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I. Jens/W. Jens: Frau Thomas Mann / Katias Mutter

Im Juli erscheinen bei rororo Inge und Walter Jens’ Bestseller über die «Frauen der Manns» als Doppelpack in einer einmaligen Sonderausgabe zum Preis von 10 Euro.

Frau Thomas Mann

Frau Thomas Mann, geborene Katharina Pringsheim, lebte, wie sie selbst einmal feststellte, eine Existenz rein privaten Charakters im Dienste des großen deutschen Schriftstellers, der daheim der «Zauberer» genannt wurde – führte sie dabei ein Schattendasein als Zubehör ihres Mannes? Oder war die Dichtergattin weit mehr? Katharina Pringsheim war in selbstverständlich-vertrautem Umgang mit den bedeutendsten Künstlern ihrer Zeit herangewachsen, die Welt ihres Elternhauses war eine von Professoren, Künstlern, Adligen und reichen Bürgern. Katia selbst war eine der ersten Abiturientinnen Münchens, absolvierte ihre Prüfungen mit Bravour und begann sodann ein naturwissenschaftliches Studium.

Die junge Frau, die schon im zarten Alter von fünf Jahren, wie ihre Mutter notierte, behauptete, niemals heiraten zu wollen, wurde von vielen umschwärmt, war ihren Minnesängern gegenüber aber selbst recht gleichgültig. Bis der vielversprechende junge Autor der «Buddenbrooks» auftauchte und als Meister ausgeklügelten Vorgehens die Eroberung Katias in Angriff nahm. Sechs Kinder bekamen die beiden. Katia Mann war Ehefrau und Mutter, Erzieherin und Freundin ihrer Kinder, Organisatorin des Haushalts, und vor allem auch Managerin des Mann’schen Familienbetriebs. Wie Inge und Walter Jens aus der Lektüre der erhaltenen Korrespondenz schließen, hätte sie wahrscheinlich auch als Muse und Kundschafterin Lorbeeren verdient. Als fleißige «Epistolographin» lieferte sie ihrem Mann mit ihren Impressionen vermutlich reichlich literarisches Material – weitaus mehr als nur durch den Sanatoriumsaufenthalt in Davos für den Zauberberg.

Inge und Walter Jens zeigen Katharina Pringsheim als eigenwillige, temperamentvolle und streitbare Persönlichkeit, die als «Zubehör ihres Mannes» ihr – überaus privilegiertes – Leben selbst gewählt und gern gelebt hat, wie die Biographen Jens unterstreichen. «Sie hat Thomas Mann nicht ihr Leben geopfert, sondern sie hat es ihm gewidmet.»

Autoreninfo

Inge Jens, geboren 1927 in Hamburg. Studium der Germanistik, Anglistik und Pädagogik; Promotion 1953. Herausgeberin der Tagebücher Thomas Manns....
mehr über die Autorin
Katias Mutter

Von Hedwig Pringsheim, Katia Manns Mutter, war vor Erscheinen der großen Studie von Inge und Walter Jens nicht allzu viel bekannt. Dabei hätte es nicht des berühmten «Schwiergertommys» bedurft, um diese Frau interessant zu finden, die Tochter der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm und des «entgleisten Theologen» Ernst Dohm – schön, selbstbewusst, couragiert, ein Konversationstalent, hinreißende Briefschreiberin und radikale Pazifistin.

Hier werden die Bilder einer untergegangenen Epoche lebendig. Erster Weltkrieg, das Zwischenspiel Räterepublik, Aufstieg der Hitler-Bewegung, Vernichtung der Münchner Existenz der assimilierten jüdischen Familie Pringsheim, Flucht und Exil. «Am 1. November 1933 schrieb Hedwig Pringsheim ihrer Tochter ein letztes Mal aus der Arcisstraße: ‹Lies diesen Brief tränenden Auges, es ist der letzte aus deinem Elternhaus, das zwar einem Elternhaus in keiner Weise mehr ähnelt, sondern einem infernalischen Chaos gleicht, in dem kein Schwein auch nur eine Stunde noch grunzen möchte.»

Dass der Weg der alten Pringsheims in Zürich und nicht in Auschwitz endete, haben sie, Ironie des Schicksals, der Courage vor allem eines Mannes zu verdanken: des SS-Sturmführers Otto Rudolf Hess.