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«Er ist der Meister des Absurden im Alltäglichen. Man amüsiert sich als Komiker ja ungern über das, was Kollegen fabrizieren, aber bei Evers geht es beim besten Willen nicht anders.» (Frank Goosen) Horst Evers ist der Mann, der die drängendsten Fragen des Alltags stellt und auf unvergleichliche Weise beantwortet. Wie schafft es eine wuchtig-schmucklose Steingutobstschale namens Pirmin, zum geheimen Dreh- und Angelpunkt des Familienlebens zu werden? Warum verweist Google bei der Frage nach dem Sinn des Lebens penetrant auf Handtaschen aus Schweizer Produktion? Und wie lässt sich Hüftgold durch eine simple mathematische Operation schönrechnen? «Das sind ja Zusammenhänge, die macht man sich sonst gar nicht klar.»
Begleiten Sie den großen Humoristen auf seiner Suche nach dem Woher, dem Warum und dem Wohin unserer Existenz. Sie werden es nicht bereuen!
Wie Horst Evers aus Evershorst bei Diepholz in Niedersachsen wurde, was er ist? Hier die dürre Kurzfassung: Nach dem Studium von Germanistik und Publizistik an der Fu in Berlin jobbte er als Taxifahrer und Eilzusteller bei der Post (was entsprechend disponierten Zeitgenossen den Lebensweg als Humorist bereits vorzeichnet). Während des Studiums schrieb er erste Texte, die er tollkühnerweise in der Mensa vortrug. Der nächste Schritt: das größere Publikum. Zusammen mit fünf Freunden gründete er die Textleseshow «Dr. Seltsams Frühschoppen», die bald zur erfolgreichsten Lesebühne der Stadt wurde. Inzwischen hat er mehrere sehr lustige Bücher und CDs veröffentlicht – bei rororo die Bände Die Welt ist nicht immer Freitag, Gefühltes Wissen und Mein Leben als Suchmaschine.
Um eine Vorstellung zu bekommen, weshalb dieser Mann landauf landab mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft wird (vom Prix Pantheon und dem Deutschen Kabarettpreis bis zum Salzburger Stier und dem Deutschen Kleinkunstpreis, in der – hoppla! – Sparte «Kleinkunst»), gewähren wir Ihnen ein paar mehr oder weniger exklusive Einblicke in das Denken, Fühlen und Handeln dieses Mannes, von dem es heißt: Andere nennen es Alltag: Horst Evers nennt es Schikane.
Gepresste Lebensqualität. Ich habe eine elektrische Saftpresse zum Geburtstag geschenkt bekommen. Dies hier nur mal so einleitend, damit niemand denkt, mir würde immer nur die Sonne aus dem Hintern scheinen. Mir passieren auch schlimme Sachen. Zum Beispiel habe ich eine elektrische Saftpresse zum Geburtstag bekommen.
Wenn man erst einmal so weit ist, dass die Menschen es einem nicht mehr zutrauen, das Obst roh, am Stück beißen zu können, sondern einem elektrische Saftpressen schenken, dann weiß man, was die Stunde geschlagen hat. Mit dem Obst fängt es an, aber bald schon wird dir diese Maschine vermutlich auch das Mittag- und Abendessen pürieren. Das ist der Lauf der Welt. Mit Brei beginnen wir, mit Brei enden wir. Die Klammer des Lebens, letztlich ist sie das Püree. Aber
am Ende sind wir natürlich froh, dass wir das Püree haben. Die Welt ist sonst schon hart genug. Und ungerecht.
Frühstücksstarre. Donnerstagmorgen. Sitze am Frühstückstisch und bin müde. Unendlich müde. Es ist wie verhext. Wenn ich am Frühstückstisch sitze, bin ich müde. Wenn ich im Bett liege, habe ich Hunger. Immer am falschen Ort zur falschen Zeit. (…) Stelle fest, das Brötchen, an dem ich seit einer Stunde esse, ist noch gar nicht geschmiert. Es ist nicht einmal aufgeschnitten. Also, um ganz genau zu sein, ist da nicht einmal ein Brötchen. Seit rund einer Stunde sitze ich am leeren Tisch und bilde mir ein, ich würde frühstücken. Regungslos. Die sogenannte Frühstücksstarre. So gesehen, ist es eigentlich kein Wunder, wenn ich nicht satt werde.
Sarrazinmäßige Außerirdische. Bei uns in der Straße stehen zwei große Holzkübel mit Blumenerde auf dem Bürgersteig. (…) Niemand hat diese Kübel da hingestellt. Auch beim Bezirk und beim Grünflächenamt weiß keiner etwas. (…) Vermutlich sind die Kübel von Außerirdischen. Mehr noch, vermutlich beamen uns Außerirdische ständig irgendwelches Zeug auf die Erde. Was natürlich die Frage erzeugt: Warum? Warum machen Außerirdische so was? Ich sehe drei Möglichkeiten:
Möglichkeit 1: Es ist ein Test. Außerirdische sind ja höchstwahrscheinlich irrsinnig intelligent. Möglichkeit 2: Die Außerirdischen sind Idioten. Das ist überhaupt eine Möglichkeit, die meines Erachtens in der gesamten Science-Fiction-Literatur bislang viel zu wenig behandelt wurde. Möglichkeit 3: Die schlimmste Variante. Die Außerirdischen wollen uns nur mit irgendetwas beschäftigen. Sie sind nämlich noch viel, viel intelligenter als ohnehin schon angenommen. Sie wissen längst, wann wir so weit sind, unsere Galaxie zu verlassen. Aber die wollen das gar nicht. Die wollen gar nicht, dass wir zu ihnen fliegen. Die sind eher so ablehnend, sarrazinmäßig drauf. (…) Seit ich diese Variante im Kopf habe, schaue ich die beiden Kübel in unserer Straße und auch alles andere unnütze Zeug, welches irgendwo rumsteht, nochmal mit ganz anderen Augen an.
Stille Nacht, Weihnachtspracht. Im Laufe der letzten zehn Jahre habe ich grob geschätzt circa 80 Weihnachtsmärkte im gesamten deutschsprachigen Raum besucht. (…)Auch bei Weihnachtsmärkten gilt, wie wohl bei allem im Leben: Wo viel Licht ist, da ist auch Schatten. (…)Doch möchte ich lieber von der leuchtenden Pracht der Weihnachtsmärkte berichten. Dem Besonderen, denn jeder Weihnachtsmarkt hat auch seine ganz eigene, exklusive Note, häufig sogar eine Spezialität, für die er in der ganzen Welt berühmt ist: In Nürnberg gibt es die Lebkuchen, in Dresden den Stollen, in Chemnitz die Schnitzereien, in Aachen die Printen und in Spandau auf die Fresse.
Schottische Küche. Wer die englische Küche kennt, der fürchtet sie. Zu Recht. Und warum fürchtet er, kulinarisch gesehen, nichts so sehr wie die englische Küche? Weil er die schottische Küche noch nicht kennt.
Die schottische Küche ist fett und extrem fleischlastig, aber auch fett und total eintönig, außerdem fett, völlig weißmehlfundamentiert, ausgesprochen fett, absolut vitaminfrei, weil komplett verkocht, und zudem noch sehr, sehr, sehr fett. Wie soll man das zusammenfassen? Ich würde mal sagen: Also, mir schmeckt’s! Ziemlich gut sogar, aber gesund, neenee, gesund ist das nicht.