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Ildikó von Kürthys siebter Roman ist da. Sie hat ihre Leserinnen Blaue Wunder erleben lassen und in Höhenrausch versetzt, bis sie sich Schwerelos fühlten. Mit Endlich! schreibt die Hamburger Bestsellerautorin ihre Erfolgsgeschichte fort: ein Wunderwerk an Witz und Pointen, wohlplatzierten Nadelstichen und hinreißenden Boshaftigkeiten. «Die Autorin kann’s einfach – fulminant witzig, offenherzig, ehrlich, gekonnt spielerisch erzählen.» (Bild am Sonntag)
Die Geschichte beginnt an einem x-beliebigen Dienstag im Februar. Vera Hagedorn, wohnhaft in Stade, Niedersachsen, ist als freie Werbetexterin ebenso krass unausgelastet wie libidinös in ihrer Ehe mit dem lieben Marcus. Ein Kleinstadtleben wie aus dem Bilderbuch: trist, bieder, einschläfernd. Ihre Freundin Selma betrügt ihren Mann wenigstens mit dem Klavierlehrer ihrer Tochter. Und Vera? Nicht eine Leiche im Keller! So kann es nicht weitergehen. Und als sei das alles nicht schon schlimm genug, ist vor zehn Tagen auch noch vierzig geworden – 40! Erholt hat sie sich von diesem Schock noch immer nicht:
«Während der Party zu meinem zwanzigsten Geburtstag musste ein Gast mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus, drei Paare trennten sich vor Mitternacht, wobei zwei davon noch am selben Abend neue Partner fanden. Bei meinem Dreißigsten kotzte immerhin noch einer ins Klo, und ich fand Spermaflecken unbekannter Herkunft auf meinem Lesesessel. Bei dem Essen zu meinem Vierzigsten ist nicht mal ein Glas zu Bruch gegangen. Und auch die Geschenke waren gesittet, jugendfrei und meinem Alter angemessen: mehrere Gutscheine für Anti-Aging-Behandlungen im führenden Stader Kosmetikinstitut, ein Trüffelhobel aus Zedernholz,, ein Käsemesser-Set, zwei Flaschen Jahrgangschampagner und eine Augenmaske von Shiseido.»
Zurück zu jenem Dienstag im Februar. Veras beste Freundin Johanna Zucker ist am Telefon. «Taube, ich brauche deine Hilfe. Du musst kommen. Ich muss operiert werden.» Nein, kein Krebs, kein Aids, keine ansteckende Tropenkrankheit. Johanna braucht neue Brüste. Was ihr die Natur an Basisausstattung im oberen Rundungsbereich mit auf den Weg gegeben hat, reicht ihr nicht. «Taube, bitte jetzt nicht wieder diese vorwurfsvolle Stille», ermahnt ihre Freundin sie streng, «bloß weil du ein gut deckendes Make-up bereits für einen widernatürlichen Eingriff hältst. Ich bin Schauspielerin und Sängerin. Meine Brüste und Falten werde von zweitausend Watt ausgeleuchtet …»
Nie wird Vera vergessen, mit welcher Wucht Johanna damals in ihr Leben getreten war. Es geschah im Wartezimmer einer renommierten Spezialpraxis in Berlin, einer Kinderwunschzentrum mit dem hübschen Namen «Babyhope». Während sich die meisten werdenden bzw. werden wollenden Mütter eher zurückhaltend bis scheu gebärdeten (darin führend: Vera), mischte schöne große Blondhaarige mit der vollen Stimme die Praxis in Sekundenschnelle auf. «Johanna Zucker ist mein Name, und was glauben Sie denn, was ich wünsche?», raunzte sie die Rezeptionsschubse an. «Bin ich hier in einem Gemischtwarenladen oder was? Ich will ein Kind! Sonst wäre ich ja wohl nicht hier.»
Der Mann an Johannas Seite ist ein ganz besonderes Kaliber: Benjamin Samuel Zucker, genannt Ben. Was für eine schräge, schöne Lovestory! Okay, Ben ist fast siebzig – aber was für ein Mann! Ben Zucker ist reich (380-qm-Penthouse in Berlin-Mitte), dabei kultiviert, charmant, großzügig, direkt. Die beiden wissen, dass sie keine Zeit zu verlieren haben. Ben wird bald sterben; als der kleine Samuel Zucker geboren wird, hat Vera zwar ein Patenkind, aber kein eigenes. « Ich gebe es nur ungern zu: Ein Kind würde mich bei überhaupt nichts stören. Wie bereits erwähnt: neunzehn Grad Durchschnittstemperatur. Perfekt für die Kinderaufzucht.»
Aber will sie überhaupt ein Kind, mit DIESEM Mann? Wie so oft ist es ein saudummer Zufall, der die Wahrheit ans Licht bringt: Marcus, ihr treuer, gutmütiger Marcus vom Bäder- und Küchenstudio Hogrebe, hat eine Affäre! Über seine Facebook-Kontakte kommt sie der Betthäsin auf die Spur: einer Dame aus dem Kosmetikmilieu, die sich nicht entblödet, ihren Lover mit «Majestix» zu titulieren: «Eine Smiley-Dumpfbacke, die das Wort ‚supi’ benutzt!»
Nun schlägt Vera schlägt zurück. Seit sie weiß, dass sie eine betrogene Frau ist, stellt sie ihr Leben auf den Kopf. Sie beschattet ihren Gatten, schläft mit einem fremden Mann, besucht das Seminar «Nackt besser aussehen», schafft dank ihrem Personal Trainer bald 100 Liegestütze am Stück und erfährt dank Johanna, dass eine Portion Divenhaftigkeit jeder Frau gut steht. Und das ist erst der Anfang von Veras neuem Leben. Merke: «Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können.» (Zsa Zsa Gábor)
Kürthy-Leserinnen kommen hier voll auf ihre Kosten. Das liegt auch darin, dass Kürthy die «älteren», «ernsteren» Themen gut stehen. Zum großen Vergnügen, das Endlich! bereitet, trägt auch das Wiedersehen mit dem schwulen deutsch-türkischen Freund Erdal Küppers bei, der mittlerweile stolzer Zweitvater eines entzückenden Söhnchens namens Joseph ist (die genaueren zeugungstechnischen Details im Bermudadreieck von Leonie, Carsten und Erdal lassen Sie sich besser von Ildiló von Kürthy direkt erzählen. Von Kürthys Lust am Spiel mit Situationskomik und Wortwitz kann man sowieso nicht genug bekommen. Nur ein Beispiel (das übrigens alle «Babyhopes» dieser Welt als Kurzbeschreibung ihres segensreichen Wirkens in ihre Flyer packen könnten …):
«Also ehrlich, da werden mit heftigsten Hormonspritzen möglichst viele Eier in deinem unwilligen Körper herangezüchtet, unter Narkose rausgesammelt wie an Ostern und dann in Petrischalen mit dem Samen des erwünschten Erzeugers zu einem Stelldichein gezwungen. Wenn du Glück hast, tun sich ein paar von denen zusammen, und nach zwei Tagen kriegst du bis zu drei propere Mehrzeller zurück in deine Gebärmutter, wo sie sich hoffentlich so verhalten, wie sie es im Biounterricht gelernt haben: teilen, teilen, teilen – so lange, bis dir der undankbare Zellhaufen sechzehn Jahre später an Weihnachten eröffnet, dass er ab jetzt lieber bei seiner Freundin feiern will.» Alles klar?