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Helmut Dähne: Immer schön flüssig bleiben

© Jens Boldt

Dieses Buch kann einen wahnsinnig machen. Na, sagen wir, zumindest ziemlich beklommen. Weil es mit bestimmten wirtschaftlichen Dingen konfrontiert, die man gern schuldbewusst (und in weitem Bogen) zu umgehen pflegt. Im Prinzip wusste man ja längst, wie amateurhaft bis dilettantisch die eigene Performance in Geldangelegenheiten ist ...

Das Schöne an Dr Dähnes Finanzratgeber mit dem programmatischen Titel Immer schön flüssig bleiben ist, dass er in 12 Kapiteln und anhand jeder Menge einleuchtender Beispiele zeigt, wie man sein (in der Regel) mühsam verdientes Geld nicht nur zusammenhält, sondern intelligent mehrt. Die Themen sind weit gestreut, sie reichen von A wie Abschreibung bis Z wie Zertifikate – und kreisen doch alle nur um eine einzige Frage: Wie wirtschafte ich vernünftig?

All das wird in einer derart klaren, transparenten Sprache dargelegt, dass man sich diesen Ratgeber gut auch als Schulbuch vorstellen kann. Denn wer ist schon in Sachen Geld & kluges Wirtschaften als Naturtalent auf die Welt gekommen? Dr. D. vielleicht, sein Interviewer ganz sicher nicht. Deswegen hat er hartnäckig nachgefragt ...

DAS INTERVIEW

Einer der prominenten Laudatoren Ihres Buches Immer schön flüssig bleiben ist Stefan von Holtzbrinck. Er schreibt: «Seit über 20 Jahren gilt: Vertrauen ist gut, Dähne ist besser». Wir wollen nicht wissen, was in der Zeit vor jenen 20 Jahren war, sondern ob der Privatmann Dähne, der ja auch ein Genussmensch ist, sein Leben lang all das akkurat umgesetzt hat, was der Kaufmann Dähne als Ideal solider Haushaltsführung propagiert?
Das fängt ja gut an! Wieso sollten wirtschaftliches Denken und Genussleben sich ausschließen? Wirtschaftliches Verhalten heißt doch nicht Verzicht, Entsagung und Askese. Ganz im Gegenteil: Wer mit seinem Geld intelligent umgeht, kann mehr für seine besonderen Vorlieben erübrigen. Wenn Sie beispielsweise Ihr Geld nicht für eine unsinnige Reisegepäckversicherung ausgeben, können Sie im Urlaub ein paar Gläschen Roten mehr kommen lassen und sich den Sonnenuntergang damit zusätzlich vergolden. Genuss pur! Mein Buch zeigt Ihnen dafür zahlreiche Ansatzpunkte. Tatsächlich habe ich mich stets um wirtschaftlichen Umgang mit Geld bemüht, aber wer ist schon frei von Fehlern und Fehleinschätzungen und wer ist schon stets und ständig vernünftig?

Kam der Anstoß, dieses Buch zu schreiben, von außen, oder trugen Sie sich schon länger mit der Absicht?
Die Idee zu diesem Buch und die Beharrlichkeit, es Wirklichkeit werden zu lassen, hatte allein Rowohlt-Verleger Alexander Fest. Mein Plan kann das schon deswegen nicht gewesen sein, weil Bücherschreiben mit wirtschaftlichem Denken rein gar nichts zu tun hat. Schreiben bedeutet langwierige, harte Arbeit, für die in der Regel nur ein sehr kärglicher Lohn abfällt. Wenn nicht ein Bestseller gelingt, stehen Aufwand und Ertrag in einem äußerst ungünstigen Verhältnis. Aber Bücherschreiben folgt ja auch nicht vorrangig wirtschaftlichen Zielen. Mir ging es vor allem darum, vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, dem rundum erschreckend lückenhaften Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge entgegen zu wirken. Wirtschaft bringt uns ja niemand bei. Da wird erstaunlicherweise erwartet, dass wir Naturtalente sind. Mein Buch vermittelt daher in knapper Form das für unser Privatleben notwendige wirtschaftliche Basiswissen.

BWL und VWL, FC Bayern und Schalke 04

Vieles von dem, was Sie über kluges Wirtschaften in Betrieben festhalten, lässt sich auf die Mikroebene Privathaushalt übertragen, das zeigt Ihr Buch eindrucksvoll. Der Makroorganismus Staat und die Prinzipien rationalen Wirtschaftens dagegen scheinen absolut inkompatibel zu sein, siehe Staatsverschuldung, Militärhaushalt, Bändigung der Finanzmärkte, Bürokratiewust etc. Sind Sie deshalb mit Leidenschaft Betriebswirt und nicht Volkswirt?
Was Wirtschaftlichkeit betrifft, sind Volks- und Betriebswirte selten unterschiedlicher Meinung. Aber ein Staatswesen verfolgt nun einmal nicht ausschließlich wirtschaftliche Ziele. Die Ökonomie hat daher häufig und leider immer häufiger das Nachsehen mit all den schrecklichen Folgen für die Öffentlichen Haushalte und die Staatsverschuldung. Aber, geben wir uns keinen Illusionen hin, in den Unternehmen geht es oft nicht viel anders zu. Volks- und Betriebswirte stehen daher vor ähnlichen Problemen, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen.

«Würde ich mir einen kaufmännischen Geschäftsführer der Bundesrepublik wünschen, fiele meine Wahl auf diesen Autor» (also auf Sie), schreibt der ZEIT-Herausgeber und ehemalige Rowohlt-Verleger Michael Naumann. Kann es sein, dass Sie das Angebot, Finanzminister dieses Landes zu werden, rundheraus ablehnen würden – weil Ihnen Ihre Lebenszeit zu schade wäre, vor allem aber, weil Sie an der ökonomischen Irrationalität des sog. «großen Ganzen» irre zu werden drohten?
Meine stark begrenzte Kompromissfähigkeit in wirtschaftlichen Dingen macht mich zum Politiker gänzlich ungeeignet. Als Finanzminister stehen Sie ohnehin auf verlorenem Posten, wenn Ihre Kabinettskollegen und deren Parteien Ihre Gestaltungsaufgabe vor allem als Lizenz zum Geldausgeben verstehen. Den ernsthaften Willen zum wirtschaftlichen Verhalten kann ich jedenfalls nirgends erkennen. Unsere Kinder werden schon für die Rechnung aufkommen. Die schlimmen Folgen einer solchen Finanzpolitik verbinden sich stets unausweichlich mit dem Namen des jeweiligen Finanzministers. Nein danke! Mein Buch zeigt, wie Sie es wenigstens privat besser machen können.

In der Fußball-Bundesliga finden sich in puncto Finanzgebaren als Extreme der FC Bayern München, wo sich Manager Uli Hoeneß stets rühmte, selbst Megatransfers vom Kaliber Ribéry, Gomez oder Robben locker über das Festgeldkonto abzuwickeln – und auf der anderen Seite der FC Schalke 04, dessen Schuldenstand bei kolportierten 140 Millionen Euro liegt und dem die sog. Schechter-Anleihe von 2003 die Luft abschnürt (und die Lizenzkommission der Liga auf den Plan ruft). Auf den privaten Haushalt übertragen ist die Frage, der Sie in Ihrem Buch nachgehen: Wann lohnt sich welches Investitionsrisiko – alles eine Frage der Finanzmathematik?
Mit Finanzmathematik hat das nichts zu tun. Die ist nur das Rechenwerkzeug. Eine Investition lohnt sich immer dann, wenn sich damit Ihre Ertrags- oder Kostensituation spürbar verbessert. Ein Top-Spieler kann mehr Zuschauer ins Stadion bringen, eine neue Heizung kann Ihre Energieausgaben kräftig senken. Ich habe das ausführlich behandelt. Wenn Sie den Investitionbetrag angespart haben, wie offenbar Uli Hoeneß, um so besser: Sie vermeiden damit das niemals zu unterschätzende Risiko und die Kosten der Kreditaufnahme, die möglicherweise Schalke zu schaffen machen.

Froh zu sein bedarf es wenig ...

Wer Sie als Kaufmännischen Geschäftsführer der Rowohlt Verlage erlebt hat, weiß, dass Sie nicht nur ein schlauer Zahlenmensch sind, sondern auch ein lesender Kaufmann mit dezidierten literarischen Vorlieben. Welche der Rowohlt-Autoren waren (und sind) Ihnen eine Herzensangelegenheit? Und – was lesen Sie gerade?
Fragen Sie mal einen Vater, welches seiner Kinder er am liebsten hat. In einem literarischen Verlag wie Rowohlt ist Verlegerei immer ein zutiefst durch persönliche Vorlieben bestimmtes Geschäft. Ihre Zuneigung und Ihr Interesse gelten daher stets allen Ihnen von den Autoren anvertrauten Büchern gleichermaßen. Zur Zeit lese ich Colum McCann, Die große Welt. Ein wunderbares Buch.

Früher hätten Sie mit sich selbst verhandeln müssen: der Autor Dähne mit dem Finanzchef Dähne, das ist nun nicht mehr so. In diesem Jahr haben Sie zum ersten Mal in anderer Funktion die Frankfurter Buchmesse besucht, als Flaneur & Autor und nicht mehr als Herr über die Rowohlt-Zahlen. Konnten Sie diesen Rollenwechsel entspannt genießen?
Tatsächlich gelingt der Rollenwechsel nicht wirklich. Das wäre nach meinen vielen Verlagsjahren auch überraschend. An die Stelle der Sorge um den Erfolg des Verlages tritt jedoch die Sorge um den Erfolg des eigenen Buches; soll es doch möglichst viele Leser erreichen. Da trägt natürlich das Wissen zur Entspannung bei, dass ich mich bei Rowohlt in den besten Händen weiß. Aber, zugegeben, zuweilen entwickelt sich auch schon ein typisches Autorenbewusstsein mit der Frage, ob auch wirklich alles für den Erfolg des Buches getan wird.

Letzte Frage: «Reich sind immer nur die anderen», so lautet in bester sartrescher Tradition der letzte Satz Ihres Buches. Das gilt doch sicher auch für Sie, oder?
Selbstverständlich, man muss doch noch Ziele haben!