Die Bestellung unserer E-Books ist momentan aus technischen Gründen nicht möglich.

Artikelempfehlung versenden

E-Mail-Adresse des Empfängers*

Wenn Sie mit der Empfehlung dieses Titels eine Nachricht an den Empfänger versenden wollen, tragen Sie den Text bitte hier ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse*

(* = Pflichtfelder)

Hella von Sinnen/Cornelia Scheel: Des Wahnsinns fette Beute

© Martin Langhorst

Sie haben Angst vor Spinnen? Keuchen lieber zehn Stockwerke zu Fuß hoch, als den Paternoster zu besteigen? Nehmen große Umwege in Kauf, um ja nicht unter einem Baugerüst langgehen zu müssen? Dann ist das ein Buch für Sie! Macken und Marotten, Tics und Klatschen gibt es, wen wundert's, auch unter Prominenten reichlich, wie die vielfach ausgezeichnete «Humorfachfrau» Hella von Sinnen und ihre Lebensgefährtin (und Managerin) Cornelia Scheel wissen.
In Des Wahnsinns fette Beute demonstrieren sie, wie man bei Tapas und Rioja (gern auch bei gut gekühltem Kölsch) Promis die geheimsten Geheimnisse entlockt. Mit von der Partie sind u.a. Dirk Bach, Bastian Pastewka, Alfred Biolek, Werner Schneyder, Ralf König, Barbara Schöneberger, Rosa von Praunheim, Jürgen von der Lippe, Senta Berger und Jens Riewa.


Hier gibt es wahrhafte hinreißende Marotten zu bestaunen! Der Filmemacher Rosa von Praunheim lässt seinen Freund Oliver das Essen verlosten, es könnte ja vergiftet sein. (Bye-bye, Oliver!) Und Weihnachten, das sind für Rosa die Tage, wo Arztpraxen geschlossen haben. Der Schweizer David Imper verlässt niemals seine Wohnung, ohne per Handyfoto zu dokumentieren, dass der Herd auch tatsächlich aus ist. Absolut outstanding auch die Klatsche des unermüdlichen WDR-Nacht-Talkers Jürgen Domian: «Der schläft sogar im ‹Ritz› nur in seinem eigenen Schlafsack. Den legt er immer auf Alufolie aus, und damit er trotz des Knisterns schlafen kann, tut er sich Stopfen ins Ohr.»

Leider bleibt das Rätsel des Rasenrotzens auch nach Lektüre dieses erhellenden Buches noch immer eines; weder die Kicker des 1. FC Köln noch andere Fußballer waren diesbezüglich zu einer Auskunft bereit. Zu schade! Aber ansonsten ist dieses Macken-und-Marotten-Brevier die reinste Fundgrube. Eine kleine Auswahl:

Ein Sockenschuss schöner als der andere!

Katrin Bauerfeind. Ketchup, Mayonaise und Senf in Plastik lassen der 3sat-Moderatorin vor Ekel die Nackenhaare zu Berge stehen. Tuben an sich sind kein Problem, das schlurchende Geräusch ist es, was sie fertigmacht. «Es geht um Flaschen mit diesem Rücksaug-Effekt ...» Und noch ein Bauerfeind'scher Tic darf nicht unerwähnt bleiben: die Hühnerphobie. «Ei kann ich super essen. Ich kann kein Hühnchen essen, das aussieht wie ein Hühnchen. Ich kann aber super Chicken McNuggets essen … Kleine Vögelchen sind ja ganz süß. Aber alles, was größer als kleine Vögelchen ist, finde ich schlimm. Hühner, also wenn ich nur diese Glubschaugen … und dieses unkontrollierte Gestakse … das ist schon ganz furchtbar, ganz ekelhaft.»

Rosa von Praunheim & Oliver Sechting. «Es gibt ja auch Macken, die positiv besetzt sind. Wir halten uns beide für unentdeckte Schlagerstars und geben abends unseren Kuscheltieren immer Konzerte. Von Howard Carpendale bis Trude Herr. Und die Stofftiere – es sind so um die 70 (und sie alle haben Namen wie Frau Dr. Elchi, 3IQ oder Elli J., die Red.)müssen dann bewerten, wer besser gesungen hat, und darüber streiten wir dann den Rest des Abends.» Was Marotten angeht, macht dem Filmemacher Rosa von Praunheim wirklich niemand so schnell was vor: vom Von-anderer-Leute-Teller-Essen bis zu hysterischen Vergiftungsängsten, alles im Angebot!

Was Hella von Sinnen und Cornelia Scheel selbst an schrägen, nervigen, charmanten Marotten so alles drauf haben, geht eigentlich auf keine Kuhhaut, aber letztendlich doch in ein ganzes Kapitel (siehe Seite 461 ff.)

Ein Tusch auf Werner Schneyder!

Mary Roos liebt es, in Baumärkte zu gehen und Dinge zu kaufen. Akkuschrauber zum Beispiel. Hämmer in allen Größen und Schlagstärken. Bohrer, Schraubenzieher, Sachen halt. («Liebe Lesenation, Sie sehen Hella von Sinnen tief erschüttert …») Dirk Bach arbeitet hart auf seine Wiedergeburt hin; Normalversion: als Blume – Premiumversion: als lesbische schwarze Soul-Sängerin. Ralf König: zieht Fratzen beim Comiczeichen und hasst rote Fußgängerampeln aus vollem Herzen. «Miss Drag Queen of the World» Olivia Jones kann («apropos Sex») ohne Schlafsocken nicht schlafen und ohne Gamben resp. Gambas bestens auskommen. Bei Wigald Boning muss das Abendessen um 18.30 Uhr, 18.35 auf dem Tisch stehen. Jürgen von der Lippe ist Aprosdoketiker (ein fanatischer Verwender komplizierter Wörter). Und Bastian Pastewka, wussten Sie das eigentlich?, ist Seplophobiker. Verrottendes Material bereitet ihm Angst. SÄMTLICHES verrottende Material! So hat Herr Pastewka jeden Tag mächtig was zu tun.

Extrem amüsant wie immer: Werner Schneyder. Frage von Sinnen/Scheel: «Gibt es in Ihrem Leben feste Rituale?» Antwort Werner Schneyder: «Viele. Ich verlasse das Haus beispielsweise nur bekleidet. Wenn ich gegrüßt werde, grüße ich zurück, Ich lasse den Damen den Vortritt. Manchmal auch gegen meine Überzeugung.» Frage von Sinnen/Scheel: «Haben Sie auch ein Einschlafritual?« Antwort Werner Schneyder: «Beim Einschlafen mache ich die Augen zu. Wenn sie wieder aufgehen, wiederhole ich diesen Vorgang später.» Frage von Sinnen/Scheel: «Wie wird denn Silvester zelebriert?« Antwort Werner Schneyder: «Für mich ist der Jahreswechsel ohne das nachfolgende Konzert der Wiener Philharmoniker undenkbar. Diese Musik und mein Restrausch gehen eine einzigartige Verbindung ein.»

Apropos Franz von Assisi …

Der Psychiater Dr. Manfred Lütz, Autor des Bestsellers Irre. Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen, sagt klipp und klar, dass er am heiligen Franz von Assisi vor allem die Lässigkeit schätze, mit der dieser mit seiner Schizophrenie umgegangen sei. Das Problem seien nicht die paar abweichlerischen Eigenbrötler, Überspannten und schrägen Vögel; das Problem sei die Tyrannei der Normalität, also dass die Normopathen die überwältigende Mehrheit unserer Gesellschaft stellen.

Ob Boris Becker in seiner «großen Besamerphase» vielleicht manisch gewesen wäre, wollen die beiden Autorinnen vom Chefarzt des Kölner Alexianer-Krankenhauses wissen. «Schön wär's! Maniker sind oft sehr geistreich und witzig, ziemlich flott im Kopf. Das kann man von unser aller Bobbele leider nicht unbedingt sagen. Keiner meiner Maniker wäre wohl so sehr von allen guten Geistern verlassen, dass er sein ganzes Leben öffentlich abfilmen lassen würde, einschließlich der eigenen Hochzeit. (…) Bei Boris gibt es kein Danach. Der Boris ist so, und dagegen kann man gar nichts machen, denn der Boris ist leider normal, unheilbar normal.» Stino, stinknormal. Das muss ja mal gesagt werden.

Hella von Sinnen, Cornelia Scheel rororo 496 S.
in den Warenkorb

Leseprobe
Video