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Andere nennen es Alltag: Horst Evers nennt es Schikane. Der dritte Band des großes Humoristen ist ein Highlight! «Er ist der Meister des Absurden im Alltäglichen. Man amüsiert sich als Komiker ja ungern über das, was Kollegen fabrizieren, aber bei Evers geht es beim besten Willen nicht anders.» (Frank Goosen) Horst Evers ist der Mann, der die richtigen Fragen stellt (und sehr speziell beantwortet!): etwa wie man nach einer verlorenen Mütze googelt, ob es religiöse Gründe gegen das Fensterputzen gibt oder weshalb man die Menschen in Wolfsburg und Braunschweig nicht nach dem VW-Vorstand beurteilen darf, solche Sachen eben. Begeben Sie sich mit Evers auf die Suche nach der Wahrheit, der Würde und der Liebe, nach dem Woher, dem Warum und dem Wohin. Sie werden es nicht bereuen – versprochen!
Wie Horst Evers aus Evershorst bei Diepholz in Niedersachsen wurde, was er ist? Folgendermaßen: Nach dem Studium von Germanistik und Publizistik an der Fu in Berlin jobbte er als Taxifahrer und Eilzusteller bei der Post (was entsprechend disponierten Zeitgenossen den Lebensweg als Humorist bereits vorzeichnet). Während des Studiums schrieb er erste Texte, die er tollkühnerweise in der Mensa vortrug. Der nächste Schritt: das größere Publikum. Zusammen mit fünf Freunden gründete er die Textleseshow «Dr. Seltsams Frühschoppen», die bald zur erfolgreichsten Lesebühne der Stadt wurde. Inzwischen hat er mehrere sehr lustige Bücher und CDs veröffentlicht – bei rororo die Bände Die Welt ist nicht immer Freitag (rororo 24251) und Gefühltes Wissen (rororo 24294).
Um eine Vorstellung zu bekommen, weshalb dieser Mann landauf landab mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft wird (vom Prix Pantheon und dem Deutschen Kabarettpreis bis zum Salzburger Stier und dem Deutschen Kleinkunstpreis, in der – hoppla! – Sparte «Kleinkunst»), präsentieren wir Ihnen einfach einen Ausschnitt aus dem Text YouTube und Brot. Kurz zum Kontext: Herr Evers findet seine Mütze nicht. Da er sich abends beim Nachhausekommen immer selbst filmt und dann das Filmchen bei YouTube hochlädt (den Link dazu sucht & findet er bei Google), begreift er, dass er am Tag zuvor bereits ohne Mütze die Wohnung betreten hatte. Also: die Stationen des Vortags abklappern. Herr Evers geht also zum Bäcker, der mittlerweile nicht mehr Lekkerback, sondern Spitzenback heißt und eine nigelnagelneue Verkäuferin beschäftigt. Und diese Dame muss nun folgendes erleben …
«Und auch die Verkäuferin ist niegelnagelneu. Der Mann ganz vorne unterzieht sie gerade einem ersten ernst zu nehmenden Test:
– Guten Tag, ich möchte gerne für morgen ein Brot von gestern
vorbestellen.
– Sie wollen was?
– Ein Brot von gestern vorbestellen. Für morgen.
– Das geht nicht. Das morgige Brot von gestern ist ja heute schon da. Das kann man nicht mehr vorbestellen.
– Aber morgen kostet das Brot von heute, weil’s von gestern ist, doch nur noch die Hälfte.
– Ja.
– Na, und das will ich.
– Aber das geht nicht. Heute gibt es noch kein Brot, das morgen von gestern ist.
– Ja, aber da hinten liegt es doch.
– Was?
– Na das Brot, das morgen von gestern ist. Da hinten.
– Ja, aber das ist doch von heute.
– Eben, deshalb will ich’s vorbestellen. Dann kostet’s ja nur die Hälfte.
– Ja, ja, aber das geht nicht. Man kann Brot von gestern nicht vorbestellen. Wie stellen Sie sich das denn vor? Wenn das alle machen würden. Wo sollte ich denn das ganze Brot lagern? Den Platz hab ich hier gar nicht.
– Der Lagerplatz ist das Problem?
– Ja, genau. Ich brauch doch morgen den Platz für das Brot von morgen.
– Na ja, wenn das das ganze Problem ist, bestell ich eben jetzt für morgen ein Brot von gestern, aber nehm’s heute schon mit.
Die Verkäuferin starrt ihn an. Dann starrt sie auf die Schlange, die mittlerweile bis fast auf den Bürgersteig angewachsen ist.
Mit leeren Augen packt sie das Brot ein, kassiert den halben Preis und schaut zur nächsten.
– Bitte?
– Ich würde gerne für morgen sechs Brötchen von gestern vorbestellen.
Der Blick der Bäckereifachkraft wird noch leerer. Dieses Mal verzichtet sie bereits auf einen Dialog.
Dann bin ich dran. Die Verkäuferin fragt mich, ob ich eine Camcordertasche auf dem Kopfe trage.
Sage:
– Ja, warum?
– Na weil … … ach, egal.
Sie schiebt mir vier Croissants rüber, murmelt:
– Is okay, stimmt so.
Ich glaube, die Verkäuferin wird nicht lange in unserer Bäckerei arbeiten.»