![]()
«Boh glaubse ey, da krisse echt’n Hals»: Wenn Frührentner Herbert Knebel loslegt und über Gott, die Welt und seine Frau Guste schwadroniert, bleibt keine Alltagsweisheit ungesagt – und kein Auge trocken. Dem Ruhrpott-Komikers Uwe Lyko ist mit seinem Knebel eine Figur gelungen, die seit jetzt vierzehn Jahren zur Stammbesetzung der Kölner Mitternachtsspitzen im Alten Wartesaal zählt. Riesige schwarze Hornbrille, Helmut-Schmidt-Mütze, Jacke und Hochwasserhose von Rudis Resterampe und Sprüche, glaubse echt nich. Das Beste & Allerbeste vom Nörgelopa «Hebbet» findet sich in einem prachtvollen rororo-Band. Mit Kreuzworträtsel, Tipps für jede Lebenslage und sogar richtiger Lürick. «Mein Gott, wat is dat en schönes Buch geworden! En richtiges Superbuch!», freut sich Herbert Knebel …
«Wenn einer schlecht über meine Frau redet, dann bin ich das», stellt Knebel sofort mal klar. Und «Zack, ist sie da, die Ehekrise am verflixten siebten Tag …». Aber bei aller Krittelei und Nölerei; den Hebbet und seine Guste bringt nix auseinander, die können nich immer gut miteinander, aber die können auch nicht ohneeinander. Aber nicht nur Guste nervt, auch die Enkelkinder Jackeline und Marzel, die Nachbarn und die döspaddeligen Politiker sowieso. Hömma, wie die mit dem Bergbau umgesprungen sind, wat für ne Sauerei! «Wenne mich frachs, war dat schon der Anfang vom Ende mit die Kohle.»
73 Episoden, außerdem ein Vorwort und ein Nachwort «von mir selbs»: Wer hier nichts zu lachen hat, der hat wirklich nichts zu lachen. Ein kleiner Überblick, was der Knebel-Herbert zum Besten gibt: Feinste Lürick, zum Beispiel eine Ode auf ein geliebtes Gesicht: «Überm Mund die große Nase / Augen links und rechts davon / Auch zwei Ohren kannse sehen / Und dat isset fast auch schon. Wären da nich noch die Haare / Über deiner hohen Stirn / Und dadrunter, wie gemeißelt / Sitzt wahrscheinlich ein Gehirn.» Ein Kreuzworträtsel, das einem die Gehirnwindungen verknebelt. Und natürlich die unverzichtbare Ratgeberrubrik «Herbert hilft», zum Beispiel im Bett (Version 1: für ihm, Version 2: für sie), bei kein Übergewicht, im Verkehr, im Haushalt, bei de Fitness usw. Aber das ist noch längst nicht alles.
Weil Enkel Marzel dem Herbert den Computer auf modern getrimmt hat (mit Brauser, Elektropostfach, Guggel und pipapo), hat er auch hin und wieder mal falsch geklickt. Prompt landete er auf «sonne Sexseite» und war schon recht erstaunt über das, was dort zu sehen war: «Da waren Sachen dabei, die kannt ich gar nich aus unsre Flitterwochen. Und ich mein, die Guste und ich, wir waren für die Zeit en sehr fortschrittliches Paar gewesen. Wir ham damals schon Sachen ausprobiert, die sich viele andre gar nich getraut haben, zum Beispiel mit Licht an! Aber da hatten wir uns an für sich kein Gefallen mit getan.»
In Sachen Eifersucht macht Herbert auch keiner was vor. Er spürt doch, wenn was im Busch ist. Neulich dieser Blumenstrauß in der Küche. Von ihm ist er nicht, das weiß er genau; heimlicher Verehrer, klar, was denn sonst! Außerdem flötet Guste beim Kochen, zu Sex Mäschien von diesem James Braun. Und wie die neuerdings aufgebrezelt ist! «Wo ich gedacht hab, hömma, die Klamotten has DU doch nich bezahlt! Wer geht denn da mitte Guste heimlich nach Herti? Noch dazu jetz, wo et dat gar nich mehr gibt! (…) Ja, dann hab ich bei genauen Nachkucken sonne Pafföng-Flasche im Allibert entdeckt, aber nicht Tosca, sondern wat ganz Edles, und zwar von Öves Sanglorang! Ich denk, ja klar, Paris, die Stadt der Liebe! Da passt ja eins zum andern!» (Da passt natürlich nichts zum andern, was auch Herbert dann per Zufall entdeckt …)
Die Auftritte von Herbert Knebels Affentheater sind ein Renner. Mit Knebel, dem ehemaligen Bergmann und aktuellen Frührentner, stehen auch seine Freunde auf der Bühne: Ernst Pichel, Ozzy Ostermann und der abgedrehte «Trainer». Sie geben Rock- und Pop-Klassiker in genialisch eingedeutschter Form zum Besten: Mutti macht Geschrei, wenne heim komms» (hat man schon mal von den Beatles gehört, als Lucy in the sky with diamonds), Nackend am Baggerloch (Bob Dylan: Knockin’ on heaven’s door), Brücke über unruhige Wasser (der Nervhit von «Simon und Furunkel»). Uwe Lyko verfügt als Ex-Gitarrist einer Punkrock-Gruppe über einschlägige Erfahrung in Sachen Musik, die ohne Umwege auf den Punkt kommt …
Derzeit macht sich Uwe Lyko übrigens selbst Konkurrenz. Irgendwann kam er auf die Idee, sich Altkanzler Schmidt «draufzuschaffen»; Jürgen Becker, der Macher der «Mitternachtsspitzen», war spontan begeistert, die Sache war nicht mehr aufzuhalten. Und so bringt Lyko mit seinem großartigen Kollegen Wilfried Schmickler Loki und Smoky auf die Bühne. Was als Sidekick begann, ist ein Kultbrüller geworden – da muss sich Hebbet ganz schön anstrengen, dem ollen Hanseaten und seim Loki den Rang abzulaufen.