einem Restaurantboot liquidiert; von Erkan Önal, dem türkischen Besitzer, fehlt anschließend jede Spur – ebenso von Valerie, die nach Frankfurt gefahren war, um «näher an der Geschichte dran zu sein». Offenbar ist jemand bereits, für das Offenbach-Original über Leichen zu gehen. Aber wer? Und weshalb?

Eigentlich hat Kommissar Robert Marthaler ganz andere Sorgen, als deutsch-französischen Komplikationen auf die Spur zu kommen. Irgendetwas stimmt mit seiner tschechischen Freundin Tereza nicht, irgendetwas steht zwischen ihm und der schönen Kunsthistorikerin, er weiß nur nicht was. Er weiß nur, dass es etwas Ernstes ist. Außerdem wurde der Mordkommission eine neue Chefin verpasst, Charlotte von Wangenheim, ein zähes, unkonventionelles Energiebündel. Viel Arbeit für Marthaler ...

Und dann sind da die fünf Toten vom Mainufer. Kriminaltechniker Carlos Sabato, Roberts Freund und Rückhalt, ahnt zumindest etwas: «Das Ganze ist größer. Größer, als wir alle im Moment noch ahnen …» Es dauert langet, bis klar ist, dass die Spur wirklich zurück nach Auschwitz führt, zu barbarischen Menschenversuchen im KZ – zu kaltblütigen Mördern, deren Seilschaften auch Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges noch immer funktionieren wie geschmiert …